Füße hoch, der Robot kommt

Mit einem selbständig arbeitenden Staubsauger will die Industrie die Tür zur Einführung von Robotern im Haushalt schon in ein paar Jahren öffnen.

Schon jetzt bauen sie Autos, sanieren Kernkraftwerke, reinigen Kaufhäuser und erforschen den Mars. Doch bald soll die Roboterzeit auch in Wohnzimmer und Küche anbrechen.

Die kreativsten Väter digitaler Droiden wirken am Robotic Institute der Carnegie Mellon Universität (CMU) in Pittsburgh, Pennsylvania. "Neben Biotechnik und Internet wird die Roboter-Technologie die Zukunft prägen", ist Projektleiter Jim Osborn überzeugt. In den USA wurden zu Beginn der neunziger Jahre Roboter im Wert von 400 Millionen Dollar hergestellt, 1998 überstieg der Wert schon eine Milliarde. Die Region Pittsburgh, die schon lange nicht mehr von der klassischen Stahlindustrie leben kann, profitiert als erste von diesem Trend. Firmen aus der Roboter-Branche geben neue wirtschaftliche Impulse.

Bei CMU entstehen die Roboter von morgen: Maschinen, die eigenständig Güterzüge beladen, Kornfelder mähen oder Kohle abbauen. "Roboter übernehmen nicht nur die Schwerstarbeit, sondern sind auch überall im Einsatz, wo es für Menschen gefährlich wird", erläutert Osborn. Autonome Maschinen sollen künftig undichte Gaspipelines flicken, nach einem Erdbeben im Katastrophengebiet als Aufklärer agieren, Bomben entschärfen oder bei der Demontage veralteter Kernkraftanlagen helfen.

Roboter werden uns auch immer öfter im Alltag begegnen, davon ist Sebastian Thrun, einer von drei deutschen Professoren an der CMU überzeugt. Sein Forschungsziel ist es, die Kommunikation zwischen Maschine und Mensch zu erleichtern. Seinem Kopf entsprang bereits die sprechende Blechtonne namens Rhino, die sich im Deutschen Museum Bonn als gewitzter Führer bewährte. "In 10 bis 20 Jahren gibt es sprechende Infosäulen in Einkaufszentren und stählerne Empfangschefs in Hotels", sagt Thrun. Selbst rollende Postboten und digitale Altenpfleger hält er für möglich: In Pittsburgh rief Thrun ein Projekt ins Leben, bei dem ältere Menschen mit Hilfe von Robotern möglichst lange selbständig bleiben und teure Aufenthalte im Heim vermieden werden können.

Doch ehe ein elektronisches Heinzelmännchen für den Haushalt den Werkstätten von CMU entsteigt, wird noch viel Maschinenöl verbraucht. "Es hapert an der Wahrnehmung", gibt Jim Osborn zu. "Roboter können bislang nicht alle drei Dimensionen ihrer Umwelt so schnell wie ein Mensch erfassen. Viel Arbeit wird auch noch nötig sein, bis Roboter Sprache sicher erkennen, richtig wiedergeben und sich auch untereinander fehlerfrei verständigen."

Optimistischer ist Hans Moravec, Gründer des Robotic Institute. Er setzt auf die sich fast jährlich verdoppelnde Rechenleistung: "Künstliche Intelligenz ist unaufhaltsam. Die IBM- Maschine Deep Blue, die 1997 Schachgroßmeister Garry Kasparow besiegte, schaffte bereits drei Millionen MIPS (Rechenoperationen pro Sekunde). Ein menschliches Gehirn denkt mit 100 Millionen MIPS." Spätestens im Jahre 2040, weissagt Moravec, wird es einen Roboter mit menschlicher Intelligenz geben.

Den ersten Schritt in diese Richtung tat Moravec selbst: Bis zum Jahre 2005 will er einen staubsaugenden Automaten für jedermann auf den Markt bringen, durchaus aus Eigennutz: "Ich hasse Staubsaugen."

Robotic Institute ... ... der Carnegie Mellon Universität: Unter den Roboter-Schmieden gilt das Robotic Institute der CMU weltweit als führend. Die Pittsburgher entwickelten zum Beispiel die Automaten, die im havarierten US-Atomreaktor Harrisburg aufräumten, das in Vulkane kriechende Spinnenwesen "Dante", sowie den Roboter "Pioneer", der zur Zeit die Reaktorruine in Tschernobyl inspiziert.

Roboter Als Roboter, abgeleitet aus dem tschechischen Wort für "Frondienst", ist jede Maschine definiert, die physikalisch auf die Umwelt einwirkt und sie verändert. Historische Dokumente datieren die ersten mechanischen "Menschen" (und Tiere) bereits vor 2000 Jahren. Heute stehen in den USA rund 90000 Roboter an Fließbändern und produzieren Autos, Computer-Chips und Mint-Kekse.

Künstliche Intelligenz Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik. Damit will man Computern intelligentes, menschliches Verhalten beibringen. Die Rechner sollen Probleme eigenständig erkennen und lösen können. KI zeigt sich bereits bei fußballspielenden Robotern, Sprach- und Schach-Computern.

Désirée Karge

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