Exkremente-Mangel macht der Welt zu schaffen

Credit: Renate G.E. Hellmiss

Seit dem Ende der Eiszeit ging es bergab mit den Giganten sowie den großen Tierpopulationen: Mammut und Co verschwanden ganz, später dezimierte der Mensch dann die Wal-Bestände und schließlich auch die Fisch- und Vogelpopulationen. Ein internationales Forscherteam belegt nun, dass sich dieser Schwund drastisch auf den Nährstoffkreislauf und die Fruchtbarkeit der Erde auswirkt. Der Schlüsselfaktor dabei: Die weiträumige Düngerverteilung durch die Hinterlassenschaften der Tiere ist eingebrochen, sagen die Wissenschaftler.

Ein 200 Tonnen schwerer Blauwal frisst sich in den Tiefen der Ozeane den Bauch voll – seine gigantischen „Geschäftchen" macht er allerdings nahe der Oberfläche. Dieses Beispiel verdeutlicht eindrucksvoll den Effekt der Umverteilung von Nährstoffen durch Tiere. Doch wie groß ist die Bedeutung dieses Faktors tatsächlich? Dieser Frage sind die Forscher um Christopher Doughty von der University of Oxford gezielt nachgegangen. „Bisher wurde größeren Tieren keine große Rolle im globalen Nährstoffkreislauf zugesprochen", sagt Doughty. Mikrobielle und geologische Freisetzungsprozesse galten als ausschlaggebend. Die Forscher konnten nun allerdings belegen, dass die Tierpopulationen wie eine gigantische Verteilerpumpe wirken: Sie transportieren ihre nährstoffreichen Fäkalien in einem erheblichen Maße zu teils entlegenen Orten, die sonst weniger produktiv wären – im Meer wie auch auf den Kontinenten.

Es hapert an der Düngerverteilung

Die Schlussfolgerungen basieren auf Auswertungen von Daten über heutige Tierpopulationen, deren Ausscheidungsmengen sowie über die Größen einstiger Tierbestände. Mit diesen Informationen entwickelten die Wissenschaftler mathematische Modelle, die den Effekt der Exkremente-Verteilung simulieren. Das Schlüsselelement in den Geschäftchen ist den Forschern zufolge Phosphor – ein zentraler Mangelnährstoff beim Pflanzenwachstum. Unterm Strich kamen sie zu dem Ergebnis: Die Leistung der tiergetriebenen Nährstoff-Pumpen im Meer und auf dem Land ist im Vergleich zu früheren Zeiten auf sechs Prozent gesunken.

An konkreten Beispielen wird dies deutlich: Vor der industriellen Jagd auf Wale und andere Meeressäuger, beförderten die Tiere jährlich ungefähr 375 Millionen Kilogramm Phosphor aus den Tiefen in die Oberflächengewässer. Nun sind es nur noch etwa 83 Millionen Kilogramm, entsprechend geringer ist die Düngewirkung auf die Grundlage der Nahrungskette in den Ozeanen – die Algen. Ähnliche Effekte sind bei den schwindenden Vogel- und Fischpopulationen zu verzeichnen, von denen einige in erheblichem Maße Nährstoffe aus dem Meer aufs Land tragen: Beispielsweise die Lachse, die im Meer leben aber zum Laichen weit in die Flusssysteme hinauf schwimmen, wo sie schließlich sterben und ihre Biomasse hinterlassen. Einst beförderten diese Tierarten etwa 150 Millionen Kilogramm Phosphor, ergaben die Berechnungen. Die heutigen durch Lebensraumzerstörung und Überfischung dezimierten Restbestände erreichen nur noch etwa vier Prozent dieser früheren Transportleistung.

Wiederherstellung der Tierbestände könnte helfen

Auf die Landmassen bezogen, ist die Verteilungsleistung den Ergebnissen zufolge auf acht Prozent ihrer Kapazität zurückgegangen, die sie noch zu Zeiten der sogenannten Megafauna am Ende der Eiszeit besaß. 150 Tierarten wie das Mammut, das Riesenfaultier oder das Wollnashorn verschwanden und mit ihnen ihr Kot, durch den sie Nährstoffe von A nach B verlagerten. Auch beim Aussterben der Megafauna hatte wohl schon der Mensch die Hand im Spiel. Später mussten dann beispielsweise auch die gewaltigen Bisonherden Nordamerikas dran glauben.

Unterm Strich scheint die Welt nun ausgesprochen schlecht gedüngt zu werden, vor allem was den Phosphor betrifft. „Die leicht zugängliche Phosphatversorgung könnte in weniger als 50 Jahren auslaufen", sagt Doughty. „Das Wiederherstellen von Tierpopulationen könnte nun dazu beitragen, wieder mehr Phosphor vom Meer aufs Land zu bringen, um die schwindenden globalen Vorräte aufzustocken", so der Forscher. Auch die Walbestände in den Ozeanen wieder aufzubauen, könnte sich beispielsweise lohnen, sagen die Forscher: Letztlich könnte dies die Fähigkeit der Meere steigern, das Treibhausgas Kohlendioxid aufzunehmen.

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