Altes Wissen macht Afrikas Erde fruchtbar

Rechts normale, rötliche Erde, die westafrikanische Bauern zu fruchtbarer schwarzer Erde (links) aufbereiten können. (Foto: Victoria Frausin)

Im Westen Afrikas nutzen Bauern jahrhundertealtes Wissen, um nährstoffarme Böden dauerhaft fruchtbar zu machen. Forscher haben nun die Zutaten für den natürlichen Dünger gefunden und sind überzeugt: Mit der "Schwarzen Erde" lässt sich die Landwirtschaft im ganzen Kontinent vor den Folgen des Klimawandels schützen.

In Liberia und Ghana bedienen sich die Bauern seit rund 700 Jahren einer bewährten Technik: Sie mischen Asche, Knochen, Holzkohlereste und Bioabfälle wie Reisstroh und Palmblätter in ausgelaugte Böden und wandeln sie so in extrem speicherfähige, fruchtbare Äcker um. Die Details dieser Kultivierungstechnik hat nun der Anthropologe James Fairhead von der University of Sussex in Dörfern der beiden westafrikanischen Staaten untersucht.

Dafür begleiteten er und sein Team die Bauern bei ihrer täglichen Arbeit, dokumentierten die Felderträge und sprachen mit Landwirten und Dorfältesten. "Der Häuptling aller Erden", wie ein Bauer die schwarze Erde bezeichnete, erwies sich als erstaunlich ergiebig: Im Dorf Wenwuta in Liberia beispielsweise kultivieren die Bauern auf drei Hektar schwarzer Erde mehr als ein Viertel ihrer Nahrungsmittel. Der Rest wächst dagegen auf einer viel größeren Fläche von 50 Hektar.

Was die schwarze Erde so fruchtbar macht, haben Fairheads Kollegen im Labor analysiert. So enthalten die gedüngten Felder mehr Phosphor, Stickstoff und Kalium als die unbehandelten rötlichen Böden und sind auch nicht so sauer. Außerdem können sie Nährstoffe besser speichern. Als besonders wirksame Zutat fanden die Forscher pyrogenen Kohlenstoff, der vor allem aus verbranntem organischem Material stammt. Sein Vorteil ist, dass er sehr viel langsamer abgebaut wird als andere Kohlenstoffarten und über Jahrhunderte hinweg im Boden gespeichert bleibt.

Uralte Technik für die Zukunft

Aus der Untersuchung von 150 Orten in Liberia und 27 Orten in Ghana ergab sich, dass die "Afrikanische Schwarze Erde" – wie die Wissenschaftler den stabilen Humus tauften – 200 bis 300 Prozent so viel organischen Kohlenstoff einlagern kann wie gewöhnlicher Regenwaldboden. "Wenn wir diese alte Methode nachahmen können, könnte das das Leben von Tausenden von Menschen ändern, die in einigen der ärmsten und von Hunger geplagten Regionen Afrikas leben", hofft James Fairhead. Die Forscher sehen darin auch eine Möglichkeit dem Bodenverlust entgegenzuwirken, der durch den fortschreitenden Klimawandel droht. Gerade in Afrika könnte so die Versorgung mit Lebensmittel gesichert werden.

Um festzustellen, seit wann die westafrikanischen Bauern diese Technik anwenden, unterzogen die Forscher einige Erdproben einer C14-Datierung. Das Ergebnis: Manche Holzkohlereste sind bis zu 700 Jahre alt. Derartige Böden kennt man auch aus Südamerika. Dort datiert die Schwarze Erde in eine Zeit bis zu 5000 Jahre vor heute, wobei die meisten Böden wohl vor 1000 bis 2000 Jahren geschaffen wurden. Mit der Eroberung des Kontinentes durch die Europäer ging dieses Wissens nahezu vollständig verloren. Die Forscher hoffen nun, dass sich mithilfe des afrikanischen Rezepts auch dort die Technik wieder einführen lässt. Unabhängig davon hebt ein Teilnehmer der Studie, Dawit Solomon von der Cornell University, hervor: "Uns hat am meisten überrascht, dass sowohl in Afrika als auch in Amazonien zwei  voneinander isolierte indigene Gemeinschaften in der Lage waren, etwas zu erreichen, das die moderne Agrartechnik bis heute noch nicht geschafft hat."

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