Happy Birthday, Stephen Hawking!

Stephen Hawking im März 2012 (Foto: elhombredenegro)

Der weltberühmte Physiker wird am 8. Januar 75 Jahre alt – bild der wissenschaft gratuliert mit Titelgeschichte und eBook.

"Mein Ziel ist einfach: das vollständige Verständnis des Universums – warum es ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert", sagte Stephen Hawking einmal. Der berühmteste Wissenschaftler der Gegenwart hat die ganz großen Fragen nie gescheut. Er gehört allerdings auch zu den wenigen, die dazu beitragen, Antworten näher zu kommen.

In Fachkreisen fanden seine Forschungen schon Ende der 1960er-Jahre Beachtung und sorgten Mitte der 1970er für Aufregung. Seit seinem Weltbestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" von 1988 ist er auch einem Millionenpublikum bekannt; weitere populärwissenschaftliche Bücher setzen diesen Erfolg bis heute fort.

Das alles ist eine kaum zu ermessende Leistung. Denn bereits 1963, kurz nach seinem 21. Geburtstag, diagnostizierten Ärzte bei Hawking Amyotrophe Lateralsklerose und prophezeiten ihm eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Jahren. Bei dieser schrecklichen Erkrankung sterben nach und nach die Nervenzellen zu den Muskeln, was zur vollständigen Lähmung führt.

Trotzdem konnte Hawking sein Studium sowie eine Promotion abschließen und Spitzenforschung vollbringen. 1979 wurde er, längst im Rollstuhl, sogar auf den Lucasischen Lehrstuhl der University of Cambridge berufen, den vor 300 Jahren Isaac Newton inne hatte.

Gefangenes Genie

Aufgrund eines Luftröhrenschnitts kann sich Hawking seit 1985 nur noch mit einem Sprachcomputer verständigen. Er bedient ihn buchstäblich mit seinem letzten Zucken, indem er mit Bewegungen der Augen oder rechten Wange mühsam Buchstabe für Buchstabe in das Programm eingibt – bestenfalls zwei bis drei Wörter pro Minute.

Mit diesem tragischen Schicksal passt Hawking perfekt zum Klischee des im regungslosen Körper gefangenen genialen Geistes, der die Grenzen der Erkenntnis zu sprengen trachtet – handeln seine Forschungen doch von den abstraktesten, entlegensten und kompliziertesten Themen: Schwarzen Löchern, Urknall, Zeitreisen, Relativitätstheorie, Quantenphysik und der Suche nach einer Weltformel, die alle Teilchen und Kräfte erklärt. Kein Zufall, dass er zum Medienstar wurde!

Hawking selbst sieht es ähnlich: "Ich bin sicher, dass meine Behinderung eine Rolle spielt, warum ich so bekannt bin. Die Menschen sind fasziniert von dem Kontrast zwischen meinen sehr eingeschränkten physischen Kräften und der gewaltigen Natur des Universums, mit der ich mich beschäftige. Ich bin der Archetypus des behinderten Genies. Doch ob ich ein Genie bin, kann bezweifelt werden."

Kinoheld und Lego-Figur

Die Kombination von kosmologischer Größe und gravierender Krankheit machte aus Hawking sogar eine Art Filmheld. 2004 erschien ein TV-Spielfilm über seine Jugend bis zur Dissertation, 2014 sogar ein Kinofilm, für den der Hawking-Darsteller Eddie Redmayne einen Oscar bekam; bereits 1991 lief im Kino ein Dokumentation über Hawkings Forschungen mit vielen Interviews seiner Weggefährten. Hinzu kommen mehrere Wissenschaftsfilme von, mit und über Hawking im Fernsehen.

Hawking ist auch ein Teil der Popkultur: Er hatte Gastauftritte in den TV-Serien "Raumschiff Enterprise" und "The Big Bang Theory" sowie als Zeichentrickfigur bei den "Simpsons" und in der Science-Fiction-Serie "Futurama"; seine Computerstimme kommt im Song "Keep Talking" von Pink Floyd vor; und es gibt Hawking sogar als Lego-Figur.

Nach wie vor stellt Hawking mit jedem Tag einen neuen erstaunlichen medizinischen Rekord auf – was sicherlich nicht nur seinem Überlebenswillen, seinem Humor und der guten medizinischen Versorgung zu verdanken ist. "Meine Behinderung hat meine wissenschaftliche Arbeit nicht wesentlich beeinträchtigt. Tatsächlich war sie in mancherlei Hinsicht eher von Vorteil: Ich brauchte keine Vorlesungen zu halten, und ich musste nicht an langweiligen und zeitraubenden Institutssitzungen teilnehmen. Auf diese Weise konnte ich mich uneingeschränkt meiner Forschung hingeben."

Hawkings wichtigste Ratschläge

Ende Oktober 2009 wurde Hawking emeritiert, was bei seinem Antritt keiner gedacht hatte. Am 8. Januar 2017 feiert er seinen 75. Geburtstag. Von Ruhestand kann freilich keine Rede sein. Hawking hat eine große Familie (drei Kinder und drei Enkel; mit seiner Tochter Lucy schrieb er bereits fünf Kinderbücher). Wenn sein Gesundheitszustand es erlaubt, hält er Vorträge, tritt im Fernsehen und Radio auf. Und er forscht mit seinen Kollegen weiter. So veröffentlichte er in den letzten Jahren mehrere umfangreiche Beiträge zu diffizilen Fragen der Kosmologie und zu den mysteriösen Schwarzen Löchern.

Hawking führt also keine vergeistigte oder weltabgewandte Existenz. Er sorgt sich sehr um die Zukunft der Menschheit und versucht sie mit seinen bescheidenen Mitteln mitzugestalten. Aber er weiß auch, das kleine Erdenleben zu genießen.

Seine Lebenseinstellung hatte er einmal so zusammengefasst: "Dies sind die wichtigsten Ratschläge, die ich meinen Kindern auf den Weg gegeben habe: Erstens, vergesst nicht, empor zu den Sternen zu blicken, anstatt hinab auf eure Füße. Zweitens, gebt niemals auf mit eurer Arbeit, denn sie schenkt euch Sinn, ohne den das Leben leer ist. Drittens, wenn Ihr glücklich genug seid, Liebe zu finden, dann denkt daran, dass dies selten ist, und werft sie nicht weg."

 

Exklusives eBook von bdw

bild der wissenschaft gratuliert Stephen Hawking und wünscht ihm Wohlergehen und viele weitere spannende Einsichten in dieses seltsame Universum. Anlässlich seines Geburtstags hat bdw das Leben und Werk mit der Titelgeschichte im aktuellen Januar-Heft gewürdigt. Außerdem hat bdw-Chefredakteur Alexander Mäder das exklusive eBook Stephen Hawking – Leben und Werk des genialen Kosmologen herausgegeben. Darin sind unter anderem zahlreiche frühere bdw-Artikel über Hawkings Forschungen und Bücher versammelt sowie Interviews und Hintergrundberichte. Ausführliche Infos, Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeit hier:

Herzlichen Glückwunsch, Stephen Hawking!

 

Rüdiger Vaas ist Astronomie- und Physik-Redakteur bei bdw. Mit Stephen Hawking hat er mehrfach gesprochen und vier Bücher über dessen Erkenntnisse publiziert, zuletzt "Hawkings Kosmos" und "Einfach Hawking!"

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