Kometenhafter Planet auf skurriler Bahn

Künstlerische Darstellung des Schweif-Planeten. (Illustration: Mark Garlick/University of Warwick)

Seit einiger Zeit haben Astronomen einen Exoplaneten im Visier, der einen Schweif hinter sich herzieht. Nun haben sie eine weitere Skurrilität aufgedeckt: Er besitzt eine buchstäblich außerordentliche Umlaufbahn um seinen Mutterstern. Er umkreist ihn nicht wie für Planeten üblich auf der Äquatorialebene - den kometenhaften Planeten führt eine stark elliptische Bahn über die Pole des Sterns. Was diese seltsame Umlaufbahn verursacht hat, bleibt rätselhaft – möglicherweise steht der Planet im Bann eines bisher unbekannten großen Himmelskörpers.

Bereits seit über zehn Jahren blicken Astronomen verwundert auf das Sternensystem mit der Bezeichnung Gliese 436, das sich etwa 33 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Löwe befindet. In seinem Zentrum steht ein Roter Zwerg, der von einem ungewöhnlichen Planeten umrundet wird, wie bereits aus früheren Studien hervorgeht: Der etwa Neptun-große Himmelskörper GJ436b besitzt einen Schweif - ähnlich wie ein Komet. Es handelt sich dabei offenbar um Material aus der Atmosphäre des Planeten, das durch die intensive Strahlung des sehr nahen Sterns mobilisiert wird und dann buchstäblich auf der Strecke bleibt.

Umlaufbahn über die Pole des Sterns hinweg

Die Details der Umlaufbahn des "weihnachtlich" anmutenden Planeten waren bisher allerdings unklar. Mit diesem Aspekt haben sich nun die Forscher um Vincent Bourrier von der Universität Genf beschäftigt. Wie aus ihren Datenanalysen hervorgeht, macht GJ436b nun erneut seinem skurrilen Ruf Ehre.

Normalerweise umkreisen Planeten ihren Zentralstern auf der Äquatorialebene - so wie im Fall unseres Sonnensystems. Sie folgen dabei in der Regel auch weitgehend kreisförmigen Bahnen. Durch bestimmte Prozesse bei der Entstehung von Planetensystemen bildet sich dieses wohlgeordnet wirkende System üblicherweise aus. Doch bei GJ436b ist die Lage anders, berichten die Forscher: Statt äquatorial kreist der kometenhafte Planet um 90 Grad gekippt - "polar" um seinen Mutterstern.

Außerdem bildet seine Umlaufbahn eine starke Ellipse, berichten die Astronomen. Dadurch variiert sein Abstand zum Stern auf seinem Weg intensiv. "An diesem Planeten zerren enorme Gezeitenkräfte, weil er seinem Stern sehr nah kommt – auf nur etwa drei Prozent der Erd-Sonnen-Entfernung", sagt Bourrier. "Eigentlich müsste die Wirkung des Zentralsterns die Umlaufbahn des Planeten schon längst in eine Kreisform verwandelt haben, aber das ist nicht der Fall!" so der Astronom.

Im Bann eines mysteriösen Himmelskörpers?

Damit stellt sich die Frage, was dem System die seltsamen Merkmale verpasst hat. Bisher können die Astronomen dazu nur Spekulationen anstellen. Möglich ist ihnen zufolge, dass die Gravitationskraft eines bisher unentdeckten Planeten die seltsame Umlaufbahn von GJ436b geprägt hat. Dies passt zu Hinweisen, wonach er dem Stern - astronomisch betrachtet - erst vergleichsweise kürzlich so nahe gekommen ist. Dieser Spur wollen die Astronomen nun weiter nachgehen: "Unser nächstes Ziel ist es, den mysteriösen Planeten zu identifizieren, der dieses Planetensystem gestört hat", so Bourrier.

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Ein bisschen mehr Fett auf den Rippen macht widerstandsfähig. Und eine Mischkost ist die gesündeste Ernährung. Einfache Wahrheiten, die der Professor für Ernährungswissenschaft Hans Konrad Biesalski in seinem Buch überzeugend vertritt.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe