Die komplexe Beziehung zwischen UV-Licht und Hautkrebsrisiko

Die für Sonnenbrand verantwortliche UV-B-Strahlung erhöht das Risiko für schwarzen Hautkrebs möglicherweise nicht so stark wie bislang angenommen. Das zeigt eine Studie amerikanischer Wissenschaftler an Zellen von Patienten mit verschiedenen Hautkrebsarten. Demnach gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen den Erbgutschäden, die durch die energiereiche Strahlung entstehen, und dem aggressiven auch malignes Melanom genannten schwarzen Hautkrebs. Im Gegensatz dazu war die Wahrscheinlichkeit, an dem eher harmlosen hellen Hautkrebs zu erkranken, umso höher, je mehr Schäden die Erbsubstanz nach der UV-Bestrahlung aufwies.
Beim hellen Hautkrebs entarten Zellen in den obersten Hautschichten. Er ist zwar sehr häufig, kann jedoch auch in fortgeschrittenen Stadien meist gut geheilt werden, da die Tumoren nur äußerst selten Metastasen bilden. Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, ist dagegen vergleichsweise selten, bildet jedoch extrem schnell Tochtergeschwüre und gehört damit zu den aggressivsten Krebsarten überhaupt. Für beide Krebsarten wurden bislang hauptsächlich Brüche in den DNA-Molekülen der betroffenen Hautzellen verantwortlich gemacht, die durch UV-B-Strahlung verursacht werden. Probleme mit der Erbgutreparatur und damit eine Neigung zu solchen DNA-Brüchen erhöhen demnach das Hautkrebsrisiko, so die gängige Theorie.

Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen, bestrahlten die Wissenschaftler nun Zellen von 238 Melanompatienten, 231 Patienten mit hellem Hautkrebs und 329 gesunden Kontrollprobanden mit UV-B-Licht. Anschließend bestimmten sie die Zahl der DNA-Brüche in den Zellen. Das Ergebnis: Das Erbgut der Patienten mit hellem Hautkrebs reagierte sehr viel empfindlicher auf die Strahlung als das der Melanompatienten und der Kontrollgruppe. Demnach erhöht die UV-B-Strahlung in Kombination mit einem schlechten DNA-Reparatursystem zwar das Risiko für hellen Hautkrebs um bis zu einem Faktor drei, beeinflusst jedoch nicht direkt die Entstehung des schwarzen Hautkrebses, schließen die Forscher.

Ein Freibrief für das Sonnenbad seien diese Ergebnisse jedoch nicht. Neben der UV-B-Strahlung schädigt nämlich auch die längerwellige UV-A-Strahlung die Erbsubstanz ? allerdings auf subtilere Weise: Sie verursacht keine Strangbrüche, sondern Mutationen, die sich im Lauf der Zeit ansammeln. Irgendwann, so die Forscher, ist die DNA dann so geschädigt, dass die Zellen ebenfalls entarten und die gefürchteten malignen Melanome bilden können. Es gelte also nach wie vor die Empfehlung, sich möglichst gut vor der Sonne zu schützen.
Li-E Wang ( Universität von Texas, Houston) et al.: Journal of the National Cancer Institute (Bd. 97, S. 1822).

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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