Was wäre, wenn ...

Ilona Jerger
UND MARX STAND STILL IN DARWINS GARTEN
Ullstein, München 2017
269 S.,€ 20,–
ISBN 978–3–550–08189–7
E-Book für € 15,95
ISBN 978–395–71309–0

Diese Idee hat die Wissenschaftsjournalistin Ilona Jerger zu einem Roman versponnen, der nicht nur die menschlichen Stärken und Schwächen der beiden zeigt, sondern auch überraschend klar macht, wie viel die Evolutionstheorie und die Theorie des Marxismus mit dem damaligen Zeitgeist zu tun haben. Was die zwei Revolutionäre – fiktiv – verbindet, ist der gemeinsame Hausarzt, denn sie sind beide sehr krank. Darwin hat heftige Herzprobleme und der starke Raucher Marx ein schweres Lungenleiden, vermutlich Krebs. Dr. Beckett versucht nicht nur, ihre Leiden zu lindern – mit den teils abstrusen Mitteln seiner Zeit wie dem Aufpinseln eines Reizgiftes, das die Körpersäfte ableiten soll. Er führt auch tiefsinnige Gespräche mit den beiden, in denen er ihre Gedankengebäude kritisch hinterfragt. Schließlich kommt es zu einem Treffen von Marx mit Darwin – und einem leidenschaftlichen Streitgespräch. Am Ende steht Marx still in Darwins Garten, zu müde für Dispute. Nach einer ganzen Weile sagt Darwin zu ihm: "Ich glaube, dass Ihre große Zeit noch kommen wird."

Darwin stirbt 1882, Marx ein Jahr später. Während Charles Darwin trotz seiner "atheistischen" Theorie ein Staatsbegräbnis in der Westminster Abbey bekommt, wird der verarmte Karl Marx auf dem Londoner Friedhof Highgate beigesetzt. Friedrich Engels hält die anrührende Grabrede. Bis zum Schluss hat er den bewunderten Freund nach allen Kräften unterstützt, auch finanziell.

Marx wird in dem Buch keineswegs verklärt. Man erfährt, dass er mit seinem Hausmädchen ein uneheliches Kind hatte, das sie auf Marx' Wunsch versteckte und dessen Unterhalt Engels bezahlte. Und Charles Darwin offenbart sich als recht wehleidiger und ängstlicher Mensch, der sich kaum aus dem Haus traut und in schlaflosen Nächten Regenwürmer in aufgestellten Wedgewoodschüsseln erforscht.

Wer das Buch am Ende zuklappt, hat das Gefühl, die beiden großen alten Herren wirklich kennengelernt zu haben – als Denker und als Menschen.

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