19.11.2013 -

Die Trampelpfad-Formel

Dirk Helbing ließ der Blick aus seinem Büro hoch über dem Uni-Campus Stuttgart keine Ruhe. Der Physiker sah auf ordentlich angelegte Wege, die die Gebäude der Universität miteinander verbinden, und dazwischen viele braune Trampelpfade – Abkürzungen quer durch Wiesen und Beete. Mit welcher Regelmäßigkeit entstehen Trampelpfade, fragte er sich, sein Forschungsobjekt im Blick. Es muss doch eine Formel geben, überlegte er, die das erklären kann. Auf den ersten Blick erscheint es seltsam, wie oft kurze Strecken durch Trampelpfade abgekürzt werden: Manchmal sind es bloß wenige Meter, während Fußgänger anderswo längere Umwege akzeptieren.

Diese Erkenntnis weckte Helbings Forschergeist. Er vermaß Wege und Trampelpfade aller Art, glich die Daten miteinander ab und suchte nach Regelmäßigkeiten. Und er wurde fündig: Das Verhältnis von Weg und möglicher Abkürzung ist entscheidend. Bis zu 25 Prozent Umweg nehmen Fußgänger in Kauf. Ein größerer Umweg wird abgekürzt, selbst wenn es sich nur um eine kurze Strecke handelt. Auch die Kreuzungen von Trampelpfaden hat der Wissenschaftler untersucht und herausgefunden, dass rechtwinklige Kreuzungen offenbar nicht der Natur des Menschen entsprechen: Wenn zwei Trampelpfade aufeinander treffen, bildet sich in der Regel eine Y-förmige Gabelung.

Dass Stadtplaner diese menschlichen Eigenheiten kaum ernst nehmen, wundert den Physiker, der inzwischen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich forscht: „ Immer wieder versuchen Planer den Menschen vorzugeben, was sie zu tun und zu lassen haben, statt sich psychisch in sie hineinzuversetzen." Die Folge sind selbst getrampelte Auswege.

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