Bildstrecke Primatensterben

28.03.2017

Bedrohte Verwandte

Die Welt der Primaten ist vielfältig: Bekannt sind ungefähr 500 Arten, die sich in Feuchtnasen- und Trockennasenprimaten unterteilen lassen. Zu letzteren gehören auch die Menschenaffen wie Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen. Aber die nächsten Verwandten des Menschen sind gefährdet: Rund 60 Prozent aller Primatenarten sind vom Aussterben bedroht. Vor allem, weil der Mensch in ihre Lebensräume eindringt. Doch noch sei die Vielfalt der Affen zu retten, meinen Forscher.

Lippenstift, Schokolade, Kerzen, Biodiesel, Margarine – so unterschiedlich diese Produkte sind, sie haben eines gemeinsam: Sie enthalten Palmöl. Laut der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) steckt in fast jedem zweiten Supermarktprodukt Palmöl. Rund die Hälfte des weltweit produzierten Öls stammt von indonesischen Plantagen, und das Hauptanbaugebiet befindet sich auf der 470.000 Quadratkilometer großen Insel Sumatra, wo auch die Sumatra-Orang-Utans leben. Doch der Palmanbau bedroht die Menschenaffen: Ihr Lebensraum, der tropische Regenwald Sumatras, wird für die Ölpalmen, aber auch zur Holzgewinnung, den Berg- und Straßenbau abgeholzt. Zwischen 1985 und 2007 haben die Sumatra-Orang-Utans 60 Prozent ihres Lebensraums durch Eingriffe des Menschen verloren. Die Affen sind in die verbliebenen Waldstücke ausgewichen und konkurrieren nun auf engem Raum ums Futter. Mangelernährung und Hungertod sind die Folge. Laut der Roten Liste bedrohter Tierarten gibt es heute noch etwa 14.000 Orang-Utans auf Sumatra. Im Jahr 1900 waren es etwa 85.000.

Der Mensch verursacht die Primatenkrise

Wie den Sumatra-Orang-Utans geht es vielen Primaten. Auf wissenschaft.de haben wir darüber berichtet: Rund 60 Prozent der über 500 Primatenarten sind vom Aussterben bedroht, 75 Prozent aller Populationen schrumpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie, an der Forscher renommierter Institute wie dem Deutschen Primatenzentrum beteiligt waren. Für ihre Analyse hatten die Wissenschaftler um Alejandro Estrada von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko und Paul Garber von der University of Illinois über 200 Studien ausgewertet. Als Ursache für die Primatenkrise nennen sie den Menschen. Was beim Sumatra-Orang-Utan die Ölpalmen, sind beim indischen Plumplori oder dem Hainan-Schopfgibbon Kautschuk-Plantagen. Andere Primatenarten werden durch den Anbau von Sojabohnen, Zuckerrohr und Reis bedroht. Auch Viehhaltung, Öl- und Gasbohrungen sowie der Bergbau zerstören die Lebensgrundlage verschiedener Affenarten. Hinzu kommt, dass Wilderer oft Primaten jagen, um sie als Buschfleisch, traditionelle Medizin oder Haustiere zu verkaufen.

Artenschutz dringend nötig

Zwei Drittel aller Primatenarten leben in nur vier Ländern: Brasilien, Madagaskar, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo. Eine Chance für die Primaten, denn Schutzmaßnahmen in diesen wenigen Ländern könnten schon viel erreichen. "Wir haben eine letzte Chance, die menschengemachte Bedrohung der Primaten und ihrer Lebensräume zu reduzieren oder sogar zu eliminieren, die Schutzbemühungen zu lenken und das Bewusstsein für die missliche Lage der Tiere weltweit zu erhöhen", so die Forscher. Ansonsten drohe ein Massensterben der Primaten.

 

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