Blinde Bewohner des Meeresgrunds

Bis auf den Grund der Ozeane dringt kaum Licht – und noch seltener der Mensch, der meist nur mithilfe von Tiefseerobotern einen Blick in diese Unterwelt werfen kann. Um dennoch den Meeresboden zu erkunden, haben Forscher der Universität von Santiago de Compostela auf herkömmliche Art und Weise im Atlantik Proben gesammelt: Sie fischten mit speziellen Schleppnetzen, was sich am Grund tummelt – und entdeckten im Fang neue Arten. Vor der galicischen Küste in 800 bis 1000 Metern Tiefe gingen den spanischen Wissenschaftlern zwei winzige Krustentiere aus den Familien der Photidae und Corophiidae ins Netz. Die Forscher benannten sie als Photis guerrai – im Bild zu sehen – und Pareurystheus vitucoi. Die beiden Meerestiere messen wenige Millimeter in der Länge und haben keine Augen – sie sind blind.

"Diese Gruppe von Krustentieren ist sehr wichtig in den Ozeanen, weil sie den Ausgangspunkt in der Nahrungskette in vielen Meeres-Ökosystemen darstellen", erklärt Studienleiter und Meeresbiologe Ramiro Tato. "Als einige der häufigsten Anpassungen in dieser Tiefe, verlieren Tierarten ihr Augenlicht und sind sehr klein, um dem hohen Druck besser standhalten zu können." Tiere ohne Augen kompensieren diesen Sinn meist durch biochemische Sinnesrezeptoren. Photis guerrai und Pareurystheus vitucoi sind nicht die einzigen Entdeckungen vor der Atlantikküste Galiciens: "Ich habe zehn weitere neue Arten entdeckt, an denen ich noch arbeite", sagt Ramiro Tato. Die ersten beiden davon hat der Forscher in der Zeitschrift Zootaxa veröffentlicht.

Foto: José Antonio Peñas (SINC)

© wissenschaft.de - Karin Schlott
28.09.2017
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