Salzseen in Gefahr

Das Volumen des Great Salt Lake in den USA ist um 50 Prozent geschrumpft (Foto: Wayne Wurtsbaugh)

Ob das Tote Meer, der Salt Lake in den USA oder der Urmiasee im Iran: Überall auf der Erde drohen Salzseen auszutrocknen. Zahlreiche ökologisch einmalige und für viele Tiere lebenswichtige Biotope könnten damit verlorengehen, warnen Forscher. Wer die Hauptschuld an diesem schleichenden Austrocknen der Salzseen trägt, haben sie nun ermittelt. Das Ergebnis bestätigt: Nicht das Klima, sondern vor allem die übermäßige Wasserentnahme durch den Menschen ist schuld.

Vielen ist nicht bewusst, welchen hohen Anteil Salzseen an den Gewässern der Erde haben: Seen mit salzhaltigem Wasser machen immerhin 44 Prozent des gesamten Seevolumens und 28 Prozent der globalen Seefläche aus, wie Wayne Wurtsbaugh von der Utah State University und seine Kollegen berichten. Das größte dieser meist in trockenen Wüstengegenden liegenden Gewässer ist das Kaspische Meer, andere größere Seen dieser Art sind das Tote Meer in Israel, der Salt Lake in den USA oder der Urmiasee im Iran. Solche Seen sind vor allem von großer Bedeutung als einzigartige Lebensräume für Wasservögel , die sich von den in ihnen gedeihenden Salzkrebschen ernähren: "Millionen von ziehenden Küsten- und Wasservögeln nutzen die Salzseen als Brutgebiete oder Rastplätze auf ihren Wanderungen", erklären die Forscher. Aber auch für den Menschen sind diese Gewässer wichtig, denn sie dienen als Erholungsgebiete, als Nahrungsquelle oder werden für die Mineralgewinnung genutzt.

Doch diese besonderen Lebensräume sind in Gefahr, warnen nun Wurtsbaugh und seine Kollegen. Denn weltweit trocknen die Salzseen immer stärker aus. Die Spanne reicht vom Extrembeispiel des Aralsees, dessen Volumen bereits um 90 Prozent abgenommen hat, über den Salton Sea in den USA, dessen Wasserspiegel seit dem Jahr 2000 um sieben Meter gefallen ist bis zum Urmiasee, der ebenfalls bereits einen Großteil seiner einstigen Größe eingebüßt hat. Das Problem: Bisher fehlten in vielen dieser Fälle klare Daten darüber, was an diesem Schwund schuld ist. "Es gibt eine Tendenz dazu, den Klimawandel pauschal als Schuldigen für diesen Rückgang zu sehen, ohne dass man die hydrologischen Daten überhaupt vollständig kennt", konstatieren die Wissenschaftler.

48 Prozent Mensch, zwei Prozent Klima

Um hier Abhilfe zu schaffen, haben sie am Beispiel des Salt Lake im US-Bundesstaat Utah, aber auch anderer Salzseen genauer ermittelt, welche Faktoren tatsächlich die tragende Rolle für die schleichende Austrocknung spielen. Ihr Ergebnis: In nahezu allen Fällen ist nicht der Klimawandel der Hauptschuldige, sondern die Wasserentnahme durch den Menschen. Meist wird an den Zuflüssen dieser Salzsee so viel Wasser für die Landwirtschaft, für Industrie oder Ballungsräume abgezapft, dass der Einstrom in den See nicht ausreicht, um den Wasserverlust durch die Verdunstung auszugleichen. Im Fall des Salt Lake hat das Seevolumen seit 1847 um rund 50 Prozent abgenommen – obwohl sich Klima und Niederschläge in der Region kaum verändert haben. Der Einstrom in den See hat sich dagegen durch Wasserentnahmen um 40 Prozent verringert. "Die Wassermanager am Great Salt Lake und Oregon Lake haben bisher immer die natürlichen Niederschlagsveränderungen für das Absinken des Wasserpegels in diesen Seen verantwortlich gemacht – ohne die Ursachen wirklich analysiert zu haben", kritisieren Wurtsbaugh und seine Kollegen.

"Der Schlüssel zum Erhalt der Salzseen ist es daher, genau zu bestimmen, wieviel Einstrom der betreffende See benötigt, um seinen Pegel zu halten", sagen die Forscher. Für den Salt Lake ermittelten sie, dass der momentane Wasserzustrom um 24 bis 29 Prozent erhöht werden müsste, um den Salzsee zu retten. Das aber bedeutet, dass an den Zuflüssen weniger Wasser für Landwirtschaft und Co entnommen werden darf. Im Fall des akut von Austrocknen bedrohten Urmiasees im Iran errechneten die Wissenschaftler, dass der Wassereinstrom sogar um 83 Prozent erhöht werden müsste, damit sich der Salzgehalt des Sees und seine Lebenswelt wieder regenerieren können. "Solche Maßnahmen stellen allerdings eine soziale, politische und wirtschaftliche Herausforderung dar", räumen die Forscher ein.

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