Dünnes Eis

Jedes Jahr im September steht bei den Forschern vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Hamburg die Inventur der arktischen Eisflächen an. Dann nämlich endet in der Arktis die Schmelzsaison. Was zu dieser Zeit an Eis übrig geblieben ist – das sogenannte September-Minimum –, gibt den Wissenschaftlern klare Hinweise auf Klimaveränderungen.

Heuer ist die Meereisfläche auf den zweitkleinsten Wert seit Beginn der Messungen geschrumpft. In den 1970er- und 1980er-Jahren lag die sommerliche Minimalfläche bei durchschnittlich 7 Millionen Quadratkilometern, jetzt sind es noch 4,1 Millionen. "Dies ist erneut ein massiver Eisverlust in der Arktis. Der Trend setzt sich fort", sagt Christian Haas vom AWI. Die geringste Fläche umfasste das Meereis 2012 mit 3,4 Millionen Quadratkilometern. "Der Rückzug des arktischen Meereises ist ein deutlicher Hinweis, dass die globale Erwärmung ungebremst fortschreitet", fügt Lars Kaleschke vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg hinzu.

Die Ausdehnung des Meereises bestimmen die Forscher mithilfe von Satellitendaten, die auf drei Kilometer genau sind. Im Speziellen dokumentieren die AWI-Wissenschaftler die Eisdicke und die Lufttemperatur über dem Eis. "Im Winter 2015/2016 war die Luft über dem arktischen Ozean in weiten Teilen mehr als sechs Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt", erklärt Kaleschke. "Durch die höheren Temperaturen wächst das Eis im Winter weniger stark an." Die Dicke des arktischen Eises bereitet den Forschern ebenfalls Sorgen. "Besonders das neu gebildete, erstjährige Eis war in diesem Jahr sehr dünn, kaum dicker als einen Meter. Normalerweise ist es beinahe doppelt so dick", so Haas vom AWI.

Foto: Alfred-Wegener-Institut/Mario Hoppmann (CC-BY 4.0)

© wissenschaft.de - Ruth Rehbock/Karin Schlott
14.09.2016
Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Henning Beck hat eine lange Liste von Fehlern und Schwächen unseres Gehirns zusammengetragen. Dennoch verteidigt der Neurowissenschaftler unser Denkorgan: Gerade wegen seiner Fehler sei es flexibel und kreativ und jedem Computer überlegen.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe