bild der wissenschaft 11/2015

"Ich lerne das Sehen neu"

UNSERE HIGHLIGHTS DIESEN MONAT

TITEL
"ICH LERNE DAS SEHEN NEU"

Mit einem Netzhaut-Implantat sieht der an der Augenkrankheit Retinitis pigmentosa erblindete Peter Böhm (Titelbild) wieder etwas. Dafür war hartes Training nötig. Seh-Chips geben blinden Menschen neue Hoffnung.

NEUGIER MACHT ERFINDERISCH
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EIS AUF DER GLUTWELT
Nach vier Jahren im Orbit stürzte die Sonde Messenger auf den Merkur. Sie hat auf dem kleinen Planeten Überraschendes entdeckt: Wassereis, Schnee aus Eisen und mysteriöse Magnetfelder.

FORSCHEN NACH FEIERABEND
So mancher Laie möchte gerne graben. Und für viele Profis sind die Ehrenamtlichen zu unentbehrlichen Helfern geworden. Doch nicht alle Archäologen sind von „Citizen Science" begeistert.

TREIBHAUSGAS IN DER MATRATZE
Kohlendioxid aus Kraftwerken und Verbrennungsmotoren gilt als hauptschuldig am Klimawandel. Forscher wollen das Gas nutzen, um etwa Benzin oder Schaumstoff für Matratzen herzustellen.

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Editorial


Peter Böhm wusste schon als Junge, dass er erblinden würde

Er leidet an einer erblich bedingten Erkrankung, der Retinitis pigmentosa, bei der zunächst die Stäbchen und dann die Zapfen der Netzhaut absterben. Vor anderthalb Jahren wurde ihm im linken völlig erblindeten Auge ein Netzhaut-Chip eingesetzt, mit dem er nun wieder schemenhaft sehen kann. Das Porträt unserer Autorin Susanne Donner über diesen ganz und gar außergewöhnlichen Menschen lesen Sie ab Seite 12.

Ganze 18 Jahre hat es gedauert, bis die Zulassung für den Netzhaut-Chip erteilt wurde. „Technische Entwicklungen in der Medizin brauchen Zeit", erklärt Professor Eberhart Zrenner, der den Chip maßgeblich mitentwickelt hat, im bdw-Interview. Zu lange für eine Entwicklung, die nur schemenhaftes Sehen ermöglicht, werden Sie vielleicht argumentieren. Doch niemandem vor unserer Generation konnte bei diesem Erbleiden auch nur ansatzweise geholfen werden.

Und das ist noch nicht das Ende der Entwicklung: Wie uns die Erfahrung aus anderen Bereichen der Medizin lehrt, kann aus einer mühsamen Startphase eine Erfolgslawine entstehen – Beispiele sind Operationen am offenen Herzen, künstliche Hüftgelenke und Kunstlinsen gegen den Grauen Star. Das grundsätzliche Verständnis, wie das nachlassende natürliche Sehen durch elektronische Bauteile ergänzt werden kann, ist jetzt vorhanden. Im Vertrauen auf die dynamischen Fortschritte der Operationsund der Medizintechnik dürfte sich in nächster Zukunft die Wunderheiler-Aussage aus dem Matthäus-Evangelium „Blinde sehen" in unserem Alltag schlicht als medizinische Innovation Platz verschaffen.

Zum 10. Mal zeichnet bild der wissenschaft zusammen mit Partnern die Arbeiten der besten Fotografen mit dem deutschen preis für wissenschaftsfotografie aus. Die Siegerbilder zeigen wir auf den Seiten 60 bis 67. Die Preisverleihung – zu der Sie herzlich eingeladen sind – findet am Samstag, 21. November, ab 11 Uhr im Haus der Wissenschaft in Bremen statt.

Durch diesen Preis hat sich unser Magazin bei den namhaftesten Fotografen Mitteleuropas einen hervorragenden Ruf verschafft. Klar, dass wir dadurch auch bei der laufenden Produktion zusammenarbeiten. So wurden zwei Beiträge der Titelgeschichte dieser Ausgabe von dem Stuttgarter Fotografen Wolfram Scheible optisch in Szene gesetzt. Und den Artikel über neugierige Kakadus und Keas (ab Seite 26) bebilderte Solvin Zankl für uns. Er wurde beim deutschen preis für wissenschaftsfotografie 2008 mit dem Reportage-Preis ausgezeichnet.

Wolfgang Hess, Chefredakteur

 

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