Schwarze Sonne über Nebraska


Das Ende der totalen Finsternis: Die Sonne lugt hinter dem Mond hervor. (Foto: Thomas Bürke)

Am 21. August 2017 hat sich um die Mittagszeit der Himmel über den USA von Oregon bis South Carolina verfinstert. Aus Anlass dieses kosmischen Spektakels hat sich bild der wissenschaft einen Platz im Kernschatten gesucht, um zusammen mit Lesern die SoFi 2017 zu bestaunen. Unser Autor Thomas Bührke berichtet aus Nebraska über den astronomischen Höhepunkt der Reise: die Totale Sonnenfinsternis.

Wir haben sie gesehen, die Totale Sonnenfinsternis 2017. Ein unvergessliches Erlebnis, allerdings mit ungewollter Dramaturgie, die uns kurz vor dem Beginn um 12.53 Uhr noch bangen ließ.

Unsere Gruppe hatte sich auf einer Ranch in der Nähe des Dorfes Tryon in Nebraska versammelt. Hier wurden wir von der Familie mit allem versorgt, wir konnten uns frei bewegen auf dem gut 120 Quadratkilometer großen Gehöft – hier ist alles eine Nummer größer als bei uns. Die meisten ließen sich auf einem Hügel nieder, von dem aus wir einen freien Blick auf den Horizont hatten. Dicker Nebel verflüchtigte sich bis 10.30 Uhr und gab einen fast makellosen blauen Himmel frei. Entspannt verfolgten wir mit unseren Sofi-Brillen, wie der Mond sich immer weiter vor die Sonne schob, bis eine halbe Stunde vor der Totalität dichtere Haufenwolken aufzogen.

Jetzt begann das große Zittern: Wie schnell ziehen die Wolken, aus welcher Richtung kommen sie, wo würde sich die Lücke um 12.53 Uhr befinden, wo die eine dicke Wolke? Unmittelbar vor der Verfinsterung konnten wir die zu einer dünnen Sichel geschwundene Sonne ohne Brille durch den Rand einer Wolke erkennen und dann, im entscheidenden Moment war die Lücke da.

Ein mystisches Erlebnis

Klar und deutlich stand die schwarze Sonne, umgeben von dem Strahlenkranz, der Korona, über uns am dunklen Himmel. Venus und Merkur leuchteten in ihrer unmittelbaren Nähe, sicher waren auch andere Sterne sichtbar, aber die kümmerten uns nicht.  Es ist ein unwirkliches geradezu mystisches Erlebnis, das auch den Abgeklärtesten emotional berührt. Kein noch so gutes Foto vermag diese Situation wiederzugeben. Eine Totale Sonnenfinsternis ist ein Erlebnis für alle Sinne. Es wird kühler, leichter Wind kommt auf, die Kühe brüllen und legen sich hin. In diesem Moment bekommt man einen Eindruck davon, wie überrascht und verängstigt frühe Völker ohne astronomische Kenntnisse bei einem solchen Himmelsspektakel gewesen sein müssen - und wie erlöst, wenn es wieder vorbei war. 

Jeder Teilnehmer erlebt die Sofi auf seine eigene Weise. Einige genießen sie mit dem bloßen Auge, andere schauen durchs Fernglas, einige wenige machen professionelle Aufnahmen. Wir erkennen Protuberanzen am Rand der schwarzen Scheibe, die Millionen von Grad heiße Korona ist wunderschön ausgeprägt, leicht asymmetrisch.  

Nach zweieinhalb Minuten ist alles vorbei. Der erste Sonnenstrahl blitzt durch ein Mondtal, dann kehrt die Sonne wieder und wird langsam heller. Wir alle sind begeistert, euphorisiert und überwältigt. Der Platz war optimal gewählt, die Wolken waren nicht vorhersehbar – ein Traum.


Die Reisegruppe mit Blick zum Himmel (Foto: Thomas Bürke)

Diese Sonnenfinsternis zog sich quer über das Territorium der USA und wurde hier als "Große Amerikanische Finsternis" bezeichnet. Sie hat aber eine ganz enge Beziehung zu derjenigen in Deutschland vom 11. August 1999. Beide gehören zum Saros-Zyklus Nr. 145.

Die nächste Sofi kommt 2019

Sonnenfinsternisse ereignen sich alle paar Jahre, wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie liegen. Nach jeweils 18 Jahren, zehn Tagen und acht Stunden wiederholt sich jedoch die jeweilige Konstellation genau. Weil sich in acht Stunden Zeitunterschied die Erde um circa 120 Grad in geographischer Länge weiter von West nach Ost gedreht hat, verläuft der Totalitätsstreifen dieses Mal über den USA. Die Finsternis von 1999 war die fünfte, die jetzige die sechste im Saros-Zyklus 145. Der begann am 4. Januar 1639 und endet am 17. April 3009. 

Vor der Sonnenfinsternis ist nach der Sonnenfinsternis. Die nächste Totale verläuft am 2. Juli 2019 über dem südlichen Pazifik und Südamerika, die nächste in Europa ist erst am 12. August 2026 in Island und Spanien beobachtbar. bild der wissenschaft ist vermutlich wieder dabei.


Nachtdunkel mitten am Tag (Foto: Thomas Bürke)

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Resilienz ist die Fähigkeit, trotz widriger Umstände ohne große Blessuren im Leben zu stehen. Aber ist sie eine Charaktereigenschaft oder wird sie bei einem Prozess erworben? Jenseits der vielfältigen Ratgeberliteratur ein kundiges Werk zum Thema.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe