Eis unter der Oberfläche

Unter der Oberfläche des Mars könnten sich größere Eisdepots und womöglich sogar flüssiges Wasser befinden. Das enthüllen Radarmessungen der europäischen Raumsonde Mars Express, die Forscher um Giovanni Picardi von der Universität von Rom in der Zeitschrift Science vorstellen.
Vom Erfolg der Radarmessungen sind selbst erfahrene Planetenforscher wie Jeffrey Plaut vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena begeistert. "Der aufregendste Teil dieses Experiments besteht einfach darin, dass es funktioniert", sagte Plaut dem Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Die Forscher untersuchten zwei Gegenden auf der nördlichen Mars-Hemisphäre mit dem Radar. In einem Flachland namens Chryse Planitia entdeckten sie 1,5 bis 2,5 Kilometer unter der Oberfläche eine 250 Kilometer große, runde Struktur, die sie als Meteoritenkrater interpretieren. Der Krater wurde vor einigen Milliarden Jahren von Vulkanasche verschüttet. Im Inneren des Kraters befindet sich Material, das die vom Instrument Marsis ausgesandten Radiowellen kaum dämpft. Dabei könnte es sich um Eis handeln, das für Radiowellen fast durchsichtig ist. Die Existenz eines Eisdepots in Chryse Planitia kommt nicht ganz unerwartet: In das Becken mündeten früher anscheinend mehrere Flüsse.

Von der Unterseite des Kraters fingen die Forscher ein sehr starkes Echo auf. "Solch ein Echo würde man erwarten, falls sich unter dem Eis flüssiges Wasser befindet", sagte Marsis-Manager William Johnson dem New Scientist. Das Echo könne aber auch von einem anderen Material verursacht werden, sagt der Forscher.
Neben Chryse Planitia untersuchten die Forscher auch noch die Nordpolregion des Mars mit dem Radar. Sie stellten fest, dass die Eiskappe am Nordpol aus fast reinem Wassereis besteht und 1,8 Kiloeter dick ist.

Die Antenne des Radar-Instrumentes Marsis wurde - nach einigen Pannen - erst im Juni dieses Jahres ausgefahren. Seitdem hat Marsis erst wenige, kurze Untergrund-Messungen durchgeführt, da dafür pro Umlauf nur 26 Minuten zur Verfügung stehen, wenn sich die Sonde in der Nähe ihres marsnächsten Punktes befindet. Außerdem können die Messungen nur dann durchgeführt werden, wenn sich der marsnächste Punkt auf der Nachtseite des Planeten befindet, da die Wellen die Ionosphäre bei Tag nicht durchdringen können. Da dies noch bis Mai der Fall ist, wird Mars Express sich bis dahin noch einige interessante Stellen auf der Südhabkugel vornehmen können.

Auf die Anwesenheit von Wasser auf dem jungen Mars deuten weitere Daten der Sonde Mars Express hin, die Forscher um Jean-Pierre Bibring von der Universität Paris Sud in der Zeitschrift "Nature" vorstellen. Mit dem Instrument Omega entdeckten sie zwei Sorten von Mineralien, die sich nur in Kontakt mit Wasser bilden. Zum einen handelt es sich um so genannte Phyllosilikate, die entstehen, wenn magmatisches Gestein in Kontakt mit Wasser kommt. Auf der Erde gehört Ton zu dieser Sorte Mineralien. Außerdem entdeckten die Forscher Sulfate. Dabei handelt es sich um Salze, die in sauren Gewässern entstehen. Wie die Forscher schreiben, entstanden die Phyllosilikate offenbar in einer früheren Periode der Marsgeschichte als die Sulfate.
D.A. Gurnett et al: "Radar Soundings of the Ionosphere of Mars", Sciencexpress, 30. November 2005

Giovanni Picardi et al.: "Radar Soundings of the Subsurface of Mars", Sciencexpress, 30. November 2005

Ute Kehse


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