Ein Ende, das uns betrifft

Am 21.12.2012 ist Weltuntergang! Diese Parole wird an Konjunktur noch zulegen. Der Filmregisseur Roland Emmerich hat den Beitrag bereits 2009 abgeliefert: Sein Film „2012" basiert auf der Vorstellung, dass nach dem Ende der Langen Zählung des Maya-Kalenders die Welt zerbirst. Für Herrn Emmerich geht die Welt nicht unter: Schon wenige Tage nach Filmstart waren die Produktionskosten in Höhe von 200 Millionen Dollar wieder eingespielt.

Nikolai Grube, Archäologe und Altamerikanist, reagiert erbost, wenn man ihn zum angeblichen Finale im Maya-Kalender befragt: Da wurden „von europäischen Wissenschaftlern Bekanntes von den Azteken, Unverstandenes von den Maya und die in der europäischen Zahlenmystik böse 13 zusammengerührt". Wie eindrucksvoll er dieses den Maya zugeschriebene Untergangsszenario zerlegt, lesen Sie ab Seite 76.

Der Artikel dazu stammt von Michael Zick. Es ist einer von 137 größeren Archäologie-Artikeln, die der langjährige bild der wissenschaft-Redakteur und Autor für dieses Blatt geschrieben hat. Es ist sein letzter. Michael Zick ist am 29. November 2011 gestorben. Ich kannte ihn seit meinen Anfängen, als er im Hauptjob „Chef vom Dienst" war – also Redakteur, Terminverwalter und Textchef in einem. „Herr Zick", wie ich ihn damals selbstverständlich anredete, war eine Bastion. Nicht immer einfach, aber stets da für bild der wissenschaft. Als ich sieben Jahre später zur „Wirtschaftswoche" wechselte, bot er mir das Du an. Auf dieser Basis begegneten wir uns in meiner zweiten bdw-Phase tagtäglich, was der direkten Ansprache nur gut tat. Auch unterschiedliche Meinungen können zu einem besseren Produkt führen.

Zick war es auch, der die Initialzündung für die höchst erfolgreiche Wissenschaftsreihe „Lauffen will es wissen!" gab, in der sich bedeutende Forscher einer großen Öffentlichkeit stellen. Die jüngsten bdw-Interviews mit dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft Hans-Jörg Bullinger, dem Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker und dem Nobelpreisträger Klaus von Klitzing sind alle dabei entstanden. Anfang der 1990er-Jahre stürzte sich Michael Zick geradezu auf die Archäologie, wenige Zeit später auch auf unsere Leserreisen. Dabei hatte er noch kurz davor schroff die Meinung geäußert, ein Redakteur sei ja wohl kein Reisebetreuer. Doch dann organisierte und betreute er für uns sieben erfolgreich durchgeführte Reisen – auf mehr bringt es bisher niemand.

Nach Erreichen des Rentenalters zog sich Zick nicht in den Ruhestand zurück – ganz im Gegenteil: Er führte nun in eigener Regie Reisegruppen durch Südamerika und China. Und er schrieb Bücher. So entstanden in jüngster Zeit zwei absolut lesenswerte und einzigartig bebilderte Werke über archäologische Erkenntnisse auf dem Gebiet der heutigen Türkei und von Peru (beide erschienen im Theiss-Verlag). Ich erhielt sein Türkei-Buch mit der Widmung „ Nümero 3, für Wolfgang!" – also gewissermaßen das dritte Buch der Erstauflage. Welche Anerkennung Zick aus der Wissenschaft zuteilwurde, erfahren Sie auf Seite 106.

Als ich am 2. Dezember im IC die Nachricht von seinem Tod erhielt, konnte ich das nicht glauben. Er war zwar erkrankt, befand sich aber auf dem Weg der Besserung. Doch sein Herz wollte diesen Weg nicht mehr begleiten. Meine Kollegen und ich werden Michael Zick – der bis zuletzt oft in der Redaktion vorbeischaute – und natürlich auch seine Beiträge sehr vermissen.

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