Schlaganfall trifft immer mehr Jüngere

Schlaganfälle sind eine der häufigsten Todesursachen weltweit (thinkstock)

Schlaganfälle sind eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Lange Zeit galten sie als Krankheit, die vor allem ältere Menschen betrifft. Doch die bisher umfangreichste Studie zum Thema deckt nun Besorgniserregendes auf: In den letzten Jahren wächst der Anteil jüngerer Menschen unter den Schlaganfall-Patienten. Selbst Teenager sind zunehmend betroffen, warnen die Forscher. Jedes Jahr erleiden weltweit immerhin 83.000 Menschen unter 20 Jahren einen Schlaganfall. Und auch insgesamt trifft die Krankheit immer mehr Menschen. Bis 2030 könnte sich ihre Zahl sogar verdoppelt haben.

Ein Schlaganfall entsteht, wenn Blutgefäße im Gehirn verstopfen oder es zu einer Hirnblutung kommt. In beiden Fällen erhält dadurch der von dieser Ader versorgte Hirnbereich nicht mehr ausreichend Blut und Sauerstoff. Als Folge kommt es zu Ausfällen in der Hirnfunktion. Je nachdem, wie groß der  betroffene Bereich ist und welches Areal betroffen ist, kann es zu Lähmungserscheinungen, Bewusstlosigkeit und in schweren Fällen zum Tod führen. Vor allem bei einem Verschluss eines Hirngefäßes, dem sogenannten ischämischen Schlaganfall, kann eine schnelle Behandlung das Leben der Patienten retten und schwere Spätfolgen verhindern. Denn häufig lässt sich das verstopfende Blutgerinsel durch Medikamente auflösen und so die Blutversorgung wiederherstellen.

In einer der umfangreichsten Studien zum Thema haben Forscher verschiedener nationaler Gesundheitsinstitute jetzt alle aktuellen Daten zu Schlaganfällen, der Mortalität durch diese Krankheit und der Verteilung der Fälle weltweit zusammengetragen. Sie werteten dafür die Daten der Global Burden of Diseases Studie 2010 aus. An dieser weltweiten Erhebung waren 486 Forscher aus 50 Ländern beteiligt, das Sammeln aller Daten dauerte fünf Jahre. Valery Feigin vom National Institute for Stroke and Applied Neuosciences im neuseeländischen Auckland und ihre Kollegen verglichen für ihre Studie die Schlaganfalldaten aus dieser Erhebung mit früheren Studien, aber auch zwischen Ländern mit hohem, mittleren und niedrigem Durchschnittseinkommen.

Doppelt so viele Betroffene und Todesfälle bis 2030

Die Ergebnisse sind nur bedingt ermutigend. Denn noch immer sind Schlaganfälle für rund zehn Prozent aller Todesfälle weltweit verantwortlich. Zwar überleben immer mehr Menschen einen Schlaganfall. "In absoluten Zahlen ausgedrückt steigt aber die Menge der Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, durch ihn sterben oder schwerwiegende Einbußen ihrer Lebensqualität erleiden", berichten die Forscher.  Im Jahr 2010  erlebten 16,9 Millionen Menschen ihren ersten Schlaganfall - das sind 68 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren. 5,9 Millionen Schlaganfall-Patienten starben - 26 Prozent mehr als noch 1990. "Hält dieser Trend an, wird es im Jahr 2013 fast 12 Millionen Schlaganfalltote geben", warnen Feigin und ihre Kollegen. Und auch die Zahl der schwer behindert Überlebenden könnte sich verdoppeln.

Und noch ein bedenklicher Trend zeichnet sich ab: Unter den Betroffenen sind immer mehr jüngere Menschen. Die Zahl der Patienten im Alter zwischen 20 und 65 hat seit 1990 um 25 Prozent zugenommen, wie die Wissenschaftler ermittelten. Und selbst die ganz Jungen sind nicht vor dem Schlaganfall gefeit: Jedes Jahr trifft es 83.000 junge Menschen unter 20 Jahren. "Dieses Ergebnisse zeigen, dass der Schlaganfall nicht mehr länger als Krankheit alter Menschen angesehen werden kann", konstatieren Feigin und ihre Kollegen. Wenn keine effektiven Präventivmaßnahmen unternommen werden, könnte sich dieser Trend hin zu immer jüngeren Betroffenen weiter verstärken, warnen sie.

Dass die Lebensweise und vor alle die Ernährung eine wichtige Rolle für das Schlaganfall-Risiko spielt, zeigt sich auch am Ländervergleich: In den reichen Industrieländern gehen Fallzahlen und Todesfälle allmählich wieder zurück, wie die Forscher berichten. Fortschritte in der Diagnose und Therapie und bessere Vorbeugung tragen hier bereits erste Früchte. Anders sieht es in armen Ländern und Ländern mit nur mittlerem Durchschnittseinkommen aus: Dort hat die Zahl der Betroffenen und Todesfälle in den letzten 20 Jahren rapide zugenommen - jeweils um mehr als 40 Prozent. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler darin, dass in diesen Ländern Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung, hoher Blutdruck, Übergewicht und das Rauchen in den letzten 20 Jahren zugenommen haben.

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