20.03.2012 -

Sauer macht krank

Im Meer wird es immer leerer. Wo sich einst riesige Fischschwärme tummelten, machen sich inzwischen viele Fischarten rar. Schuld sind vor allem die übermäßige Fischerei und Umweltgifte im Wasser. Der Klimawandel stand dagegen bisher nicht im Verdacht, den Rückgang vieler Fischbestände mit zu verursachen. Fische, glaubten die Forscher, könnten den damit verbundenen Umweltveränderungen mühelos trotzen – vor allem der zunehmenden Versauerung der Meere.

Diese kommt durch einen steigenden Anteil von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre zustande. Etwa ein Drittel des CO2, das unter anderem durch Kraftwerke, Industrie und Verkehr in die Luft gelangt, wird von den Ozeanen aufgenommen und gespeichert. Unter der Versauerung der Meere leiden vor allem Lebewesen mit Kalkschalen wie Muscheln, Schnecken und Korallen. Doch sie macht auch jungen Fischen zu schaffen, fand ein internationales Team von Forschern um die Biologin Andrea Frommel vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) heraus.

In einem großen Versuchsbecken, das weitgehend natürliche Lebensbedingungen simulierte, setzten sie Dorsch-Larven drei verschiedenen Kohlendioxid-Konzentrationen aus: der heutigen durchschnittlichen Konzentration von 380 ppm (Parts per Million, CO2-Teilchen pro Million Luft-Partikel), dem für 2100 erwarteten CO2-Gehalt (1800 ppm) und einer extremen Konzentration von 4200 ppm. Sieben Wochen lang verfolgten die Forscher die Entwicklung der Jungfische.

Das Resultat: Vor allem bei der extremen CO2-Konzentration entstanden im Verlauf des Wachstums bei vielen Fischen erhebliche Schäden an diversen Organen wie Leber, Nieren, Darm und Bauchspeicheldrüse. „Die Larven sind in dieser Phase in einem kritischen Stadium, in dem viele innere Umbauprozesse stattfinden" , erklärt Andrea Frommel. „Diese Entwicklungen sind energieaufwendig und daher besonders sensibel für Umweltveränderungen." Die Mechanismen zur Säure-Base-Regulierung, mit denen erwachsene Dorsche Änderungen des pH-Werts ausgleichen, sind bei den Jungtieren noch nicht ausgebildet. Deshalb setzt ihnen eine Versauerung des Wassers stark zu. Die Forscher warnen, dass diese Folge des Klimawandels die Fischbestände weiter verringern wird.

Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de

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