Dino-Ende: Ein Doppelschlag zeichnet sich ab

Blick auf Formationen der Dekkan-Trapp in Indien. Credit: Mark Richards/UC Berkeley

Asteroideneinschlag oder eher gigantische Vulkanausbrüche – was führte maßgeblich zum Massensterben am Ende der Kreidezeit? Es war wohl die fatale Kombination von beidem mit dem Asteroiden als Auslöser, sagen nun Forscher. Sie liefern überzeugende Hinweise, dass die Bombe aus dem All gigantische Vulkanausbrüche im heutigen Indien verstärkt hat. Sie brodelten anschließend Jahrhunderthausende weiter und verpesteten die Erde dadurch noch lange nach dem verheerenden Erstschlag durch den Asteroiden.

Seit 35 Jahren debattieren Geologen und Paläontologen über die Rolle, welche die beiden Katastrophenszenarien beim Massensterben vor rund 66 Millionen Jahren gespielt haben. Einige halten die damals hohe vulkanische Aktivität auf der Erde für irrelevant, andere messen hingegen dem Asteroideneinschlag nur eine untergeordnete Rolle im Rahmen eines durch Vulkanismus geprägten Niedergangs bei. Beide Ansichten haben wissenschaftliche Grundlagen: Noch heute zeichnen sich im Bereich der mexikanischen Halbinsel Yucatan die gigantischen Spuren des Asteroiden ab, der Datierungen zufolge vor etwa 66 Millionen Jahren in die Erde krachte. Feuerstürme, gigantische Tsunamis und vermutlich ein globaler Winter waren wohl die Folgen – mit möglicherweise tödlichem Effekt: Paläontologischen Funden zufolge verschwanden zur gleichen Zeit die meisten damaligen Tierarten von der Bühne der Evolutionsgeschichte.

Paukenschlag oder tödliches Tremolo?

Doch das ist nicht die einzige Katastrophen-Spur, die sich mit diesem Massensterben verknüpfen lässt: Untersuchungen der sogenannten Dekkan-Trapp in Indien zeigen, dass diese riesige geologische Formation aus treppenartig gestuftem Flutbasalt ebenfalls vor etwa 66 Millionen Jahren entstanden ist. Experten zufolge könnten die verantwortlichen Eruptionen damals so enorm gewesen sein, dass sie die Erdatmosphäre mit Gas und Ruß füllten, wodurch sich das globale Klima fatal änderte.

Paul Renne von der University of California in Berkeley und seine Kollegen vermuten bereits seit einiger Zeit, dass beide Katastrophen gekoppelt gewesen sein könnten. Um diese Hypothese zu untermauern, sammelte das Team nun Gesteins-Proben aus dem Gebiet der Dekkan-Trapp, das etwa 500.000 Quadratkilometer umfasst. Hochpräzise Argon-Isotop-Datierungen führten zu einer Chronologie der vulkanischen Aktivität, die hier einst stattgefunden hat. Die Forscher sammelten somit Informationen zu Eruptionsstärken mehrere hunderttausend Jahre vor, während und nach dem kreidezeitlichen Massensterben.

Alle drei Ereignisse scheinen gekoppelt

Die Datierungen weisen dem Einschlag, dem erhöhten Vulkanismus und dem Massensterben eine gemeinsames Zeitfenster von 50.000 Jahren zu. Aus erdgeschichtlicher Sicht ist dies ein Wimpernschlag – vermutlich ereigneten sie sich deshalb zeitgleich. „Es ist unmöglich, atmosphärische Effekte der einen oder anderen Katastrophe zuzuschreiben. Beide passierten zur gleichen Zeit", sagt Renne. Konkret zeigten die Datierungen, dass die Vulkane der heutigen Dekkan-Trapp vor dem Zeitfenster vergleichsweise moderat vor sich hin brodelten. Dann kam es plötzlich zu einer Verdopplung der Aktivität und damit zu einem katastrophalen Ausmaß, berichten die Forscher.

Ihren Vermutungen zufolge hatten die Wucht des Asteroideneinschlags und die damit verbundenen Mega-Erdbeben die Lavaströme der Erde verändert und zu diesem Prozess geführt. Anschließend dauerte es Jahrhunderttausende, bis sich die vulkanische Aktivität wieder beruhigte. Dies ist im Einklang mit Hinweisen, dass sich das Leben auf der Erde erst etwa 500.000 Jahre später wieder zu erholen begann. Das Requiem zum Ende der Dinos begann demnach mit einem Paukenschlag gefolgt von einem anhaltenden Todes-Tremolo.

Entfachte der Einschlag das Höllenfeuer?

„Unsere Daten können bisher zwar nicht beweisen, dass die Auswirkungen des Einschlags diese Effekte hervorgerufen haben, aber die Verbindung scheint deutlich", so Renne. Er und seine Kollegen wollen ihre Argumentationen nun noch weiter untermauern. Dazu sind  zusätzliche Untersuchungen in Indien geplant. Außerdem arbeiten die Forscher mit Vulkanologen zusammen, um der Frage genauer nachzugehen, wie sich der Asteroideneinschlag auf den irdischen Vulkanismus ausgewirkt haben könnte.

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