Crash der Sternruinen

UNSERE HIGHLIGHTS DIESEN MONAT

TITEL
GRAVITATIONSWELLEN

Das Weltall bebt – und Präzisionsmessungen auf der Erde liefern Ergebnisse, die Forschern den Atem stocken lassen. Wie die ersten Signale von kollidierenden Neutronensternen eine neue Episode der Astrophysik einleiten, erfahren Sie in unserer Titelgeschichte. Das Titelbild zeigt eine Illustration vom großen Crash

DIE ALPEN-SPIONE
Ein internationales Forscherteam horcht mit einem Netz aus rund 600 Seismografen den Untergrund der Alpen ab. Im Projekt "AlpArray" untersuchen Geowissenschaftler aus 17 Ländern, was tief im Erdinnern unter dem steinernen Rückgrat Europas geschieht – und ergründen, wo Erd beben drohen.

WAR ES WIRKLICH VARUS?
Sie kämpften nicht im Teutoburger Wald – und ob es wirklich Varus‘ Legionen waren, die die Hermannschlacht schlugen, weiß man bis heute nicht. Wie Wissenschaftler das ändern wollen

ZEITENWENDE IM RUHRGEBIET
Die letzte Schicht ist gefahren, kein Kumpel schürft mehr Schwarzes Gold im Kohlenpott. Doch Schächte und Stollen bieten Chancen für neue Energie – welche, zeigt unser Schwerpunkt

SCHLAGKRÄFTIG – EIN LEBEN LANG
Wenn Herzklappen den Dienst verweigern, müssen künstliche Modelle ihre Aufgabe übernehmen. Welche Probleme Forscher dabei zu lösen haben, belegt ein Blick ins Labor

 

Zum vollständigen Inhaltsverzeichnis


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

sie kann nun im Nobelpreis-Museum von Stockholm betrachtet werden: die Photodiode, die die Laserlicht-Interferenz gemessen hat, mit der erstmals Gravitationswellen nachgewiesen wurden (siehe Seite 12). Der nicht einmal daumennagelgroße Sensor registrierte die Auswirkung des brachialsten Vorgangs im All, von dem Menschen jemals erfahren haben: die Kollision Schwarzer Löcher. Weil deren enorme Schwerkraft selbst Licht nicht entkommen lässt, spielte sich diese ferne Karambolage in völliger Finsternis ab. Dabei setzte sie im Bruchteil einer Sekunde mehr Energie um als im selben Moment alle Sterne im sichtbaren Universum zusammen!

Das war im September 2015. Inzwischen hat der Laser-Interferometer LIGO in den US-Bundesstaaten Washington und Louisiana weitere Gravitationswellen erhascht, zuletzt zweimal gemeinsam mit dem europäischen Virgo-Detektor.

Während meiner Urlaubsreise zur totalen Sonnenfinsternis, deren Schattenwurf am 21. August 2017 die USA von West nach Ost durchschnitt, habe ich auch LIGO-Hanford besucht – zwei Tage, nachdem dort wieder eine Kollision Schwarzer Löcher gemessen wurde, und 14 Stunden vor der Entdeckung der Verschmelzung von Neutronensternen, die nun eine neue Ära der Astrophysik eröffnet. Von diesen spektakulären Fortschritten bei der Erkundung des Alls berichtet dieses Heft.

Die kosmischen Kräuselungen künden von erstaunlichen Ereignissen – Dramen der Dunkelheit, die zugleich Arien der Astronomie zwitschern und trotz aller verborgenen Fremdartigkeit eine Poesie der Physik erstrahlen lassen, die Laien wie Profis gleichermaßen verblüfft. Die Gravitationswellen entrinnen abgründigen Schwerkraftschlünden und bleiben für immer als Rumoren in der Raumzeit erhalten – doch fast unmerklich, nur zugänglich für Forscher mit raffinierten Lauschposten. Das macht die Spiegel von LIGO zu grandiosen Spiegeln der Erkenntnis, in denen sich das Verständnis der großen weiten Welt niederschlägt.

Albert Einsteins Voraussage der Gravitationswellen sowie die späteren Ideen zu ihrer Messung geben ein beeindruckendes Zeugnis des menschlichen Denkens und Erfindergeistes. Das gilt erst recht für die Formulierung des Rahmenmodells, der Allgemeinen Relativitätstheorie. Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen.

Man kann es auch so formulieren: Der Heroismus der Moderne ist die Grundlagenforschung, die unsere Fantasie und unser Wissen erweitert, um trotz widriger Verhältnisse und schäbiger Randbedingungen ein paar Tropfen aus dem vielbeschworenen Ozean der Wahrheit zu schöpfen. Damit stemmt sich der Mensch gegen die Absurdität des Daseins und erschafft etwas, mit dem das blinde Universum seine Augen öffnet.

Ad astra! Rüdiger Vaas

 

Zum vollständigen Inhaltsverzeichnis

Dieses Heft bestellen

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Ein bisschen mehr Fett auf den Rippen macht widerstandsfähig. Und eine Mischkost ist die gesündeste Ernährung. Einfache Wahrheiten, die der Professor für Ernährungswissenschaft Hans Konrad Biesalski in seinem Buch überzeugend vertritt.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe