Invasion der Mini-Monde

 Nur wenige chaotische Umdrehungen vollführen die Minimonde bei ihren Begegnungen mit der Erde. Manche Astronomen meinen daher, die vorübergehenden Begleiter seien keine echten Monde.(c) K. Teramura, University of Hawaii IfA
Nur wenige chaotische Umdrehungen vollführen die Minimonde bei ihren Begegnungen mit der Erde. Manche Astronomen meinen daher, die vorübergehenden Begleiter seien keine echten Monde.(c) K. Teramura, University of Hawaii IfA
2006 hatte ein fünf Meter großer Felsbrocken mit dem Katalognamen 2006 RH120 seinen großen Auftritt: Die Schwerkraft der Erde fing den kleinen Asteroiden für neun Monate ein, er machte als "zweiter Mond" Schlagzeilen. Ähnliche Begleiter dürften die Erde ständig umschwirren, berichten jetzt Forscher um Mikael Granvik. Eine Computersimulation zeigt, dass immer mal wieder ein kleiner erdnaher Asteroid im Schwerefeld der Erde hängenbleibt.
"Zu jedem beliebigen Zeitpunkt sollte sich mindestens ein temporärer Satellit mit einem Durchmesser von einem Meter im Erdorbit befinden", schreiben die Forscher. Die Quelle für die Mini-Monde sind erdnahe Asteroiden ? kosmische Felsbrocken, die auf ähnlichen Umlaufbahnen wie die Erde um die Sonne kreisen. Davon sind gut 8.000 größere bekannt, doch zahllose weitere, vor allem kleine Himmelskörper dürften in der Nähe der Erde ihre Bahnen ziehen und dem Planeten dabei zuweilen in die Quere kommen.

Den Berechnungen der Forscher zufolge kreisen die Mini-Monde im Durchschnitt dreimal auf höchst chaotischen Bahnen um die Erde, bevor sie ihren Weg um die Sonne fortsetzen. Die meisten bleiben wie 2006 RH120 etwa neun Monate in der Erdumlaufbahn. Einige können die Erde aber auch mehrere Jahrzehnte begleiten. Für die Mini-Monde nehmen die Begegnungen mit der Erde manchmal ein fatales Ende: Etwa 0,1 Prozent aller Meteoriten, die auf die Erde fallen, dürften den Planeten zuvor als temporärer Mond umkreist haben, schreiben die Forscher.

Die vorübergehenden Besucher könnten aber auch interessante Forschungeobjekte abgeben, sagt Co-Autor Robert Jedicke: "Eines Tages könnte man einen Mini-Mond zur Erde bringen. Das wäre eine kostengünstige Möglichkeit, eine Materialprobe zu untersuchen, die sich seit der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren kaum verändert hat."

2006 RH120 näherte sich der Erde bei seinem Besuch bis auf 270.000 Kilometer ? war also näher als der Mond. Das nächste Mal wird der Brocken im Jahr 2028 in der Nähe des Planeten auftauchen. Allerdings wird die Bahn des kleinen Asteroiden durch die Strahlung der Sonne stark beeinflusst, sodass genaue Vorhersagen nicht möglich sind.
Mikael Granvik (University of Hawaii) et al.: Icarus, Bd. 218, Nr. 1, S. 262, doi: 10.1016/j.icarus.2011.12.003

wissenschaft.de - Ute Kehse


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