Eine verheerende Krabben-Invasion droht

Credit: Image courtesy of Allison Randolph

Das antarktische Küstenflachmeer ist akut von klauenbewaffneten Horden bedroht, warnen Meeresforscher. Bisher hielt eine Temperaturgrenze die Königskrabben im milden Tiefenwasser zurück. Doch durch die Erwärmung des antarktischen Schelfs im Rahmen des Klimawandels könnte diese Barriere nun bald fallen. Die Forscher haben eine Königskrabben-Population bedenklich nah an dieser Grenze entdeckt. Jenseits wartet ein Schlaraffenland auf die gefräßigen Krustentiere, denn die Lebewesen des Küstenflachmeers sind ihnen schutzlos ausgeliefert.

Das Reich der Königskrabben ist bislang die Tiefsee rund um den antarktischen Kontinentalsockel. Auf den erhöhten Bereich kommen die großen Krustentiere nicht, weil es ihnen dort zu kalt ist, denn im Bereich um die Antarktis ist das Wasser in Oberflächennähe deutlich kühler als in der Tiefe. Doch auch auf dem kalten Schelf floriert Leben: Hier hat sich eine einzigartige Gemeinschaft von Lebewesen entwickelt. An die Krabben, die sogar die Schalen von Meerestieren aufbrechen können, mussten sich diese Lebewesen bisher nicht anpassen. Nun könnten sie eines Tages doch mit ihnen konfrontiert sein, befürchten die Forscher um Richard Aronson vom Florida Institute of Technology in Melbourne (USA). "Wenn die Krebse dort einziehen, könnten sie das Ökosystem radikal umstrukturieren", sagt Aronson.

Bereits weit vorgerückt

Er und seine Kollegen haben Hinweise darauf gefunden, dass dies bald passieren könnte. Im antarktischen Sommer 2010/11 entdeckten sie durch Aufnahmen von Unterwasserkameras eine Kolonie von Königskrabben der Art Paralomis birsteini auf dem Kontinentalhang vor Marguerite Bay an der westlichen Küste der Antarktis. Das Gebiet ist nur ein paar hundert Meter tiefer als der Festlandsockel, wo sich das bedrohte Ökosystem befindet. Die Forscher entdeckten Hinweise darauf, dass es sich um eine Population der Krustentiere handelt, die nicht nur dorthin gewandert ist, sondern sich in diesem Bereich auch bereits vermehrt.

Aronson und seinen Kollegen zufolge steht vermutlich nichts außer der Temperatur den potenziellen Invasoren im Wege. Bei der Westantarktis handelt es sich um ein Gebiet der Erde, das am intensivsten von der Erwärmung betroffen ist. Es sei gut möglich, dass es die Krabben nun bereits in den nächsten paar Jahrzehnten auf das Kontinentalschelf schaffen, befürchten die Forscher.

Sie betonen, das ihre Studie bisher nicht beweisen kann, dass sich die Krabben tatsächlich ins Flachwasser ausbreiten werden. "Der einzige Weg, die Hypothese zu bestätigen, ist nun eine langfristige Beobachtung ihrer Bewegungen", sagt Co-Autor James McClintock von der University of Alabama in Birmingham. Wenn eintritt, was die Forscher befürchten, droht der Verlust des Schelf-Ökosystems um die Antarktis. Das Resultat wäre eine biologische Homogenisierung, sagen sie: Das einzigartige Ökosystem würde vermutlich verschwinden und sich den Lebensgemeinschaften anderer vergleichbarer Regionen angleichen.

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