Das Ozonloch schließt sich - und nun?

Modellwiedergabe des Ozonlochs (Illustration: P.A. Newman/NASA)
Modellwiedergabe des Ozonlochs (Illustration: P.A. Newman/NASA)

"Das von Menschen gemachte FCKW-Problem ist gelöst, diese Gefahr ist definitiv gebannt." Mit diesen Worten zitiert die FAZ am 13. August 2014 einen Geophysiker des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Er hat an einem Bericht mitgearbeitet, den die Weltorganisation für Meteorologie im September vorlegen will. Darin wird zu lesen sein, dass das Ozonloch bald verschwunden sein wird. Ein erstaunliches Ergebnis, bei dem Freude aufkommen kann. Hoffentlich wird sie zu spüren sein.

Zur Erinnerung: Im Jahre 1974 haben amerikanische und mexikanische Chemiker in dem britischen Fachblatt "Nature" Beobachtungen veröffentlicht, für die sie später mit Nobelpreiswürden ausgezeichnet wurden: Chemische Verbindungen mit Namen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) tummeln sich in der Atmosphäre und brechen dort Ozonmoleküle auf, die aus drei Sauerstoffatomen bestehen. Das klang zunächst nach einer dieser vielen belanglosen Meldungen aus den Räumen der Wissenschaft - ohne Nachrichtenwert für die Lokalzeitungen. Bis noch erklärt wurde, dass es oben am Himmel eine Schicht mit Ozonmolekülen gibt, auf die niemand verzichten kann. Sie ist eine Art Schutzschild für das Leben auf der Erde und hält zum Beispiel viele Strahlen aus dem Kosmos ab, die bei Menschen zu Hautkrebs führen und bei Pflanzen den gesamten Stoffwechsel durcheinanderbringen können.

Mit dieser Entdeckung der frühen 1970er Jahre, die etwa zeitgleich mit der Gentechnik aufkam, gab es plötzlich eine Bruchstelle am Himmel, die den einprägsamen Namen Ozonloch erhielt. Die Menschen waren verunsichert. 1992 gaben die Bundesbürger zu Protokoll, dass ihnen das Ozonloch die größten Umweltsorgen bereite. Als 1994 führende 68-Aktivisten auf die Erlebnisse ihrer Zeit zurückblickten, sprachen sie von der "letzten Revolution, die noch nichts vom Ozonloch wusste". Vielleicht hätten sie vorsichtiger mit Spraydosen hantiert, wenn sie geahnt hätten, dass aus ihnen viele FCKWs freigesetzt wurden.

Warum die Katastrophe ausblieb

Wie dem auch sei - die Angst vor dem Ozonloch ging um, und in den 1990er Jahren zeigten Messungen, dass das Loch auf die Größe der Antarktis angewachsen war. Nun rechnete man endgültig "mit Millionen von zusätzlichen Toten", wie es das in Washington angesiedelte Worldwatch Institute vorhersagte. Schon Hölderlin meinte: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Denn nur zwei Jahre nach der Entdeckung des Ozonlochs hatten sich mehr als 40 Staaten darauf verständigt, auf FCKW und andere ozonschädigende Gase zu verzichten.

1989 trat das Montreal-Protokoll in Kraft. Seitdem ist das Ozonloch nach und nach aus dem Bewusstsein vieler Menschen verschwunden. Das ist ziemlich schade, weil sich an diesem Beispiel erkennen lässt, wie es Staaten und ihren Bürgern gelingen kann, ihr Verhalten so zu ändern, damit die Umwelt intakt bleibt. Leider ist diese Geschichte eines erstaunlichen Erfolgs "nicht in den Köpfen angekommen", wie die FAZ bedauert. Sie ist offenbar nicht in allen Köpfen angekommen. Denn den "Abschied vom Ozonloch" feiert die Zeitung weder auf ihrer Wissenschaftsseite noch im Feuilleton. Sie feiert ihn im Wirtschaftsressort. Jetzt darf man nur hoffen, dass die Kulturexperten den Erfolg nicht kleinreden und den Menschen weiter Angst machen. Oder können sie sich auch freuen?

 

Ernst Peter Fischer

ist Physiker, Biologe und habilitierter Wissenschaftshistoriker. Er hat mehr als 50 Bücher geschrieben - neben Biographien und Firmengeschichten über Themen, die von Atomphysik bis zu Hirnforschung reichen. "Die andere Bildung" hat eine Auflage von mehr als 100.000 erreicht und ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. 2014 erscheint sein Buch "Die Verzauberung der Welt". Darin beschreibt Fischer, wie und warum naturwissenschaftliche Erklärungen die Geheimnisse der Natur nicht aufheben, sondern erst vertiefen.

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