Klimawandel bedroht die Wirtschafts-Netzwerke

Diese Grafik verdeutlicht die internationalen Verknüpfungen der Weltwirtschaft. (Credit: PIK/zeean.net)

Eine Hitzewelle lähmt die Arbeiter in Asien – doch am anderen Ende der Welt wartet man auf deren Produkte: Am Beispiel der Leistungsminderung von Arbeitskräften durch Extremtemperaturen verdeutlicht eine aktuelle Analyse die Gefahren der stark gewachsenen Vernetzung der globalen Lieferbeziehungen: Produktionseinbußen können sich verstärken, weil sich die Verluste über die Ländergrenzen hinweg fortpflanzen.

Der Zusammenhang von Weltwirtschaft und möglichen Folgen des Klimawandels wird an spektakulären Beispielen besonders deutlich: Als der Taifun Haiyan auf den Philippinen mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion von Kokosnussöl vernichtete, wurde eines der wichtigsten Fette der weltweiten Lebensmittelindustrie knapp. Ähnlich global wirkte sich beispielsweise die Flut im australischen Queensland im Jahr 2011 aus: Sie blockierte wochenlang die viertgrößte Kohleabbaustätte der Welt, mit weitreichenden ökonomischen Folgen.

Hitzewellen können die Weltwirtschaft ausbremsen

Die Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Columbia University in New York konzentrierte sich nun hingegen auf vergleichsweise subtile Störungen mit globalen Folgen: Die möglichen Effekte durch Extremtemperaturen, die zu Hitzestress bei Arbeitskräften führen. Frühere Studien belegen, dass hohe Temperaturen einen Rückgang der Produktivität verursachen können.

Für ihr Untersuchung erfassten die Forscher die globalen Handelsflüsse zwischen 26 Industriesektoren – von Bergbau und Rohstoff-Gewinnung über Textil- und Bekleidungsgewerbe, Post und Telekommunikation, bis hin zu Verbrauchernachfrage in 186 Ländern. Anschließend führten sie Computersimulationen mit Daten zu Temperaturen, Bevölkerung und dem globalen Wirtschaftsnetzwerk von 1991 bis 2011 durch.

Anfälligkeit hat stark zugenommen

Den Ergebnissen zufolge hat sich die Anfälligkeit des globalen Wirtschaftsnetzwerkes für Hitzestress im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt. "Unsere Studie zeigt, dass sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts die Struktur unseres ökonomischen Systems derart verändert hat, dass Produktionsverluste an einem Ort leicht weitere Verluste an anderen Orten zur Folge haben können", sagt Leonie Wenz vom PIK. Die Produktion ist weltweit intensiv miteinander verflochten. "Was für uns heute selbstverständlich wirkt, hat sich tatsächlich erst in den vergangenen 15 Jahren entwickelt", erklärt die Wissenschaftlerin.

Den Forschern zufolge unterstreichen die Ergebnisse, wie Klimaschäden nicht nur die Umwelt belasten, sondern auch Gesellschaft und Wirtschaft. "Bei ungebremstem Klimawandel wird die Zunahme von Wetterextremen starke Auswirkungen auf die natürlichen und gesellschaftlichen Systeme haben", sagt Co-Autor Anders Levermann von der Columbia University. "Um die Kosten zukünftigen Klimawandels abschätzen zu können, müssen die globalen ökonomischen Folgen häufigerer Hitzewellen und meteorologischer Ereignisse wie Fluten und tropischer Stürme mit einbezogen werden – und es muss ihre Beziehung zu ökonomischen Netzwerken verstanden werden".

Den Forschern zufolge sind diese Informationen wichtig, um angemessene Anpassungsmaßnahmen planen und umsetzen zu können. "In einer wärmer werdenden Welt mit heftigeren Wetterereignissen muss wahrscheinlich auch die Gesellschaft flexibler und belastbarer werden", so Levermann.

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