Wie Alkohol den Knochen das Genick bricht

Übermäßiger Alkoholkonsum macht Knochen brüchig, indem er das Gleichgewicht bei der Knochenerneuerung stört: Während der Knochenabbau unverändert bleibt, blockiert der Alkohol die Zellen, die normalerweise sofort einspringen und den zerstörten Anteil ersetzen. Dadurch werden die Knochen zerbrechlicher und heilen nach Brüchen sehr viel langsamer als ohne Alkoholeinfluss.
Der Verlust der Knochenstabilität ist eine häufige, aber eher unbekannte Folge von Alkoholmissbrauch. Aus diesem Grund war bislang auch unklar, wie genau der Alkohol in den Knochenstoffwechsel eingreift. Um das herauszufinden, analysierte der amerikanische Mediziner Dennis Chakkalakal eine Reihe von bereits veröffentlichten Studien mit kultivierten Zellen, Tieren und Patienten. Sein Fazit: Verantwortlich für die brüchigen Knochen ist der Einfluss des Alkohols auf die so genannten Osteoblasten.

Diese Zellen sind die Baumeister des Knochens: Sie sorgen für Nachschub, wenn älteres Knochengewebe abgebaut wird, so dass sich Abbau und Aufbau stets im Gleichgewicht befinden. Große Mengen an Alkohol blockieren jedoch die Arbeit der Osteoblasten, so dass sich nach und nach Löcher im Knochengewebe bilden und die gesamte Knochenstruktur instabil wird.

Dieser Effekt kann bereits nach wenigen Jahren einsetzen ? abhängig davon, wieviel Alkohol konsumiert wird, berichtet Chakkalakal. Seinen Ergebnissen nach reichen dabei schon drei alkoholische Getränke täglich aus, um den Knochen erheblich zu schädigen. Frühere Studien hatten die dazu nötige Alkoholmenge auf sechs oder mehr Getränke pro Tag beziffert. Der Wissenschaftler empfiehlt daher, nach einem Knochenbruch auf jeden Fall auf Alkohol zu verzichten. Weitere Studien müssten nun zeigen, wie das Genussmittel genau auf die Osteoblasten einwirkt. Nur dann könnten möglicherweise Nahrungsergänzungsmittel oder knochenerhaltende Medikamente für schwere Alkoholiker entwickelt werden.
Dennis Chakkalakal (Veterans Affairs Medical Center, Omaha): Alcoholism: Clinical & Experimental Research (Dezember-Ausgabe)

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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