Der Rand des Universums

UNSERE HIGHLIGHTS DIESEN MONAT

TITEL
RAND DES UNIVERSUMS

Gibt es eine Grenze des Weltalls? Und falls ja, was kommt dahinter? Diese Fragen sind uralt, stellen sich aber in der modernen Kosmologie neu und anders. Den Horizont unserer Sichtbarkeit kennen Astronomen schon genau – doch hinterm Horizont geht‘s weiter. Und weil der Weltraum sich ausdehnt, rasen die fernsten Galaxien sogar scheinbar überlichtschnell davon. Überdies kann es weitere Ränder geben. Manche sind so bizarr, dass Physiker sogar eine "kosmische Zensur" fordern.

WARUM DER DIESEL ZUKUNFT HAT
Der Dieselmotor hat den miserablen Ruf als schmutziger Umweltsünder. Vielerorts drohen Fahrverbote für ältere Autos. Steht der Selbstzünder vor dem Aus? Was Experten dazu sagen

VERNETZTE MENSCHEN UND MASCHINEN
Ein großer Teil der Nachrichten in sozialen Medien werden per Software erstellt und verteilt. Das Ziel: ein Angriff auf die Meinungsfreiheit im Netz. Welche Folgen befürchten Internet-Forscher?

DAS GUTE FETT
Viel Speck um Bauch und Po gilt als ungesund. Doch das stimmt nicht für jede Art von Körperfett. Eine Sorte ist sogar gesund: Sie wirkt als "eingebaute" Heizung und schützt vor Diabetes

MIT TURBO GEGEN DEPRESSION
Bis Arzt und Patient das richtige Medikament zur Behandlung von Depressionen gefunden haben, vergeht häufig viel Zeit. Nun entwickeln Forscher neue Tests, die den Prozess enorm beschleunigen

 

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

wir leben in grandiosen Zeiten! Nicht politisch, ökonomisch oder ökologisch – da hat der Wahnsinn zunehmend Methode. Aber doch hinsichtlich der Exploration des nahen und fernen Weltalls.

So funkten kürzlich erstmals Raumsonden Nahaufnahmen vom Zwergplaneten Pluto und aus der Umlaufbahn eines Kometen. Mars ist permanent im Visier, Jupiter auch wieder, und eine 13-jährige Erforschung des Saturnsystems kam gerade zu einem spektakulären Abschluss. Demnächst wird sogar ein Objekt in den Außenbezirken des Sonnensystems besucht. Das andere Extrem ist das gut erforschte erste Licht im Universum. Es erhellt die Vorgänge schon kurz nach dem Urknall.

All diese Informationen basieren auf dem elektromagnetischen Spektrum. Es ist das wichtigste Fenster zur Welt und wird es bleiben – doch nicht das einzige.

Aus der kosmischen Nachbarschaft lassen sich auch Proben von Himmelskörpern herbeischaffen und Meteoriten untersuchen, die gratis auf die Erde fallen – Steine von Mond und Mars oder Relikte aus der Frühzeit des Sonnensystems, die sogar Atome und Staub von anderen Sternen enthalten. Hinzu kommen Atomkerne aus der Milchstraße sowie Antimaterie, die ein Gerät auf der Internationalen Raumstation erhascht. Ein anderes Fenster eröffnen Neutrinos, die massenhaft bei der Kernfusion im Sonnenzentrum entstehen. Inzwischen sind einige dieser fast lichtschnellen Elementarteilchen von fernen Monstergalaxien aufgespürt worden. Und dann gibt es noch die von Albert Einstein im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagten Gravitationswellen. Fünfmal ist der Nachweis dieser Raumzeit- Kräuselungen bereits gelungen; sie stammen von Kollisionen Schwarzer Löcher, Milliarden Lichtjahre entfernt.

Der Mensch hat also begonnen, die Natur und Evolution des Weltalls im Detail zu verstehen – nicht als mythische Erzählung oder religiöses Dogma, sondern auf überprüfbarer wissenschaftlicher Basis. Damit wird sich das Universum punktuell gleichsam seiner selbst bewusst.

Kosmologie macht auch unsere Grenzen deutlich. Das Titelthema dieses Hefts wagt sich an eine aktuelle Frontbesichtigung. Sie zeigt, was menschliche Vernunft leisten kann, wenn sie selbstkritisch nach Wahrheit strebt. Zugleich wird dabei die Beschränktheit unseres Wissens und Erkenntnisvermögens offenkundig. Angesichts der Größe des Alls sind die aufgeregten Wichtigtuereien, die ideologischen Anmaßungen und die machthaberischen Massaker, mit denen sich Menschen das Leben gegenseitig schwer machen – oder nehmen –, nicht nur furchtbar, sondern auch grotesk! So betrachtet hat Kosmologie neben der anthropologischen auch eine ethische Komponente: Sie mahnt zu Demut und Bescheidenheit.

Ad astra! Rüdiger Vaas

 

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