Wissenschafts-Index: Ökologie - Viel in Kiel

Dieser Index beruht auf einer Auswertung der Datenbanken SCI und SSCI.Sie umfassen einen Ausschnitt von Zeitschriften. Hier sind überwiegend englischsprachige, renommierte Fachzeitschriften berücksichtigt.

Die Bedeutung Die Ökologie ist Teil der Biologie und beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Organismen und ihrer belebten und unbelebten Umwelt. Untersucht werden die Zusammenhänge zwischen Einzellebewesen und Umwelt sowie die Wechselbeziehungen zwischen artgleichen und artfremden Lebewesen. Die komplexeste Form ist die System-Ökologie, die die verschiedenen Untersuchungsansätze integriert.

Erst Ende der sechziger Jahre wurde deutlich, daß es bei der Ökologie nicht nur um eine neutrale Beobachtung der Zusammenhänge in der unberührten Natur gehen kann. Vielmehr muß sie den Menschen als einen Teil der Natur betrachten und sich mit seinen Eingriffen in ökologische Systeme auseinandersetzen. Die Ökologie wurde damit zur zentralen Wissenschaft der Naturschutzbewegung. Mittlerweile ist die Angewandte Ökologie eine Teildisziplin, die sich mit praktischen Problemen wie Auswirkungen von Giftunfällen, Überdüngung oder Landesplanung beschäftigt.

Die Zahl der Veröffentlichungen der letzten Dekade Die Zahl der Ökologie-Publikationen in den Datenbanken SCI und SSCI hat sich seit 1988 nahezu verdoppelt. Gründe dafür sind die politische Brisanz dieses Themas sowie bessere Meßverfahren und neue Software, die selbst die Analyse komplexer Systeme erlauben.

Deutschland im internationalen Vergleich Angesichts der öffentlichen Diskussion wäre eine besondere Stärke der deutschen Ökologieforschung zu erwarten. Doch Deutschland hat bei internationalen Publikationen im Ländervergleich nur eine schwache Position. Es liegt weit hinter den ungewöhnlich starken Vereinigten Staaten, aber auch deutlich hinter Großbritannien, Kanada und Australien. Die Niederlande, Schweden und Spanien sind ebenfalls sehr aktiv. Auffallend ist das geringe Engagement der asiatischen und osteuropäischen Länder, in denen offensichtlich andere Probleme im Vordergrund stehen.

Die Besonderheit Die große Zahl von Publikationen an der Universität Wien rekrutiert sich vor allem aus den Bereichen Tierzucht, Zoologie und angewandte Genetik. Der Forschungsstandort Wien kann zudem auf Forschungen an der Agrar-Universität, der Veterinärmedizinischen Universität, am Konrad-Lorenz-Institut sowie am Bundesinstitut für Forstwirtschaft bauen, die 1997 und 1998 in den Datenbanken mit zusammen rund 60 Publikationen verzeichnet sind. An der Agrar-Universität geht es vor allem um Fragen der Pflanzenkunde und des Wasserhaushalts. Insgesamt ergibt sich so eine große fachliche Breite in der Wiener Ökologieforschung.

Der herausragende Wissenschaftler Prof. Christian Körner (Jahrgang 1949), in der Schweiz lebender Österreicher, ist mit 22 registrierten Arbeiten in den Jahren 1997/98 Rekordhalter in der Ökologie. Er beschäftigt sich in jüngster Zeit vor allem mit der Wirkung von Kohlendioxid auf Pflanzen. Dabei ist er immer stärker von Laborversuchen abgekommen und experimentiert bevorzugt in der freien Natur: "Fast keine der Theorien, die aufgrund von Experimenten unter sehr künstlichen Wachstumsbedingungen aufgestellt wurden, hält einer exakten Untersuchung stand", sagt der seit 1989 in Basel arbeitende Forscher. Besonders überrascht hat ihn, daß Pflanzen bei einer Verdopplung des atmosphärischen Kohlendioxid-Gehalts unter naturnahen Bedingungen ihr Wachstum weniger stark steigern, als erwartet wurde, jedoch mehr Kohlenhydrate und weniger Protein im Gewebe aufweisen. Körner vermutet: "Für Pflanzenfresser kann das ungünstige Folgen haben."

Ulrich Schmoch / Angela Hullmann

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