bdw an Bord: Ruhe vor dem Sturm

 Die Maria S. Merian. Foto: Thomas Willke
Die Maria S. Merian. Foto: Thomas Willke
Sonnabend 17.3.2012 Position 15°50,0?N 068°08,90?W (um 12.00 Uhr Bordzeit = MEZ ?5 Stunden) Kurs: 288° Etmal: 293 Seemeilen (die in 24 Stunden zurückgelegte Strecke) Durchschnittsgeschwindigkeit: 12,2 Knoten Wetterbericht, 12.00 Uhr Luftdruck: 1017,0 hPa Wind: Ost 5 Beaufort Lufttemperatur: 25,9°C Wassertemperatur: 26,4°C Höhe der Dünung: 2 Meter Seit eineinhalb Tagen fährt die Maria S. Merian mit Kurs 288°. Sie befindet sich inzwischen südlich der östlichsten Seite der Insel Hispaniola, auf der die Dominikanische Republik und Haiti liegen. Die Merian ist auf einem Überführungstörn. Ihr vorheriges Einsatzgebiet lag vor der Küste Brasiliens. Hier haben Forscher unter der Leitung von Stefan Mulitza vom MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen) im Meeresboden gebohrt, um mehr über die Klimageschichte der Erde zu erfahren. Das nächste Einsatzgebiet der Merian liegt vor der Küste Yucatans. Hier wird ein internationales Team um den Geologen Dierk Hebbeln, ebenfalls vom MARUM, einige der ungewöhnlichsten Bewohner in der Tiefe der Meere erforschen: Kaltwasserkorallen (Interview im morgigen Logbuch). Ihr Einsatzgebiet wird die Merian wahrscheinlich am Dienstag erreichen, wenn nichts dazwischen kommt. Überführungsfahrten sind oft ruhige Fahrten (wenn das Wetter es zulässt). Die Wissenschaftler testen ihre Geräte, und die Mannschaft nutzt die Zeit, um Wartungs- und Ausbesserungsarbeiten durchzuführen. Man hört Schleifgeräusche: Matrose Karsten Peters ist mit einem druckluftgetriebenen Topfschleifgerät unterwegs, um den immerwährenden Kampf des Seemanns gegen den Rost zu führen. Selbst ein gut gepflegtes Schiff wie die Merian ist davor nicht gefeit. An anderer Stelle ertönt das Klackern einer Ratsche und eines Schraubenschlüssels: Geologe Nico Nowald tauscht ein Tiefenmessgerät aus. Es hängt an einem Gewicht, das die Kabel des Unterwasserroboters (ROV) beim Tauchen in der richtigen Höhe halten wird. Auf der Brücke hat der erste Offizier die Wache von Mitternacht bis 04.00 Uhr und von Mittag bis 16.00 Uhr. Unterstützt wird er dabei von einem Matrosen als Seewache. Er beobachtet ebenfalls Meer und Schiffsverkehr, arbeitet aber nicht unbedingt auf der Brücke. Er inspiziert das Schiff, kontrolliert alle Decks und repariert, was notwendig ist. Das Steuer der Merian wurde seit über einem Tag nicht bedient. Die Merian hält ihren Kurs unter Autopilot. Trotzdem ist die Brücke immer besetzt. Der wachhabende Offizier beobachtet das Meer, das Wetter, andere Schiffe, kontrolliert das Radar, den Kurs und studiert die Wetterberichte. Sie sagen keine großen Veränderungen voraus. Die Merian befindet sich in der Zone der Passatwinde. Sie wehen hier in der Karibik sehr zuverlässig während der Winter- und frühen Frühlingsmonate, meist aus östlichen Richtungen mit 4 bis 5 Beaufort (20 bis 38 Kilometer pro Stunde). Stürme sind selten. Ungewöhnlich ist zurzeit nur die hohe Luftfeuchtigkeit (76 Prozent relative Luftfeuchtigkeit um 12.00 Uhr). Eigentlich ist jetzt Trockenzeit. Trotzdem ist es schwül, und es gibt immer wieder kurze Regenfälle. Größere Menschenansammlungen findet man im Besprechungsraum. Das Team ist international zusammengesetzt: Forscher aus Mexiko, Italien, den USA und Portugal arbeiten mit den deutschen Kollegen zusammen, die wiederum aus Bremen (MARUM), Kiel (Geomar), Wilhelmshaven (Senckenberg am Meer) und Hamburg (Max-Planck-Institut für Meteorologie) kommen. Es sind Geologen, Biologen, Techniker und Ingenieure. Die Forscher nutzen die Überführungszeit, um sich gegenseitig ihre Projekte vorzustellen und zu diskutieren. Heute hat Gregor Eberli von der Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Science in Miami, USA, das Revier vor ?seiner Haustür? vorgestellt: die Straße von Florida zwischen Florida und den Bahamas. Hier ?quetscht? sich der Golfstrom, der hier noch Florida-Strom heißt, zwischen den Inseln und dem Festland durch. Er transportiert 1000-mal so viel Wasser wie der Amazonas nach Norden. Tief unten in etwa 800 Metern gibt es jedoch kräftige Gegenströme. Dort leben Kaltwasserkorallen in einer Hügellandschaft. ?Und zwar nicht mal hier und dort, sondern einfach überall. Es sind wahre ?Regenwälder? dort unten?, berichtet der gebürtige Schweizer Eberli. Es gibt viel zu erforschen in dieser Region und bei vielen Wissenschaftlern leuchteten die Augen, als sie Eberlis Fotos und Tiefseekarten sahen. Thomas Willke, Korrespondent von bild der wissenschaft, von Bord der Maria S. Merian Roboter-Pilot Nico Nowald tauscht ein Tiefenmessgerät aus. Es wird bei den Taucheinsätzen die Kabel des ROVs ? das hinter Nowald steht ? in der richtigen Tiefe halten. Auf der Brücke der Merian: Wie auf allen modernen Schiffen übernimmt der Autopilot auf Langstrecken das Steuer. Der wachhabende Offizier kontrolliert und greift notfalls ein. Das vollständige Logbuch finden Sie hier 15. März: "Startschwierigkeiten" 16. März: Kein Visum ? keine Forschungsreise 17. März: Ruhe vor dem Strum 18. März: Von Unterwasserrobotern und Korallen 19. März: Jagd nach Aerosolen 20. März: Achtung, Rutschgefahr! 21. März: Endlich im Arbeitsgebiet 22. März: Daten sammeln auf rauer See 23. bis 25. März: Reiche Ausbeute vor Yucatan 26. März: Vielfältige Unterwasserwelt vor Florida 27. März: Tückischer Sand 28. März: Den Meeresboden durchleuchten 28. März: Den Meeresboden durchleuchten 29. März: Oasen in der Wüste 30. März: Ein Freund für den ROV 31. März: Bahamas voraus 01. April: Im Golfstrom 02. April: Die erste Banane 03. April: Der Korallenfriedhof 04. April: Mount Gay 05. April: Zwei Berge und ein Blitz 06. April: Nordwärts 07. April: Abschied Mehr über die Forschungsexpedition der Maria S. Merian erfahren Sie unter www.marum.de.
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