Warum sich die Klimaerwärmung verlangsamt hat

Grafik verdeutlicht die Ergebnisse der Studie. Credit: K. Tung / Univ. of Washington

Erst hielt man es für eine Ausnahmeerscheinung, dann zeichnete sich ein Trend ab: In den letzten 15 Jahren sind die globalen Temperaturen deutlich weniger gestiegen, als am Ende des 20. Jahrhunderts. Doch warum? Nun präsentieren Klimaforscher eine stichhaltige Erklärung: Ihren Daten zufolge hat ein natürlicher Prozess eingesetzt, der warmes Oberflächenwasser in tiefe Meeresschichten absinken lässt. Dadurch wird Energie, die sonst die globale Erwärmung anfachen würde in den Meeresbecken abgespeichert. Doch vermutlich wird dieser Effekt nur noch etwa 15 Jahre anhalten, sagen die Forscher. Danach wird die Erwärmung wohl leider wieder Fahrt aufnehmen.

Mehr als ein Dutzend Theorien haben Klimaforscher bereits als mögliche Ursache für die eigenartige Verlangsamung der Klimaerwärmung vorgeschlagen. Die Luftverschmutzung, Vulkanausbrüche oder Sonnenflecken könnten den Treibhauseffekt beispielsweise bremsen, wurde spekuliert. Auch die Wärmespeicherung in den Ozeanen galt bereits als möglicher Grund. Dies konnten die Forscher um Ka-Kit Tung von der University of Washington in Seattle nun durch Daten untermauern. Doch ihren Ergebnissen zufolge tritt der Effekt nicht im Pazifik auf, wie vermutet wurde, sondern vor allem im Atlantik und den südlichen Meeren.

Die Ergebnisse der Forscher basieren auf Daten von Messinstrumenten, die Wassereigenschaften bis zu einer Tiefe von 2.000 Metern erfassen können. Die Auswertungen zeigen, dass seit etwa 1999 vermehrt warmes Wasser in die Meerestiefen absinkt. Dieser Prozess setzte also genau zu der Zeit ein, als die globale Erwärmung sich abzuschwächen begann. Der Effekt entsteht durch die Zunahme des Salzgehaltes im Oberflächenwasser, wodurch dieses schwerer wird, sagen die Forscher. „Wenn sich schweres Oberflächenwasser über leichteren Schichten befindet, taucht es ab und nimmt die Wärme mit nach unten", erklärt Tung. Aktuelle Daten passen zu diesem Szenario: Das Oberflächenwasser im Nordatlantik besitzt momentan Rekord-Salzgehalte.

Natürlicher 30-Jahres-Zyklus

Den Forschern zufolge handelt es sich bei dem Prozess um einen natürlichen Zyklus, dessen Phasen jeweils etwa 30 Jahre andauern. Dies konnten sie durch historische Daten untermauern. Demzufolge gibt es bereits seit Jahrtausenden einen ungefähren Rhythmus von 30 Jahren mit vergleichsweise warmen, gefolgt von 30 Jahren mit kühleren Klimabedingungen. Die letzte kühle Phase herrschte demnach ungefähr von 1945 bis 1975. Danach kam die Warmzeit, die durch den Effekt der globalen Erwärmung verstärkt wurde. Nun folgt also wieder eine kühlere Phase, wodurch die Temperaturen nicht mehr so stark ansteigen wie in den 30 Jahren zuvor.

Diese Erklärung impliziert, dass die aktuelle Verlangsamung der Temperaturzunahme vielleicht noch etwa 15 Jahre anhalten wird. Wenn dann allerdings der Prozess der Wärmespeicherung in den Ozeanen wieder stoppt, wird die globale Erwärmung durch die hohen Konzentrationen an Treibhausgasen in der Atmosphäre wieder Fahrt aufnehmen. Doch den Forschern zufolge haben sich die Bedingungen inzwischen so stark verändert, dass es schwer vorauszusagen ist, was genau passieren wird. Beispielsweise hat die Eisschmelze im hohen Norden dem arktischen Ozean enorme Mengen Süßwasser beschert. Wenn dieses vergleichsweise salzarme Wasser nun zunehmend in den Nordatlantik gelangt, könnte das den natürlichen Rhythmus der Wasserbewegungen durcheinander bringen. „Wir können einfach nicht mehr von normalen Bedingungen ausgehen, denn durch den Klimawandel haben sich so viele Parameter verändert", resümiert Tung.

 

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