Die ENTDECKUNG DER NACHT

96 Prozent unseres Universums liegen im Dunkeln. Ein Buch über die spannende Suche nach dem unsichtbaren Stoff.

D r in ckr, o r st z – können Sie das entschlüsseln? Nein? Kein Wunder, denn der Satz besteht nur aus wenigen Prozent der Buchstaben. Ausgeschrieben steht da: „Das hier ist kein Druckfehler, sondern der erste Satz." Den Astronomen geht es ganz ähnlich: Mit ausgeklügelten Teleskopen und Detektoren mustern sie den Himmel – und nehmen doch nur einen Bruchteil des Universums wahr: 96 Prozent liegen im Dunkeln. Der amerikanische Journalist Richard Panek, unter anderem Autor der New York Times, hat über die Entdeckung der Nacht ein bemerkenswertes Buch geschrieben. Er zeichnet ein Kapitel der jüngsten Wissenschaftsgeschichte so akribisch nach, als wäre er bei allen Erfolgen und Misserfolgen, bei allen Diskussionen und Debatten selbst dabei gewesen.

Als der Astrophysiker Fritz Zwicky 1933 einen Galaxienhaufen untersuchte, fiel ihm eine grobe Ungereimtheit auf: Die ermittelte Massendichte der Sternsysteme müsste 400 Mal so groß sein, wie die Leuchtkraft allein vermuten lässt. Jahrzehntelang kümmerte sich kaum jemand um diese Erkenntnis. „Der Aufstieg der Kosmologie zu einer echten Wissenschaft Ende der Sechzigerjahre ließ das Problem der fehlenden Masse aber plötzlich dringlicher erscheinen", schreibt Richard Panek. Die kosmische Hintergrundstrahlung war gerade entdeckt worden, die Theorie vom Urknall schien grandios bestätigt. Alles passte, zumal Edwin Hubble schon längst herausgefunden hatte, dass das Universum auseinanderfliegt. Aber warum tut es das?

Hier knüpft Panek an und erzählt vom harten Wettbewerb der beiden Gruppen um Saul Perlmutter und Brian Schmidt, die nach dieser universellen Triebfeder suchten. Dazu beobachteten die Wissenschaftler – gemeinsam mit Adam Riess erhielten sie dafür den Physik-Nobelpreis 2011 – weit entfernte Supernovae (explodierte Riesensterne), berechneten anhand der Helligkeit die Entfernung – und stellten fest, dass die Expansion des Alls sogar zunimmt. Was hinter der Dunklen Energie steckt, wissen die Forscher nicht. Ebenso wenig kennen sie die Zusammensetzung der Dunklen Materie. Dass sich leuchtende Sterne, Gaswolken und Galaxien zum gesamten Weltall ähnlich verhalten wie die Schokostreusel zum Kaffee in einer Tasse Capuccino, gehört wohl zu den verblüffendsten Erkenntnissen der Astronomie. Vielleicht mündet sie eines Tages in eine neue Physik, die hilft, die Sprache des Universums endlich zu verstehen. Helmut Hornung

Richard Panek DAS 4 %-UNIVERSUM Carl Hanser, München 2011 363 S., € 24,90 ISBN 978–3–446–42689–4

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!