Galaxis mit jungem Herzen

Das Zentrum der Milchstraße entstand unabhängig vom Rest der Galaxie, und die Sternenbildung schritt dort außerdem schneller voran. Das haben Forscher um Manuela Zoccali von der Universidad Catolica de Chile in Santiago mithilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte herausgefunden.
Die Milchstraße ist eine typische Spiralgalaxie: Rund um das Zentrum sind die Sterne kugelförmig verteilt und bilden eine Art Aufwölbung (englisch: "bulge"). Von diesem kugeligen Inneren gehen die Spiralarme ab, die eine flache Scheibe formen. Zoccali und ihre Kollegen untersuchten mithilfe des UVES-Spektrographen am VLT jetzt die chemische Zusammensetzung von 50 Riesensternen in unterschiedlichen Regionen der Milchstraße.

Dabei konzentrierten sie sich besonders auf die Elemente Eisen und Sauerstoff. Sauerstoff entsteht vor allem bei der Explosion schwerer, kurzlebiger Sterne, bei so genannten Typ-II-Supernovae. Eisen dagegen wird vorwiegend von Supernovae vom Typ Ia freigesetzt, die typischerweise ein längeres Sternenleben beenden. Aus dem Verhältnis zwischen den beiden Elementen lässt sich daher schließen, wie schnell die ersten Sterne im Zentrum und in den äußeren Bezirken der Milchstraße verglühten.

Das Ergebnis: Bei gleichem Eisengehalt enthielten die Sterne in der Aufwölbung systematisch mehr Eisen als die Sterne aus den Spiralarmen. "Das bedeutet, dass die Sterne aus der Aufwölbung auch dort entstanden sind", sagt Zoccali. "Die Anreicherung mit schweren Elementen fand in der Aufwölbung schneller statt ? also ging die Entwicklung dort schneller vor sich." Die Forscher nehmen an, dass die Sterne im Milchstraßenzentrum vor mehr als zehn Milliarden Jahren entstanden, als das Universum noch jung war. Innerhalb von einer Milliarde Jahre dürfte die Bildung der Riesensterne im Zentrum abgeschlossen gewesen sein.
Manuela Zoccali (Katholische Universität von Chile, Santiago) et al: Astronomy & Astrophysics, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1051/0004-6361:20065659

Ute Kehse


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