Der Mensch im Schwein

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UNSERE HIGHLIGHTS DIESEN MONAT

 

TITEL
DER MENSCH IM SCHWEIN

Die meisten kennen Schweine nur als Wurst oder Schnitzel. Sie ahnen nicht, wie ähnlich die intelligenten Tiere uns in vielerlei Hinsicht sind. Wissenschaftler entdecken immer mehr verblüffende Übereinstimmungen.

ZWERGPLANET CERES GANZ NAH
Ceres ist der größte Planetoid im Sonnensystem. Die Raumsonde Dawn hat ihn nun aus nächster Nähe genau erkundet und viele erstaunliche Entdeckungen gemacht – etwa helle Flecken aus Salz und ominöse Dunstschwaden über der dunklen Oberfläche.

GEFAHRENHERD 47 TUCANAE
Energiereiche Gammablitze bedrohen das Leben auf der Erde. Sie stammen aus Kugelsternhaufen oder jungen Zwerggalaxien, die weite Teile des Alls für höhere Lebensformen ungeeignet machen.

FRÜH ERKANNT – GEFAHR GEBANNT?
Demenzerkrankungen sind bislang nicht heilbar. Wenn sie frühzeitig erkannt werden, lassen sich zwar manchmal die Symptome lindern, doch aufhalten kann man die Krankheit nicht.

WESPENSTACHEL HILFT BEI HÜFT-OP
Ein Stuttgarter Forscher lässt sich von der Natur inspirieren, um raffinierte Implantate und medizinische Geräte zu entwickeln. Insekten stehen dabei ebenso Pate wie Würgeschlangen.

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Editorial


Wie halten Sie es mit Schweinefleisch?

Haben Sie sich schon lange davon distanziert oder schätzen Sie – so wie ich – einen guten Braten? Zu einer seltenen Spezies gehören Sie damit (noch) nicht. Immerhin 28 Millionen Schweine werden in Deutschlands Ställen gehalten. Dazu kommen noch mehrere Millionen Wildschweine, die durch Wald und Flur streifen. Allein 475 000 wurden im Jagdjahr 2013/14 erlegt.

Der erste Beitrag unserer Titelgeschichte ab Seite 10 führt uns allen die Borstentiere so vor Augen, dass wir sie künftig mehr respektieren. Und das nicht nur der Würde wegen – auch neue naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse rücken Schweine uns Menschen deutlich näher: Sie organisieren ihr Lebensumfeld wie wir unser Zuhause – haben eine Stelle zum Schlafen, eine zum Spielen, eine als Toilette. Sie lernen innerhalb einer Woche, auf einen ihnen vom Menschen gegebenen Namen zu reagieren. Und manchmal waschen sie sogar ihr Futter in einem Bach, bevor sie es fressen. Die Redensart vom dummen Schwein hat ausgedient.

Jan Berndorff, früher Chefredakteur der Zeitschrift natur und jetzt ständiger bild der wissenschaft-Autor, hat mit seinen Betrachtungen „Klug, aber ganz schön schweinisch" ein außergewöhnliches Stück im Wissenschaftsjournalismus abgeliefert. Ohne Sentimentalität führt er uns eindrucksvoll vor Augen, dass wir diese Tierart bisher gründlich unterschätzt haben. Schweine sind Menschen in vielem ähnlicher als Affen, Katzen oder Hunde. Was mir persönlich an Berndorffs Beitrag besonders gefällt: Er überlässt es jedem Leser, seine eigenen Schlüsse aus den aktuellen Erkenntnissen zu ziehen. Chapeau!

Ans Herz legen möchte ich Ihnen auch das Interview mit Steven Vertovec. Er ist US-Amerikaner, seit 2007 Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung mulireligiöser und multiethnischer Gesellschaften und arbeitete davor an der University of Oxford. Er blickt gewissermaßen als Immigrant auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland. Sein Fazit lautet: „Die Deutschen schaffen das!"

Auch wenn Steven Vertovec viel zu sagen hat – in der deutschen Medienlandschaft ist er kaum präsent. Das liegt daran, dass er sich bei der Präsentation seiner Forschungsergebnisse in seiner englischen Muttersprache besser aufgehoben fühlt. Für gängige deutsche TV-Formate ist er daher inkompatibel. Als Berater politischer Einrichtungen in Deutschland und anderswo wird er indes hochgeschätzt. Auch das auf den Seiten 56 bis 59 nachzulesende Interview wurde auf Englisch geführt und dann für Sie autorisiert ins Deutsche übertragen.

Wolfgang Hess, Chefredakteur

 

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