Mars: War Bor ein Schlüsselelement des Lebens?

An dieser Stelle im Gale Krater auf dem Mars hat der Rover Curiosity Bor entdeckt. (Credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)

Hat sich auch auf dem Mars einst Leben entwickelt? Forscher erklären, warum der Fund von Bor auf dem roten Planeten für diese Möglichkeit spricht: Das Element könnte eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Ribonukleinsäure (RNA) gespielt haben, die als "Datenträger" das irdische Leben erst ermöglicht hat.

Es gibt Bor auf dem Mars – diese Entdeckung des Marsrovers Curiosity hat Ende 2016 eher wenig öffentliches Interesse erregt, denn das vergleichsweise wenig bekannte Element schien zunächst wenig spannend. Doch wie nun die Forscher um Patrick Gasda vom Los Alamos National Laboratory in einer Veröffentlichung genauer ausführen, handelt es sich bei Bor um einen potenziellen Schlüsselfaktor: "Borverbindungen könnten eine wichtige Rolle bei der Bildung von RNA-Molekülen gespielt haben – der Fund von Bor auf dem Mars zeigt somit die Möglichkeit auf, dass einst Leben auf dem Planeten entstanden sein könnte", resümiert Gasda.

Stabilisator für das Rückgrat der RNA

Wie er und seine Kollegen erklären, könnte dem Bor eine Rolle bei der Stabilisierung eines wichtigen Bestandteils der RNA zugekommen sein: der Ribose. Ohne Co-Faktoren ist diese Zucker-Form nämlich notorisch instabil - sie zersetzt sich schnell in Wasser. Ribose braucht deshalb ein Hilfselement, um sich zu stabilisieren - und diese Rolle könnte Bor übernommen haben, sagen die Forscher. Denn in Wasser gelöst bilden sich aus dem Element sogenannte Borate, die mit Ribose reagieren und sie stabilisieren. Dies könnte am Anfang der Evolution die Bildung von RNA auf der Erde ermöglicht haben – und somit möglicherweise auch auf dem Mars, erklären die Forscher.

Durch sein Laser-Messinstrument "ChemCam" hat der Mars-Rover Curiosity Borate in Kalziumsulfat-Mineraladern im Gale Krater des Mars entdeckt. Den Forschern zufolge lässt sich aus dieser Form der Ablagerung ebenfalls etwas Wichtiges schließen: Das Bor war einst im Mars-Grundwasser vorhanden. Außerdem weist der Fund darauf hin, dass zumindest ein Teil des Wassers im Gale Krater einen neutral-alkalischen pH-Wert besessen hat und eine Temperatur zwischen 0 und 60 Grad Celsius. Es gab demnach dort Bedingungen, wie sie für die Entstehung von Leben günstig sind, wie wir es kennen.

Weiteres Indiz für einst lebensfreundliche Bedingungen

"Wir haben Borate in einem Mars-Krater entdeckt, der 3,8 Milliarden Jahre alt ist – das Material ist damit jünger als die wahrscheinliche Entstehung von Leben auf der Erde", sagt Gasda. "Im Wesentlichen sagt uns dies, dass die Bedingungen, aus denen Leben potenziell entstanden sein könnte, einst auf dem Mars existiert haben - unabhängig von der Erde", so der Wissenschaftler.

Wie die Forscher erklären, ist der Fund von Bor somit nun ein weiteres interessantes Indiz für die einstige Lebensfreundlichkeit unseres Nachbarplaneten. Ob sich aber tatsächlich einst Lebensformen gebildet haben, bleibt indes eine der spannendsten Fragen der Wissenschaft. Die Forscher hoffen in diesem Zusammenhang nun auf die nächste Generation des Marsrovers: Das neuste Modell soll mit einer in Los Alamos entwickelten "SuperCam" und einem weiteren Instrument namens "SHERLOC" ausgestattet sein. Diese beiden technischen Spürnasen sollen zukünftig noch konkreter nach Zeichen einstigen Lebens auf dem roten Planeten suchen.

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