Gentherapie gegen den Schmerz

US-Forscher haven Gene in die Nervenzellen von Mäusen eingeschleust. Danach spürten die Tiere einige Wochen keine chronischen Schmerzen mehr.

Ein paar Ergebnisse waren vor ihrer offiziellen Veröffentlichung im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Science" durchgesickert und erregten bei den Experten Aufsehen. Denn erstmalig hatten Wissenschaftler die neue Wunderwaffe der Medizin, die Gentherapie, erfolgreich im Kampf gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Das Team an der University of South Carolina Scool of Medicine in Columbia spritzte Mäusen das neuartige Gen-Therapeutikum direkt unter die Haut.

Das Mittel enthielt Viren, in die Gene für den Eiweißstoff Preproenkephalin eingebaut waren. Der Mäuse-Organismus kann diese Substanz in Enkephaline zerlegen, die die Übertragung des Schmerzsignals von den Nervenzellen des Körpers zum Gehirn unterbrechen. Der Clou: Die Mäuse produzierten nach der Injektion nur dann Preproenkephalin, wenn die Schmerzen langanhaltend waren. Solche Schmerzen haben ihre biologische Funktion als Warnsignal verloren.

Seit Jahren suchen Pharmakologen nach wirksamen Mitteln gegen chronische Schmerzen. Wie Schmerzen entstehen, wissen sie recht gut: Der Körper setzt am Ort der Schädigung - also da, wo der Schmerz seine Ursache hat - spezielle Botenstoffe frei. Diese Transmitter stimulieren die Nozizeptoren, Schmerzempfänger des Organismus. 90 Prozent davon befinden sich in der Haut, ein weiterer Teil in den inneren Organen. Über Nervenfasern wird der Schmerz von den Nozizeptoren zu den Hinterhörnern des Rückenmarks geleitet.

Die Dicke der Fasern entscheidet dabei über das Empfinden: C-Fasern bewirken langanhaltenden, dumpfen und quälenden Schmerz, während A-delta-Fasern akute, stechende und gut lokalisierbare Schmerzen vermitteln. Vom Rückenmark gelangen die Schmerzinformationen zu verschiedenen Regionen des Gehirns, wo die eigentliche Schmerzwahrnehmung stattfindet.

Sieben Wochen produzierten die behandelten Mäuse schmerzhemmende Substanzen, die spezifisch bei C-Fasern wirken. Deshalb spürten die Tiere künstlich herbeigeführte chronische Schmerzen nicht mehr. Auf plötzliche starke Schmerzen reagierten die Mäuse weiterhin normal. "Gelingt es uns, das geeignete Virus für die Gen-Übertragung auch beim Menschen zu finden, könnten bereits in drei bis fünf Jahren erste klinische Studien erfolgen", sagt Forschungsleiter Steven P. Wilson. Dann dürften, in weiteren 10 bis 15 Jahren, Patienten mit chronischen Schmerzen auf Abhilfe hoffen.

Inzwischen hat eine weitere US-Forschergruppe ähnliche Erfolge wie das Team um Wilson vorzuweisen: Wissenschaftler der amerikanischen National Institutes of Health spritzten genetisch veränderte Viren direkt in die Rückenmarkflüssigkeit von Versuchsratten. Die umgebenden Bindegewebszellen produzierten daraufhin den Schmerzstiller beta-Endorphin. Weil auch diese Substanz besonders die C-Fasern beeinflußt, waren die Ratten nach der Behandlung nicht mehr für chronische Schmerzen empfänglich.

Vlad Georgescu

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