bild der wissenschaft 10/2015

Higgs und der Urknall
Wie ein Teilchen drei Welträtsel lösen könnte

UNSERE HIGHLIGHTS DIESEN MONAT

TITEL
HIGGS UN DER URKNALL

Das Higgs-Teilchen könnte der Schlüssel zur Lösung dreier Welträtsel sein: Weshalb ist aus der Vernichtungsschlacht von Materie und Antimaterie im frühen Universum etwas Materie übrig geblieben? Was steckt hinter der Dunklen Materie? Und warum erscheint der Zustand des Universums so unnatürlich?

DER SCHATZ VON STONEHENGE
Über 20 bisher unbekannte Ringmonumente haben die Archäologen in der Umgebung des 4500 Jahre alten Stonehenge entdeckt. Und sie haben einen Tümpel gefunden, in dem sich Feuerstein rosa färbt. Hier könnte der Ursprung der Rituallandschaft sein. Im Mai 2016 werden sich bdw-Leser die neuen Funde vor Ort anschauen.

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BIER FÜR FEINSCHMECKER
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MUSKELTRAINING FÜR DEN MARS-TRIP
In einer Zentrifuge wollen Forscher am DLR Astronauten fit machen für Langzeitmissionen ins All – etwa Reisen zu anderen Planeten. Das Gerät könnte auch bei irdischen Krankheiten helfen.


Editorial


56 Stunden Auszeit auf 72 Grad Nord

hatten die Teilnehmer der bild der wissenschaft- Alaska-Leserreise im Flecken Barrow – der nördlichsten Siedlung der USA. Gebucht hatte das so niemand. Eigentlich wollten wir am 12./13. August das Barrow Environmental Observatory und die Point Barrow Research Station besuchen und anschließend weiterfliegen in den Südosten Alaskas. Doch tief hängende Wolken machten uns einen Strich durch die Planung. Am 13. versuchte unsere Maschine erst gar nicht zu landen. Nicht förderlich für die Stimmung: Wetter schlecht, fürs Erste nicht einmal eine Bleibe, kein präsentables Ersatzprogramm, kein Mobilnetzanschluss unserer zivilisationszentrierten Geräte – und dann noch das strikte Alkoholverbot dort oben. Auch am Tag darauf zog der Pilot nach drei vergeblichen Landeversuchen die Sicherheit seiner Passagiere vor und suchte über unsere Köpfe hinweg das Weite. Bei einigen der 26 Reisegäste machte das Wörtchen Regress die Runde, stellvertretend vielleicht auch für den Frust, hoch im Norden festzusitzen.

Die meisten allerdings ließen es sich nicht verdrießen und versuchten, das Beste aus der Lage zu machen. Sie nutzten die Stunden zu intensiven Gesprächen mit den einheimischen Inupiak, machten ausgiebige Strandspaziergänge oder besuchten das Sushi- Restaurant(!) dort. Die Reisebegleiter organisierten Vorträge zu Klimaforschung, Tektonik und Rohstoffreichtum Alaskas. Die durften gerne etwas länger ausfallen als die übliche Dreiviertelstunde. Einige Leser machten sich auf zum Football-Spiel Barrow gegen Juneau, der Hauptstadt Alaskas. Am 15. August um 20 Uhr klappte es mit der Abreise. Alles Weitere verlief dann über Plan: Bei schönstem Wetter erlebten wir Gletscherabrisse, Orcas, Elche, Grizzlys in 30 Meter Entfernung und die bizarre Landschaft, die der Novarupta beim stärksten Vulkanausbruch des 20 Jahrhunderts geschaffen hat.

Was haben wir aus der Auszeit in Barrow gelernt? Uns wurde bewusst, dass die Welt nicht überall so termintreu funktioniert, wie wir Mitteleuropäer das gerne einfordern. Zum Zweiten gab sie uns die Chance zur temporären Entschleunigung, zu intensiven Gesprächen und Naturbeobachtungen. Es hat sich gezeigt, dass die bdw-Leserinnen und -Leser in solchen Situationen nicht lange brauchen, um sich etwas einfallen zu lassen, damit Langeweile oder gar Aggression nicht Platz greifen können.

Und noch eine gute Nachricht haben wir von unseren Gesprächen im Barrow Environmental Observatory mitgebracht. Die Population der arktischen Grönlandwale scheint sich in jüngster Zeit kräftig zu erholen. Während beispielsweise Wikipedia noch meldet, dass es von dieser Spezies 5000 bis 8000 Exemplare gibt, sprach ein auf diesem Feld arbeitender Forscher von bis zu 17 000 Exemplaren. „Offenbar", so fügte er noch an, „scheint der arktische Klimawandel den Grönlandwalen gut zu tun."

Auf ein Neues: Die nächste bdw- Leserreise nach Stonehenge im Mai 2016 wird auf S. 62/63 vorgestellt.

Nachtrag: Barrow hat im Football gegen Juneau 20:26 verloren.

Ihr

Wolfgang Hess, Chefredakteur

 

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