Neue Hinweise auf Planet 9

Künstlerische Darstellung des hypothetischen Planeten 9. (Illustration: NASA)

Auf einer "abwegigen" Bahn soll er am Rande unseres Sonnensystems kreisen – doch gibt es ihn wirklich, den Planet 9? Der mysteriöse, bisher nur theoretisch postulierte Außenseiter macht sich bemerkbar, berichten nun erneut Astronomen. Ihren Analysen zufolge "mischt" tatsächlich "etwas" die Himmelskörper jenseits des Neptun auf: Ein neuer Hinweis auf Planet 9, der in einer Entfernung des 300- bis 400-fachen der Erd-Sonnen-Distanz (AU) durch unser Sonnensystem ziehen soll.

Die Nachricht war wie ein Paukenschlag: Astronomen verkündeten 2016, dass sie Hinweise auf die Existenz eines möglichen neunten Planeten im Sonnensystem gefunden haben. Demnach könnte es weit jenseits des Neptun noch einen weiteren, neptungroßen Planeten auf einer ungewöhnlichen Umlaufbahn geben. Direkt erspäht hatten die Astronomen den Himmelskörper allerdings nicht – sie schlossen nur anhand der Bewegungen von Objekten im Kuipergürtel auf die Existenz von Planet 9. Mittlerweile gibt es sogar Vermutungen, dass sich auch noch weitere unbekannte Planeten im Sonnensystem verstecken. Doch das Thema wird in der Astronomie bislang kontrovers diskutiert.

Ein Astro-Phantom?

Besonders ein Argument zog die Existenz von Planet 9 in Zweifel: Es gab Hinweise darauf, dass die Daten, auf denen die Existenz-Hypothese basiert, unklar beziehungsweise nicht schlüssig genug waren. Um die Effekte im Kuiper-Gürtel zu erklären, sei kein Planet nötig, es könnte sich auch um zufällige Verteilung bei den Umlaufbahnen der dortigen Objekte handeln, hieß es. Diesem Kritikpunkt widersprechen nun die aktuellen Ergebnisse der Forscher um Carlos de la Fuente Marcosvon der Universität Madrid.

Sie haben eine neue Technik angewendet, um die Bewegungen der extremen transneptunischen Objekte (ETNOs) zu untersuchen, die weiter von der Sonne entfernt liegen als 150 AU. Erstmals haben sie die Knotenpunkte genau untersucht, in denen die Umlaufbahnen der 28 bekannten ETNOs die Ebene des Sonnensystems schneiden. Dies sind  genau die Punkte, wo die Wahrscheinlichkeit der Interaktion mit anderen Objekten am größten ist, erklären die Astronomen. Die ETNOs können hier drastische Veränderung ihrer Umlaufbahnen abbekommen oder sogar Kollisionen. "Es ist das erste Mal, dass die Knoten verwendet wurden, um zu versuchen, die Dynamik der ETNOs zu verstehen", sagt de La Fuente Marcos.

Effekte wie beim Jupiter

"Wenn es nichts gibt, das störend wirkt, sollten die Knoten dieser extremen transneptunischen Objekte gleichmäßig verteilt sein. Wenn es aber Störer gibt, können sich neue Konstellationen ergeben. Sie würden sich dann wie die Kometen verhalten, die mit dem Jupiter interagieren", erklärt de La Fuente Marcos. Die Astronomen haben jedoch festgestellt, dass die Knoten der 28 untersuchten ETNOs in bestimmten Bereichen auffällig gruppiert sind. Auch weitere Korrelationen führen sie zu der Schlussfolgerung: Hier zeichnet sich die Signatur eines großen Himmelskörpers ab.

"Wenn man davon ausgeht, dass das dynamische Verhalten der ETNOs dem der Kometen ähnelt, die mit dem Jupiter interagieren, interpretieren wir diese Ergebnisse als Zeichen für die Anwesenheit eines Planeten in einer Distanz von 300 bis 400 AU, der diese Himmelskörper beeinflusst", resümiert de La Fuente Marcos. Er betont: "Wir glauben, dass das, was wir hier sehen, nicht auf Beobachtungsartefakte zurückgeführt werden kann".

Die Astronomen hoffen nun auf die Entdeckung weiterer extremer transneptunischer Objekte, denn bisher sind nur die 28 im Rahmen der Studie untersuchten Exemplare bekannt. Die Analyse der Verteilung ihrer Knoten könnte die Existenz des Planten 9 weiter bestätigen und anschließend auch seine Umlaufbahn aufzeigen, sagen die Wissenschaftler.

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken


Sie haben die Wahl!

bild der wissenschaft sucht die besten aktuellen Wissensbücher – machen Sie mit!

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Was steckt dahinter, wenn uns etwas schmeckt – oder wenn wir etwas widerlich finden? Der Autor hat Neurobiologen und Psychologen befragt, mit Sterneköchen gespeist und Wein verkostet. Mit verblüffenden Erkenntnissen.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe