Dürreprognose für das Horn von Afrika

Credit: Wikipedia, gemeinfrei

Das Horn von Afrika wird durch die Klimaerwärmung künftig immer trockener werden. Insbesondere im Osten der Region wird vor allem während der wichtigen Regenzeit zwischen März und Mai zunehmend weniger Niederschlag fallen, so das Ergebnis einer aktuellen Prognose von Geowissenschaftlern. Die Forscher widersprechen damit globalen Klimamodellen und warnen: Der ohnehin konfliktgebeutelten Region drohten in Zukunft vermehrt Dürren und Hungersnöte.

In den vergangenen 30 Jahren kam es am Horn von Afrika immer wieder zu extremen Trockenperioden. Oft blieb in der Hauptregenzeit der lang ersehnte Niderschlag aus. Zuletzt verursachte eine solche Dürre im Jahr 2011 eine schwere Hungerkrise, unter anderem in Somalia, Äthiopien und Dschibuti waren die Menschen auf humanitäre Unterstützung und Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Solche Katastrophen könnten dem charakteristisch geformten Gebiet Ost-Afrikas in Zukunft noch öfter drohen, warnt nun ein Forscherteam um die Geowissenschaftlerin Jessica Tierney von der Arizona University in Tucson.

Schuld an den Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit ist den Wissenschaftlern zufolge die Klimaerwärmung. Und mit zunehmender regionaler und globaler Erwärmung werde die lange Hauptregenzeit immer weniger Niederschlag bringen, so die Prognose. Damit widerspricht das Team gängigen globalen Klimavorhersagen. Diese gehen davon aus, dass es künftig eher zu einer Zunahme von Niederschlägen in der Region kommen wird.

Klimamodelle in der Kritik

Doch diese Vorhersagen sind laut Tierney und ihren Kollegen auf Basis dürftiger Daten entstanden. Denn erstens überschätzten sie den Einfluss vermehrter Regenfälle in der sogenannten kurzen Regenzeit. Zweitens blickten sie nicht weit genug in die Vergangenheit: „Um zu beurteilen, ob dieser Dürretrend ungewöhnlich, also womöglich menschengemacht ist, brauchen wir Informationen über das Klima vor den ersten verfügbaren Aufzeichnungen", schreiben die Forscher im Fachmagazin Science Advances.

Uraltes Meeressediment aus dem Golf von Aden zwischen dem Horn von Afrika und der Arabischen Halbinsel hat dem Team diese Informationen schließlich geliefert. Chemische Spuren von Organismen in den einzelnen Sedimentschichten verrieten den Forschern, wie warm und trocken es zu früheren Zeiten im östlichen Teil des Horn von Afrikas war. Zu diesem Gebiet gehören die Länder Somalia, Dschibuti und der Osten Äthiopiens.

Zeitreise durchs Sediment

Temperaturen rekonstruierten die Wissenschaftler mithilfe von Überresten mariner Einzeller, sogenannter Archaeen, die die chemische Zusammensetzung ihrer Zellmembran abhängig von der Wassertemperatur ändern. Hinweise auf die Trockenheit gaben dagegen Fettsäuren von dem wachsartigen Überzug, der auf der Oberfläche von Pflanzenblättern vorkommt. Diese landen im Sediment, wenn sie durch den Wind ins Meer getragen werden. Ihr Wachs enthält  bei trockenen Bedingungen mehr sogenannten schweren Wasserstoff, in der Fachsprache Deuterium genannt.

Die einzelnen Sedimentschichten der verwendeten Probe sind so gut erhalten, dass die Wissenschaftler Jahrzehnt für Jahrzehnt in der Zeit zurückreisen konnten – die älteste Schicht ist 40.000 Jahre alt.

Untypischer Dürretrend

Die Analysen der Schichten zeigen: Das Horn von Afrika ist in der jüngeren Vergangenheit immer trockener geworden – und zwar parallel zur  steigenden Erderwärmung. Die Rate, mit der die Trockenheit insbesondere im 20. Jahrhundert zugenommen hat, ist den Forschern zufolge im Kontext der letzten 2.000 Jahre untypisch und demnach wahrscheinlich menschengemacht. Die Sedimentschichten deuten zudem darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzen wird: „In den vergangenen 2.000 Jahren wurde es am Horn von Afrika immer dann trockener, wenn das Klima warm war, und nasser, wenn das Klima kälter war", sagt Studienautorin Tierney.

Selbst wenn – wie globale Klimamodelle prophezeien – die kurze Regenzeit in Zukunft niederschlagsreicher werde, könne das nicht die zunehmende Trockenheit in der Hauptregenzeit zwischen März und Mai kompensieren, die das Team prognostiziert. Gerade die ist jedoch für die Landwirtschaft der Region von großer Bedeutung. Die Forscher betonen, es brauche dringend adäquate regionale Klimasimulationen, um den Einfluss der Erderwärmung auf subtropische, aride Regionen besser abschätzen zu können.

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