Acht potenziell lebensfreundliche Supererden entdeckt

Ein Erdzwilling um einen von leuchtenden Gasen umhüllten Stern (David A. Aguilar, CfA)

Bei der Suche nach Leben im All konzentrieren sich die Astronomen vor allem auf Planeten, die der Erde möglichst ähnlich sind. Solche "Erdzwillinge" mit milden Temperaturen, flüssigem Wasser und einer schützenden Atmosphäre gelten als besonders vielversprechende Kandidaten für die Entstehung von Leben. Und das neue Jahr fängt in dieser Hinsicht verheißungsvoll an: Gleich acht potenziell lebensfreundliche Supererden haben Astronomen bei der Auswertung von Daten des Weltraumteleskops Kepler entdeckt. Zwei davon sind der Erde möglicherweise ähnlicher als alle zuvor bekannten Exoplaneten.

Dass es auf unserem Planeten  Leben gibt, ist einer ganzen Reihe von glücklichen Zufällen zu verdanken. Die Erde umkreist die Sonne in der sogenannten habitablen Zone – dem Bereich um einen Stern, in dem die Strahlung für milde Temperaturen sorgt und flüssiges Wasser zulässt. Zudem ist unser Stern relativ stabil, die Erdumlaufbahn ist nicht zu exzentrisch und die Erde besitzt eine schützende Atmosphäre und ein Magnetfeld. Nach ähnlichen Merkmalen suchen Astronomen daher auch, wenn sie nach potenziell lebensfreundlichen extrasolaren Planeten suchen. Bisher waren allerdings nur sehr wenige Planeten bekannt, die in der habitablen Zone ihres Sterns kreisen und noch dazu bis maximal die zweifache Erdgröße haben. Einer von ihnen wurde erst im April 2014 entdeckt: Kepler 186f ist fast genauso groß wie die Erde und umkreist einen Roten Zwergstern, der rund 500 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, am äußeren Rand von dessen habitabler Zone.

Guillermo Torres vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) und seine Kollegen haben für ihre Studie erneut die Daten des NASA-Weltraumteleskops Kepler durchforstet. Dabei unterzogen sie eine ganze Reihe von potenziellen Planetenkandidaten einer speziellen statistischen Auswertung, die auch bei weit entfernten Objekten anhand von Größe und Entfernung von einem Stern ermittelt, ob es sich um einen lebensfreundlichen Exoplaneten handeln könnte. Die vielversprechendsten Kandidaten untersuchten die Astronomen dann näher durch Beobachtungen mit Teleskopen mit adaptiver Optik und durch spektrometrische Analysen des Lichts der Sterne, um die diese Planeten kreisen.

Zwei potenzielle Erdzwillinge um Rote Zwerge

Übrig blieben gleich acht Exoplaneten, die höchstwahrscheinlich nur wenig größer sind als die Erde und ihre Sterne in der habitablen Zone umkreisen. Damit verdoppelt sich die Zahl der bekannten potenziellen Erdzwillinge, wie die Forscher berichten. Sie könnten flüssiges Wasser auf ihrer Oberfläche besitzen und damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für Leben bieten. "Viele dieser Planeten haben eine gute Chance, Gesteinsplaneten wie die Erde zu sein", sagt Torres. Die beiden erdähnlichsten unter den neuentdeckten und auch unter den bisher bekannten Planeten sind der 470 Lichtjahre von der Erde entfernte Kepler-438b und der 1.100 Lichtjahre entfernte Kepler-442b. Beide umkreisen Rote Zwerge – Sterne, die kleiner und kühler sind als unsere Sonne.

Der etwas näher liegende Kepler-438b ist nur zwölf Prozent größer als die Erde und erhält in seiner Umlaufbahn rund 40 Prozent mehr Licht als unser Heimatplanet. Damit liegt er mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 70 Prozent noch in der habitablen Zone seines Sterns, so die Astronomen. Zum Vergleich: Die Venus, die in unserem Sonnensystem knapp jenseits der inneren Grenze dieser Zone liegt, erhält bereits doppelt so viel Sonnenlicht wie die Erde. Der zweite Planet, Kepler-442b, ist rund ein Drittel größer als die Erde, dennoch halten es die Astronomen für relativ wahrscheinlich, dass auch er eine steinige, erdähnliche Welt ist. Für ihn kalkulierten sie sogar eine 97-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass er sich in der habitablen Zone seines Sterns befindet. Dieser potenzielle Erdzwilling bekommt gut zwei Drittel der Strahlung der Erde.

"Ob diese oder die anderen Planeten in unserer Stichprobe wirklich lebensfreundlich sind, können wir anhand unserer bisherigen Daten noch nicht sicher sagen", betont Koautor David Kipping vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. "Sie sind aber sehr vielversprechende Kandidaten." Weitere Beobachtungen müssen dies nun bestätigen oder widerlegen. Aufgrund der geringen Größe der Exoplaneten und ihrer großen Entfernung wird es allerdings eine Herausforderung, Näheres über sie herauszufinden.

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