Verlagerter Eisrand schwächt den Golfstrom

Diese Satellitenaufnahme zeigt lineare Wolkenstrukturen über dem Meer bei Grönland und Island. Die Formationen entstehen durch die Abgabe von Wärme und Feuchtigkeit durch das Meer. Credit: Courtesy of GWK Moore

Wie eine gigantische Warmwasserheizung sorgt der Golfstrom für mildes Klima in Europa. Doch dieses System ist durch den Klimawandel bedroht, warnen Experten bereits seit langem. Neben dem vermehrten Zustrom von Süßwasser durch die Eisschmelze, könnte ein weiterer Effekt die segensreiche Strömung verlangsamen, berichten nun Forscher: Durch den Rückzug des Eises bildet sich immer weniger Kaltwasser im Meer um Grönland und Island, was die Umwälzpumpe im Atlantik ebenfalls schwächt.

Das gigantische Strömungssystem im Atlantik wird von Unterschieden in der Dichte des Meerwassers angetrieben: Von Süden fließt das warme und daher leichte Wasser an der Oberfläche bis in den Nordatlantik. Hier gibt es Wärme und Feuchtigkeit an die Luft ab und beschert dadurch Europa günstige Klimabedingungen. Durch die Abkühlung und die damit verbundene Zunahme an Dichte, beginnt das Wasser schließlich abzusinken. Es fließt dann in der Tiefe zurück in den Süden, wo es letztlich wieder an die Oberfläche kommt, um den Zyklus zu schließen.

Der Golfstrom braucht einen kalten Nordatlantik

Bisherige Studien haben sich vor allem mit dem kritischen Effekt des wachsenden Zustroms von Süßwasser durch die Eisschmelze im Norden beschäftigt. Es senkt den Salzgehalt des Meerwassers – seine Dichte sinkt dadurch und so sinkt es langsamer in die Tiefe. Die Forscher um Kent Moore von der University of Toronto haben nun hingegen erstmals erfasst, welche Effekte die Veränderungen beim Luft-See-Wärmeaustausch auf die ozeanische Zirkulation haben. Sie konzentrierten sich dabei auf die wichtigen Regionen in den isländischen und grönländischen Meeren. Ihre Ergebnisse basieren auf der Auswertung von Daten aus den Jahren 1958 bis 2014 des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) und Modellsimulationen.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis: Die durchschnittliche Wärmeabgabe des Meeres im Winter hat seit 1959 um ungefähr 20 Prozent abgenommen. Ihnen zufolge liegt dies daran, dass sich der Rand des winterlichen Meereises deutlich verlagert hat, denn hier findet besonders viel Wärmeaustausch statt: Der Eisrand hat sich seit 1959 immer mehr aus dem Bereich zurückgezogen, in dem das Wasser besonders effektiv absinkt. Das führte zu einer zunehmenden Verringerung der Abkühlung an diesen Stellen und damit zu einem langsameren Absinken des Wassers. Einer im März dieses Jahres veröffentlichten Studie zufolge gibt es auch bereits Hinweise darauf, dass der Golfstrom in den letzten Jahrzehnten tatsächlich an Kraft verloren hat.

Die globale Erwärmung könnte Europa kalt machen

„Wir glauben, dass die Abschwächung sich fortsetzen wird und schließlich zu Veränderungen in der Ozeanzirkulation im Atlantik und des Golfstroms führen wird, der das Klima in Europa maßgeblich bestimmt", sagt Moore. „Ein warmes Westeuropa erfordert einen kalten Nordatlantik", betont der Wissenschaftler, „und die Erwärmung, die wir momentan im Nordatlantik verzeichnen, hat das Potenzial, eine Abkühlung auf dem Kontinent zu verursachen".

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