Männermangel bei Klimawandel

Durch den Klimawandel, so befürchten Biologen, könnte der Fortbestand der Meeresschildkröten gefährdet sein. Denn wärmere Meerestemperaturen bringen das Gleichgewicht der Geschlechter durcheinander.

Schon seit den 1980er-Jahren ist bekannt, dass die Umgebungstemperatur das Geschlecht der Schildkrötenembryos bestimmt. Optimale Bedingungen für ein ausgewogenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Nachkommen sind 29 Grad Celsius. Ist es kälter, kommen mehr Männchen zur Welt – ist es wärmer, mehr Weibchen.

Nun veröffentlichten Wissenschaftler um Jacques-Olivier Laloë vom University's College of Science im Global Change Biology Journal eine weitere Erkenntnis: Sie prüften neben dem Temperatur-Effekt der Geschlechtsbestimmung auch die Überlebensrate im Nest. Eier von Meeresschildkröten entwickeln sich am besten bei 25 bis 35 Grad Celsius. Wird es wärmer, können sich die Embryonen nicht mehr normal entwickeln. "Bis zu einem bestimmten Punkt haben die wärmeren Temperaturen einen positiven Einfluss und lassen die Population zunächst wachsen", erklärt Laloë. "Es werden nämlich mehr Weibchen produziert, die mehr Eier legen. Aber jenseits des kritischen Punktes nimmt dann die natürliche Wachstumsrate ab, da die Neststerblichkeit zunimmt." Im Meer um den afrikanischen Inselstaat Kap Verde erwarten die Forscher beispielsweise, dass der Nestbau um rund 30 Prozent bis zum Jahr 2100 zu nehmen wird. Steigen die Temperaturen dann weiter, bricht die Population ein.

Foto: Kostas Papafitsoros

© wissenschaft.de - Ruth Rehbock/Karin Schlott
22.06.2017
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