Das Leben neu lernen

Jon Palfreman
STÜRME IM GEHIRN
Beltz, Weinheim 2016
320 S., € 22,95
ISBN 978–3–407–86402–4

Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, ausgelöst durch den Mangel am Botenstoff Dopamin. Sie geht mit einer Verhärtung der Muskeln und mit Zitterschüben einher. In Deutschland sind 300.000 bis 400.000 Menschen betroffen.

Palfreman verwebt neue wissenschaftliche Erkenntnisse mit seinen Erfahrungen fünf Jahre nach der eigenen Parkinson-Diagnose. Ungeschönt macht er zu Beginn deutlich, wie die Nachricht bei ihm zunächst Schock und dann Verdrängung auslöste, wie die Angst vor der Zukunft sich noch heute immer wieder in jede Zelle seines Körpers zu fressen droht.

Er beschreibt, wie und auf welchen Wegen Wissenschaftler weltweit nach der Ursache von Parkinson und wirksameren Therapien suchen. Man erfährt, wie Forscher nach defekten Genen fahnden und immer detaillierteres Wissen etwa über fehlgefaltete Proteine zusammentragen, lernt viel über etablierte und neu entwickelte Therapieoptionen – über neue Wege bei der Medikation, sich permanent verfeinernde chirurgische Möglichkeiten und das schwierige Feld möglicher Gentherapien bis hin zum theoretisch denkbaren Einsatz geeigneter Stammzellen.

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise zu Ärzten, Wissenschaftlern und Patienten rund um den Globus. Wie ein riesiges Puzzle fügt er Information für Information zu eben dem Bild zusammen, das wir heute von Morbus Parkinson haben. Stets steht dabei die Frage im Hintergrund: "Wird in absehbarer Zeit mit wirksamen Therapien zu rechnen sein?" Die Antworten wecken Hoffnung – und über - raschen mit einem verheißungsvollen Blick in die Forschung, bei dem Palfreman die Arbeit an einem möglichen Heilmittel skizziert, das, wenn alles gut geht, nicht nur bei Parkinson greifen könnte, sondern auch bei Alzheimer.

Es ist ein Buch, das zeigt, dass man Leben "neu lernen" kann und wie sich vieles im Leben nach einer solchen einschneidenden Diagnose neu sortiert. Vor allem aber lehrt es losgelöst von der Erkrankung Parkinson, dass Leben nun einmal nicht linear wächst, sondern wild wuchert. Und dass man selbst mittendrin steht.

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