Eis-Negativ-Rekorde an beiden Polen

Blick auf das arktische Meereis am 7. März 2017 (Bild: NASA Goddard's Scientific Visualization Studio/L. Perkins)

Klein wie nie zuvor: Die Meereisfläche im Norden der Erde hat in diesem Winter erneut die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satelliten-Aufzeichnungen erreicht. Parallel dazu kam es zu einer Rekord-Schmelze im Süden, berichtet die amerikanische Weltraumbehörde NASA.

Jedes Jahr breitet sich das arktische Meereis des Nordens ab Herbst aus, bis es durch die milderen Temperaturen im Frühling wieder schrumpft. Dieser Wendezeitpunkt war in diesem Jahr der 7. März: Die Maximal-Eisfläche bedeckte zu diesem Zeitpunkt 14,42 Millionen Quadratkilometer. Damit erreichte sie die kleinste winterliche Ausdehnung seit Beginn der Satelliten-Aufzeichnungen im Jahr 1979, berichtet die NASA. Der Rekordbruch liegt eindeutig im Trend: In den vergangen Jahren kam es bereits immer wieder zu Minimalrekorden. Seit Beginn der Aufzeichnungen ist die maximale Meereis-Ausdehnung um durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahrzehnt gesunken.

Nördlicher Eis-Schwund im Trend

Für das besonders schwache Wachstum des Eises in dieser Saison war den Experten zufolge eine Kombination von überdurchschnittlich hohen Temperaturen, ungünstigen Winden und Stürmen verantwortlich. "Es ging mit einem sehr gringen September-Minimum los", sagt Walt Meier vom NASA Goddard Space Flight Center in Greenbelt. "Es gab viel offenes Ozeanwasser und sehr langsames Eis-Wachstum Ende Oktober und im November. Die gespeicherte Wärme musste erst abgebaut werden, bevor das Eis wachsen konnte. Die Eisbildung hatte dadurch einen verzögerten Start", erklärt der Meereseis-Experte.

Im gleichen Zeitraum ist die Entwicklung im Süden der Erde jedes Jahr umgekehrt: Während unseres Winterhalbjahrs herrscht dort Sommer und das Meereis zieht sich zurück. In diesem Jahr schrumpfte das Meereis um die Antarktis am 3. März auf den Minimalwert von 2,11 Millionen Quadratkilometer. Dies waren etwa 184.000 Quadratkilometer weniger als beim bisherigen Rekord-Niedrigstand von 1997. Es handelte sich um das Resultat eines sehr schnellen Eisverlustes, der im September 2016 begann, berichtet die NASA. Seit November war die tägliche antarktische Meereis-Ausdehnung kontinuierlich auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Satelliten-Aufzeichnungen.

Überraschend starke Schmelze im Süden

Im Gegensatz zum Norden läuft die Entwicklung im Süden nun damit dem bisherigen Trend entgegen: Der aktuelle Mnimalrekord kommt nur zwei Jahre nach mehreren monatlichen Rekordhochs bei der Meereisausdehnung in der Antarktis und nach Jahrzehnten eines moderaten Meereiswachstums. Beginnt der Klimawandel demnach nun doch auch am Süd-Eis zu nagen?

Meier zufolge ist es zu früh, um zu sagen, ob dieses Jahr tatsächlich eine Verschiebung im Verhalten des antarktischen Meereis markiert. "Es ist verlockend anzunehmen, dass der diesjährige Minimalrekord bedeutet, dass die globale Erwärmung nun auch das antarktische Meereis verringern wird", sagt Meier. "Es könnte sich jedoch auch bloß um einen Extremfall bei der Jahr-zu-Jahr-Variabilität handeln. Wir müssen nun die Daten der kommenden Jahre abwarten, um sagen zu können, ob tatsächlich eine signifikante Veränderung im Trend vorliegt", so der Wissenschaftler.

 

Am 7. März 2017 erreichte die maximale Ausdehnung des arktischen Meereises ein Rekordtief. Das antarktische Meereis brach widerum am 3. März einen Rekord bei seinem jährlichen Mindestmaß. (Video Credits: NASAs Goddard Space Flight Center)

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