Die Mächtigen von Brodgar

Auf den Orkney-Inseln haben Menschen lange vor Stonehenge den ersten Steinkreis gebaut, neue Keramik erfunden und mit Farben experimentiert. Archäologen sind den Erbauern eines kulturellen Zentrums auf der Spur.

Stone ... was? Henge ... wo? Wenn ein Zeitreisender im Britannien der Jungsteinzeit vor 5000 Jahren nach dem Weg zu den berühmten Steinkreisen in der Ebene von Salisbury gefragt hätte, wäre er auf Unverständnis gestoßen. Nach genauerem Erklären hätte der Befragte genickt: „Ah, du willst zu den großen Steinkreisen!" Und dann hätte er den Zeitreisenden nach Norden geschickt: „Da entlang! Hinauf zu den Orkney- Inseln, dort findest du, was du suchst!"

Wie ein Zeitreisender kommt man sich auch als heutiger Besucher vor. Ein Sturm fegt über die zerzausten Wiesen und biegt die Disteln, die höchsten Pflanzen weit und breit, bis auf den Boden. Der dunkelgraue Himmel hängt so tief über der Unesco-Weltkulturerbestätte „Heart of Neolithic Orkney", dass man Angst haben muss, sich den Kopf zu stoßen. Für das Wetter entschädigt der Anblick: Steine, so weit das Auge reicht. Steine, die heute noch so im Kreis in der wilden Landschaft stehen, wie jungsteinzeitliche Baumeister sie vor Jahrtausenden aufgestellt haben. Gegen sie ist Stonehenge mit seinem bescheidenen Durchmesser von etwa 50 Metern eine kleine Kopie. Am ältesten Megalithring der Orkneys, den „Standing Stones of Stenness", begannen die Bauarbeiten schon ein halbes Jahrtausend, bevor in Stonehenge der erste Stein stand. Und der größte Steinkreis, der „ Ring of Brodgar", ist mehr als doppelt so groß.

Vor zehn Jahren entdeckten Archäologen eine Ansammlung von Gebäuden auf der schmalen Landbrücke zwischen den Standing Stones of Stenness und dem Ring of Brodgar. Und mit jeder neuen Grabungskampagne auf dem „Ness of Brodgar" (englisch „Ness": Landzunge) wird klarer: Hier stand im Neolithikum ein mächtiges Zentrum, von dem aus Impulse in Kunst und Architektur nach ganz Britannien ausstrahlten. Wo an der Nordspitze Schottlands der Atlantik und die Nordsee aufeinandertreffen, schlug das kräftige Herz einer bedeutenden Kultur.

Zum Glück keine Bäume

In der Jungsteinzeit haben die Menschen das Leben als Jäger und Sammler aufgegeben. Sie zogen nicht mehr Tierherden hinterher, sondern begannen, Häuser zu bauen und Samen gezielt in den Boden zu legen. Der Boden der Orkneys ist fruchtbar, das Klima mild – bedingt durch den Golfstrom. Hier wächst so ziemlich alles, solange es niedriger als einen Meter ist. Denn der beständige kräftige Wind, der im Winter zu brutalen Stürmen anschwillt, vernichtet alles, was seinen Kopf zu weit herausstreckt. Was es auf den Orkneys also kaum gibt, sind Bäume. Und damit kein Holz, um Häuser daraus zu bauen. Wohl oder übel mussten die Menschen der Jungsteinzeit ihre Gebäude hier aus Steinen errichten.

Für die Archäologen ist dieser Umstand Gold wert. Holz wäre in den Jahrtausenden, die seither vergangen sind, längst verrottet. Die Steine aber stehen dort, wo sie nicht durch moderne Häuser überbaut wurden, noch heute fast so da, wie Baumeister der Jungsteinzeit sie vor 5000 Jahren aufschichteten.

Nirgendwo in Europa gibt es ein steinzeitliches Dorf, das so gut erhalten ist wie Skara Brae. Es liegt an der Westküste von Orkneys Hauptinsel – direkt am Strand. Hinter den Häusern lecken die Wellen an dem breiten Sandstreifen. Die Sonne hat sich ausnahmsweise den Weg durch die Wolkendecke gebahnt, und im warmen Schein wirken die uralten Mauern gar nicht ehrwürdig, sondern laden ein, darin zu leben. Die kleine Tochter des Ausgräbers Gordon Childe liebte diese Häuser. In den 1930er-Jahren lud sie oft ihre Freundinnen zum Tee hierher ein. Die Mädchen stellten dann ihre Porzellantassen auf die jahrtausendealten Tische. Damit die Kinder bei ihrem Spiel freie Sicht auf den Strand hatten, rekonstruierte Papa Childe die Mauer zum Wasser hin etwas eigenwillig: Er baute ein Fenster ein, wo mit ziemlicher Sicherheit nie eines gewesen ist.

Zwischen 3180 und 2500 v.Chr. lebten hier bis zu 50 Menschen in den geräumigen Hütten. Die Behausungen sehen aus, als hätten die Bewohner sie eben erst verlassen. In der Mitte der großen Haupträume ist der Herd zu erkennen, an den Wänden und in Seitenkammern stehen Truhen, Sitze, Betten und Konstruktionen, die an Regale erinnern – alles aus Stein. Alles älter als die Pyramiden von Gizeh – und als Stonehenge.

Fünf Meter Dicke Wände

Die Gebäudegruppe auf dem rund zehn Kilometer entfernten Ness of Brodgar ist hingegen kein solches Dorf. Bei den Ausgrabungen wurde schnell klar: Diese Häuser sind deutlich größer als die Wohnhütten von Skara Brae. Vor vier Jahren kam die größte Überraschung. Die Archäologen öffneten den Boden dort, wo geophysikalische Messungen eine besonders große Steinansammlung angezeigt hatten. Wie groß das Gebäude darunter tatsächlich war, sahen sie allerdings erst, als es Schaufel um Schaufel ans Tageslicht kam. Auf 25 Meter Länge und 20 Meter Breite stehen die fünf Meter dicken Wände der sogenannten Structure 10 noch heute bis zu einer Höhe von einem Meter. Mit seinem kreuzförmigen Innenraum scheint das Bauwerk eine Mischung aus einer neolithischen Grabkammer der Orkneys und einem Wohnhaus wie im Dorf Skara Brae zu sein.

Wir Besucher stehen auf einem Baugerüst am Rand der Grabung. Unter uns liegt die Structure 10 wie ein mächtiger Koloss. Abdeckplanen flattern laut im Wind, der feine Nieselregen kriecht in die hochgeschlagenen Jackenkragen. Grabungsleiter Nick Card stört das offenbar wenig. „Heute hier zu stehen, auf diese Ruinen zu schauen und die Größe und Komplexität der Architektur zu bewundern – das ist ein Anblick, der Ehrfurcht auslöst", redet er laut gegen den Wind an.

Von hier oben kann man es gut sehen: Um das Gebäude herum liegt eine zweite Mauer, der Weg zwischen den beiden Mauern war sorgfältig geebnet. Durchaus denkbar, dass das Hausdach einst auch diesen Zwischenhof mit überdeckte – damit wäre eine lange, dunkle Passage ins Innere des Hauses entstanden. Zu einer Zeit also, als Häuser an sich noch eine junge Erfindung waren, entstand auf dem Ness of Brodgar ein Gebäude, das einen ähnlichen Eindruck auf die Menschen des Neolithikums gemacht haben muss wie eine Kathedrale auf diejenigen des Mittelalters. Es hatte über zwei Meter hohe Mauern und darüber vermutlich ein Dach, das sich in den Himmel wölbte – ein Symbol der Macht. „Es muss meilenweit sichtbar gewesen sein", beschreibt Card den Effekt. „Je näher man kam, desto deutlicher dominierte es die Landschaft – vielleicht sogar mehr als der Ring of Brodgar oder die Standing Stones of Stenness. Der Zweck war ganz klar, zu beeindrucken. Es muss ein wahrhaft unglaublicher Anblick gewesen sein – monumental im wahrsten Sinne des Wortes."

Weder Fussball noch Autos

Jeden Sommer strömen Dutzende Ausgräber aus ganz Großbritannien und den USA auf den Ness of Brodgar. Dann wimmelt die Insel von Archäologen, und die abendlichen Gespräche an den Tresen der Pubs in der Inselhauptstadt Kirkwall drehen sich ein paar Wochen lang um Knochen und Steine statt um Fußball und Autos – wobei die Augen der Redner genauso begeistert strahlen. Denn unter der Leitung von Nick Card arbeiten sie tagsüber gemeinsam am „schönsten Grabungsort der Welt", wie viele von ihnen versichern.

Ihre Fundstücke liefern reichlich Gesprächsstoff. Zum Beispiel jene aus Structure 10: Hunderte von Rinderknochen, die meisten davon „Tibia" – Unterschenkelknochen. Es ist der Abfall eines gigantischen Festmahls, das um das Jahr 2300 v.Chr. in dem tempelartigen Bauwerk stattfand. Doch nicht nur die schiere Menge der Knochen ist bemerkenswert. Sie sind auch die jüngsten Funde aus Structure 10. Nach dem Fest war Schluss. Fortan fegte nur noch der Wind durch die Räume. Die „Regale" – in Structure 10 aus dekorativem rotem und gelbem Sandstein gebaut – blieben leer. War das große Mahl ein Abschiedsfest? Gaben die Menschen das Gebäude auf, weil ein neues Zeitalter angebrochen war?

Glockenbecher kommen in ModE

In der Tat begann anderswo in Schottland die Bronzezeit. Die Archäologen machen den Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit am ersten Auftauchen einer bestimmten Gefäßform fest, den Glockenbechern. Auch auf den Orkney-Inseln benutzten die Menschen im ausgehenden 3. Jahrtausend v.Chr. die neuen Gefäße – nicht aber auf dem Ness of Brodgar. „Es gibt keinen Hinweis auf die klassische bronzezeitliche Glockenbecherkeramik", erklärt Card. „ Selbst in den obersten, jüngsten Schichten ist alles sogenannte Grooved Ware" – die typisch neolithische Keramik Britanniens. In der Vergangenheit haben einige Wissenschaftler gemutmaßt, dass die Eliten der späten Jungsteinzeit sich gegen die neuen kulturellen und technologischen Einflüsse wie andere Keramikformen oder gar Metallverarbeitung wehrten. Mit dem „ neumodischen Kram" wollten sie nichts zu tun haben, lieber hielten sie an ihren alten Traditionen fest. Diese These wurde zwar unlängst angezweifelt – aber die Fundlage auf dem Ness of Brodgar scheint sie zu bestätigen.

Der Beginn der Aktivitäten auf dem Ness of Brodgar ist noch schwerer zu fassen als das Ende. Die bisher ältesten Funde machten die Ausgräber unter einer Steinmauer, der „Lesser Wall of Brodgar". Sie schirmte die Gebäude ab, wenn man sich von der Seite der Standing Stones of Stenness näherte. 1,70 Meter hoch steht die Mauer noch – und die Steine sitzen so sorgfältig aufeinander, als hätte ein talentierter Landschaftsgärtner sie erst frisch aufgeschichtet. Davor verläuft ein gepflasterter Weg. „Die unglaubliche Schönheit versetzt jeden, der diese Mauer sieht, in ehrfurchtsvolles Staunen", meint Card.

Den Lesser Wall of Brodgar errichteten die Baumeister aber nicht auf gewachsenem Fels, wie ihr Pendant, die Mauer „Great Wall of Brodgar" auf der anderen Seite der Gebäudeansammlung Richtung Ring of Brodgar: „Als wir ein Stück des gepflasterten Wegs entfernt hatten, sahen wir darunter gut gefüllte Abfallgruben und eine weitere Mauer. Wir haben also Strukturen und Nutzungsspuren, die noch älter sind", erklärt Card. Radiokarbon-Datierungen haben gezeigt, wie alt: zwischen 3200 und 3100 v.Chr. Und der natürliche Fels ist noch immer nicht erreicht, wahrscheinlich liegen darunter also noch ältere Schichten. Damit herrschte auf der schmalen Landzunge fast ein ganzes Millennium lang reges Treiben. Das ist für menschliche Verhältnisse sehr lang: Vor 1000 Jahren machten sich gerade die Wikinger auf den Weg nach Amerika.

Für die historische Dimension des Ortes gibt es einen weiteren Beleg: Vom Ness of Brodgar stammen die frühesten Exemplare der Grooved Ware. Auf dem britischen Festland taucht sie erst später auf, um 2800 v.Chr. erreicht sie Südengland. In den Gebäuden auf dem Ness of Brodgar kommt die Keramik in mehreren Schichten und sehr prominent vor. Die Häuser waren voll davon.

Trendsetter Für Tischgeschirr?

Überall findet sich dieselbe Standardausführung: flacher Boden mit gerader, hoher Wand. Die Gefäße hatten Kaffeetassen- bis Topfgröße. Einige besaßen ein beachtliches Fassungsvermögen. Waren die Menschen vom Ness of Brodgar Trendsetter in Sachen Tischgeschirr? Oder waren sie sogar die Initiatoren einer neuen Kultur? Jedenfalls hatten die Baumeister, die später Stonehenge errichteten, Grooved-Ware-Gefäße im Gepäck. Was hatten sie sonst noch dabei? Baupläne für Steinkreise, abgezeichnet von den Standing Stones of Stenness?

In der Grabungskampagne vor zwei Jahren kam zu der langen Liste von Sensationen auf dem Ness of Brodgar eine weitere hinzu: Farbe. Wer denkt, das neolithische Leben habe sich in den Schattierungen staubgrau bis erdbraun abgespielt, irrt. Allerdings strichen die jungsteinzeitlichen Wohnraumdesigner die Wände nicht großflächig mit einer Rolle Schaffell, sondern färbten gezielt einzelne Steine.

Bisher gibt es Beispiele für solche Dekorationen aus Structure 1 und Structure 8: Auf einem Stein liegen mehrere Farbschichten übereinander, Rot-Braun-Töne, Gelb und Orange, während ein anderer Stein auf der gesamten Fläche mit roter Farbe bemalt ist.

Zwar ist farbiges Dekor aus dem Neolithikum im Mittelmeerraum schon länger bekannt, etwa an Höhlenwänden. In Nordeuropa tauchte Farbe an den Innenwänden aber erst in der Bronzezeit auf. „ Natürlich gehen wir davon aus, dass die Menschen ihre Kleidung, ihr Haar und ihre Gesichter mit Farbe bemalten", sagt Card. „Aber nicht einmal in unseren kühnsten Träumen haben wir erwartet, Farbe in einem jungsteinzeitlichen Gebäude erhalten zu finden."

Die Pigmente – Hämatit und Limo- nit – stammen von der Insel Hoy, die vom Ness of Brodgar aus sichtbar ist. Zu Pulver gerieben und vermischt mit Tierfett, Milch oder Eiweiß ließen sich daraus diverse Farbschattierungen gewinnen. Vielleicht leuchteten sogar die großen Steinkreise in Rot und Gelb. „Die Geschichte der Orkneys war für uns immer ein Schwarz-Weiß-Film, jetzt kommt Farbe ins Bild", meint Card.

Wenn die Gebäude nicht als Wohnräume dienten, zu welchem Zweck machten die Erbauer sich dann die Mühe einer Bemalung? Die Antwort liegt möglicherweise außerhalb der Mauern. Structure 10 ist präzise ausgerichtet: Über den Loch of Harray hinweg zeigt sie genau auf den Hügel von Maes Howe, eines der größten Megalithgräber auf den Orkney-Inseln. Über einen 11 Meter langen Gang gelangt man in die zentrale Grabkammer, die 4,60 mal 4,60 Meter groß ist, mit einer Deckenhöhe von wohl mindestens ebenfalls 4,60 Metern. Meister der Baukunst errichteten die Grabanlage um 3000 v.Chr. Zur Wintersonnenwende fallen die Strahlen der tief stehenden Sonne direkt durch den Gang ins Innere der Grabkammer und erfüllen sie mit Licht.

„Hat jemand Angst vor der Dunkelheit?", fragt die Studentin, die uns führt. Zögerliches Kopfschütteln. „Gut, dann mache ich es hier drin jetzt mal neolithisch", lacht sie und knipst das Licht aus. Nur noch eine Ahnung von Tageslicht dringt durch den langen Gang herein. Und plötzlich fällt der Schleier der Geschichte über den Ort. In der Dunkelheit drängen sich die Bilder jener Szenen auf, die sich im Inneren des Hügels abgespielt haben mögen. Die neolithischen Orkadier, die durch den Gang krochen, mit den Knochen ihrer Vorfahren im Arm. Die Stapel von Gebeinen in den Nischen. Tatsächlich: Das Neolithikum rückt in der Dunkelheit viel näher.

Eine Geheimnisvolle Verbindung

Ebenso wie Structure 10 sind auch die Standing Stones of Stenness mit Maes Howe verbunden: Die Lücke zwischen den beiden großen Dolmensteinen in der Mitte des Megalithkreises rahmt den Grabhügel wie ein Bild. „Diese Ausrichtung der Monumente kann ganz Verschiedenes bedeuten", meint Nick Card und fragt: „War Structure 10 ein Haus der Lebenden, das Maes Howe als dem Haus der Toten gegenüberstand? Oder stellte die Ausrichtung eine Verbindung zwischen den Orten dar – um die Beziehung zwischen ihnen hervorzuheben?"

Der Ness of Brodgar hat in den zehn Jahren seiner Erforschung schon für manche Überraschung gesorgt. Jede neue Grabungskampagne ist für die Archäologen wieder wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. So wird es auch in Zukunft einiges zu feiern geben, denn bisher liegen erst rund zehn Prozent der Fläche frei. Grabungsleiter Nick Card ist voller Vorfreude: „Wir haben gerade erst begonnen, an der Oberfläche zu kratzen." ■

ANGELIKA FRANZ ist Wissenschaftsjournalistin und Archäologin. Sie wäre am liebsten zum Graben auf den Orkneys geblieben.

von Angelika Franz

Gut zu wissen: Henges und Steinkreise

Bei „Henge" haben viele sofort ein Bild von Stonehenge im Kopf. Doch das Monument auf der Ebene von Salisbury ist in vielerlei Hinsicht ein untypischer Vertreter seiner Art. Ein Henge ist in erster Linie eine rituelle Anlage der Jungsteinzeit oder frühen Bronzezeit, die aus einem inneren Graben und einem äußeren Wall besteht. Schon da weicht Stonehenge vom Schema ab: Der Wall ist innen, der Graben außen. Die Steine von Stonehenge sind sowieso nur eine „Zugabe" – denn ein Henge ist in der Regel ohne Steinkreis gebaut. Viele Henge-Anlagen waren aus Holz konstruiert oder hatten gar keinen Aufbau. Die Idee mit den großen Steinen kam Menschen im Neolithikum (fast) überall dort, wo es Steine gab – nicht nur in Südengland, auch in Pakistan oder Hongkong.

Längst nicht alle britischen Henge-Anlagen sind so ausgerichtet wie Stonehenge. Manche hatten nur einen Eingang (Class I), andere zwei Eingänge (Class II) oder vier (Class III). Warum die Menschen im Neolithikum Henge-Anlagen errichteten, ist nicht bekannt. Einige dienten als Grab – allerdings sind einige Gräber älter als die zugehörige Henge-Anlage –, in anderen Fällen fanden Bestattungen erst statt, nachdem die Anlage schon lange Zeit bestand. Und in manchen der sehr großen sogenannten Superhenges bauten die Menschen sogar Häuser, wie in Durrington Walls drei Kilometer nordöstlich von Stonehenge.

Klassische Henge-Anlagen kommen nur in Großbritannien vor. Allerdings gibt es Beispiele für ähnliche ringförmige Bauten auf dem Festland, etwa die Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt. Während Henges überwiegend in Niederungen errichtet wurden, stehen Kreisgrabenanlagen oft auf Hügeln.

Jungsteinzeitliche Großarchitektur auf den Orkneys

Auf der Inselgruppe nördlich von Schottland reihen sich Steinkreise und Steinbauten aneinander. Die Unesco ernannte „Das Herz des neolithischen Orkney" 1999 zum Weltkulturerbe. Gegraben wird derzeit auf dem „Ness of Brodgar".

Ohne Titel

Kompakt

· Auf den Orkney-Inseln fanden Archäologen Monumentalbauten, die nicht als Wohnhäuser dienten.

· Dort entdeckten sie auch die bislang ältesten Exemplare jungsteinzeitlicher britannischer Keramik.

· Die Ausrichtung der Steinkreise und Monumente deutet auf eine enge Verbindung zwischen ihnen hin.

Mehr zum Thema

Internet

Die Ausgrabung mit Grabungstagebuch, Panoramabildern und Videos (auf Englisch): www.orkneyjar.com/archaeology/ nessofbrodgar/

Unesco-Seite über das jungsteinzeitliche Orkney: whc.unesco.org/en/list/514

3D-Laserscans der Monumente: www.scottishten.org/property3

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