Korallenbleiche: Alarmierender Trend

Diese Korallen hat die Bleiche dahingerafft. (Foto: Andreas Dietzel)

Das Fenster zur Rettung der Korallenriffe der Welt schließt sich, warnen Forscher. Seit den 1980er Jahren hat die Häufigkeit der Korallenbleichen drastisch zugenommen, dokumentiert ihre Studie: Diese Folge der globalen Erwärmung sucht die Riffe der Welt nun fünfmal häufiger heim als zuvor. Die zukünftige Existenz dieser zentral wichtigen Ökosysteme und damit auch die Lebensgrundlage von vielen Millionen Menschen ist durch diesen Trend akut bedroht, sagen die Forscher.

Korallenriffe gehören zu den größten Strukturen, die Lebewesen auf der Erde geschaffen haben. Ihre Baumeister sind indes winzig: Die bizarren Kalkgerüste sind das Werk von Myriaden kleiner Korallenpolypen, die in Röhren auf der Oberfläche der Korallenäste sitzen und mit feinen Ärmchen Plankton fangen. Viele Korallenarten, die in der Nähe der Wasseroberfläche leben, ernähren sich aber zusätzlich durch eine Partnerschaft mit Algen: Die Einzeller leben im Körper der Nesseltiere und gewinnen dort aus Sonnenlicht Energie. Von den gebildeten Kohlenstoffverbindungen geben sie den Polypen etwas ab und bekommen von ihnen im Gegenzug alles andere, was sie zum Leben benötigen – es handelt sich um eine Symbiose.

Warmes Wasser lässt Korallengärten welken

In der Korallenbleiche spiegelt sich die Zerstörung dieser wichtigen Partnerschaft wider: Die Algen verlassen bei diesem Phänomen zunehmend die Korallenpolypen, bis diese schließlich absterben. "Die Korallenbleiche ist eine Stressreaktion, die dadurch verursacht wird, dass Korallenriffe erhöhten Meerestemperaturen ausgesetzt sind", erklärt Co-Autor Andrew Baird vom ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies (Coral CoE) in Douglas, Australien. "Wenn die Bleiche stark und lang anhaltend ist, sterben viele Korallen schließlich ab. Es dauert dann mindestens ein Jahrzehnt, um selbst die am schnellsten wachsenden Arten zu ersetzen", sagt der Wissenschaftler.

Schon lange warnen Forscher, dass dieser Effekt des Klimawandels die Korralenbestände der Erde bedroht. Sie leiden vor allem, wenn zu den erhöhten Wassertemperaturen das natürliche Phänomen El-Niño hinzukommt, bei dem sich Teile des Pazifiks besonders stark erwärmen. Baird und seine Kollegen haben das Ausmaß der Zunahme der Bleicheereignisse in den letzten vierzig Jahren nun erstmals gezielt erfasst. Sie werteten dazu Daten von Bleichen in 100 tropischen Korallenriffen auf der ganzen Welt aus, die sich zwischen 1980 und 2016 ereignet haben.

Erschreckender Häufungs-Trend

Es zeichnete sich ab: Das Risiko von Bleicheereignisse - insbesondere von schweren Fällen - ist seit 1980 jedes Jahr um vier Prozent gestiegen. "Die Zeit zwischen dem Auftreten an jedem der untersuchten Standorte hat sich in den letzten drei bis vier Jahrzehnten drastisch verringert", resümiert Co-Autor Terry Hughes vom Coral CoE. "Vor den 1980er Jahren war das massenhafte Bleichen von Korallen unbekannt, selbst unter starken El-Niño-Bedingungen, aber jetzt sind wiederholte Bleichefälle und Massensterben von Korallen auf der ganzen Welt zur neuen Norm geworden, da die Temperaturen weiter steigen", so der Forscher.

Besonders klar zeichnet sich der Trend beim berühmten Great Barrier Reef vor Australien ab, sagen die Wissenschaftler. Seit 1998 haben Temperaturspitzen dort vier Mal zu einer ausgeprägten Bleiche geführt und kürzlich sogar in zwei aufeinanderfolgenden Jahren: 2016 und 2017 haben beispiellose Schäden im Great Barrier Reef hinterlassen. "Die Riffe sind in den Bann der vom Menschen dominierten Epoche geraten - des Anthropozäns", sagt Co-Autor Mark Eakin von der National Oceanic & Atmospheric Administration, USA.

Die Ursache des Trends - die starke Zunahme der Wassertemperaturen in den Korallenriffen - verdeutlichen Vergleichswerte aus der Studie besonders eindrucksvoll: Die Forscher konnten dokumentieren, dass die Wassertemperaturen im Oberflächenbereich der tropischen Meere heutzutage während der kühlen La Niña-Bedingungen höher liegen als vor drei Jahrzehnten bei den warmen El-Niño-Ereignissen. Ein drastischer Befund, denn bei La Niña handelt es sich eigentlich um das kalte Gegenstück zu El Niño.

Wie sie betonen, möchten die Forscher mit ihrer Studie den Ernst der Lage verdeutlichen und erneut nachdrücklich zum Handeln aufrufen: "Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse letztlich dazu beitragen, die Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase überall auf der Welt voranzutreiben", resümiert Hughes.

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