Professor Moriartys Würfel

London, Baker Street 221 b: Sherlock Holmes hatte schon eine ganze Weile nachdenklich ein zerknittertes Blatt Papier betrachtet, als er fragte: „Mein lieber Watson, was halten Sie hiervon?" und mir den Zettel gab. Auf dem Blatt waren zwei Bleistiftzeichnungen von Spielwürfeln zu sehen. Holmes berichtete: „Winston Smith, ein kleiner Gauner aus Soho, hat eine Unterhaltung zwischen Professor Moriarty und einem seiner Komplizen belauscht. Dabei hörte er, wo Moriarty die Gewinne aus seinen illegalen Spielhöllen versteckt hat. ‚Das Geld ist in dem Würfel‘, verriet Moriarty seinem Komplizen und ließ dabei einen kleinen goldenen Spielwürfel über den Tisch rollen. Smith hat zwei Ansichten dieses Würfels auf dem Zettel skizziert. Dann hat er noch erfahren, Diebe würden durch irgendwelche X- Strahlen getötet." „Wie kann Moriarty das viele Geld in einem kleinen Spielwürfel unterbringen?", fragte ich erstaunt. „Watson, seien Sie kein Narr", sagte Holmes und stopfte seine Pfeife. „Ich hätte eigentlich selbst darauf kommen müssen, denn das Versteck passt zum skurrilen Humor des Professors. Er hat vor einiger Zeit in dem Park seines Hauses einen riesigen Spielwürfel von vier Yard Kantenlänge bauen lassen, der genauso aussieht wie sein goldener Würfel. Dort befinden sich vermutlich die Spielgewinne." Holmes zündete seine Pfeife an und paffte ein paar Wölkchen in die Luft. Dann sagte er: „Watson, laden Sie Ihren Revolver. Heute Nacht werden wir uns das Geld des Professors holen." Ungesehen gelangten wir in Moriartys Park und zu seinem Würfel. Zwischen den Augen der Vier war eine Tür in der Wand, die Holmes in wenigen Minuten mit seinen Dietrichen geöffnet hatte. Ich wollte in den Würfel gehen, aber Holmes hielt mich zurück und gab mir eine Brille. „Mit dieser Brille kann man X-Strahlen sichtbar machen. Setzen Sie sie auf." Ich tat wie geheißen und blickte dann in den Würfel. Von der Deckenmitte hing ein Faden herab, an dem ein Schlüssel baumelte. Auf die Wände waren von innen, genauso wie von außen, die schwarzen Augen eines Spielwürfels gemalt. Von Mittelpunkten mancher Augen gingen X-Strahlen aus, die in den Mittelpunkten anderer Augen endeten. Wären wir in einen dieser Strahlen geraten, es wäre unser sicherer Tod gewesen. „Schauen Sie, Watson", sagte Holmes. „Moriarty ist ein Ästhet. Immer drei Strahlen bilden ein gleichseitiges Dreieck, und alle gleichseitigen Dreiecke, die man zwischen Augenmittelpunkten zeichnen kann, sind auch vorhanden." Holmes gelang es, sich zwischen den Strahlen hindurch zu winden und den Schlüssel zu holen. Im Boden war ein Tresor eingelassen, der sich mit dem Schlüssel öffnen ließ. Als wir in den frühen Morgenstunden unbeschadet wieder in unserer Wohnung in der Baker Street waren, fragte ich Holmes: „Wie viele X-Strahlen gab es eigentlich in dem Würfel?" „Mein lieber Watson, das können Sie sich doch leicht selbst überlegen!" Wie lautet die Antwort? Alle Augen eines Würfels liegen übrigens immer auf einem quadratischen Raster von drei mal drei Punkten.

So machen Sie diesen Monat mit

Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 29. Februar 2012 an:

bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 2|12"

Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen

Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Mai-Heft 2012 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.

Zu gewinnen

Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Zu gewinnen gibt es das „Lexikon der verblüffenden Erkenntnisse" von Jürgen Brater. Darin stellt der Zahnarzt und Biologielehrer erstaunliche und kuriose naturwissenschaftliche Fakten vor. Wenn Sie das Buch gelesen haben, wissen Sie allerhand absonderliche Dinge – zum Beispiel dass man stärker abnimmt, wenn man weniger Sport treibt, dass man sich an Erdnüssen satt essen kann, ohne eine einzige Nuss zu verzehren, dass ein Krokodil weniger isst als ein Mensch, dass ein Pkw einen Jumbojet ziehen kann, dass manche Lebewesen bis zu 13 Geschlechter haben, dass auch Fische seekrank werden können, dass Bäume tagsüber dünner werden – oder dass eine Stubenfliege 80 000 Tonnen Nachwuchs hervorbringen kann. Mehr über das Buch erfahren Sie auf der Verlagsseite: www.fischerverlage.de

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