Wie die Tyrannosaurier zu Königen wurden

Künstlerische Darstellung des neu entdeckten Vertreters der Tyrannosaurier Timurlengia euotica. Credit: Original painting by Todd Marshall.

Über zwölf Meter lang, bis zu sieben Tonnen schwer und mit biologischer Spitzentechnik ausgerüstet: Der gigantische Tyrannosaurus rex gilt als der König der Raubsaurier. Doch wie sah der Entwicklungsweg zu diesem spätkreidezeitlichen Spitzenmodell aus? Eine neuentdeckte etwa pferdegroße Tyrannosaurierart legt nun nahe, dass die Vertreter dieser Sauriergruppe lange relativ klein blieben – erst am Ende ihrer langen Entwicklungsgeschichte erschienen plötzlich die Giganten. Wie die Untersuchungen des neuen Fossils zeigen, besaßen die Tyrannosaurier aber offenbar auch schon in der Mitte ihrer Erfolgskarriere hochentwickelte Fähigkeiten: ein leistungsstarkes Gehirn und scharfe Sinne.

Der neuentdeckte Vertreter der Tyrannosaurier wurde auf den Namen Timurlengia euotica getauft. Der nur etwa 250 Kilogramm schwere Raubsaurier streifte vor etwa 90 Millionen Jahren durch die kreidezeitliche Landschaft – also etwa 20 Millionen Jahre bevor die riesigen Vertreter dieser Sauriergruppe wie T. rex die Bühne der Evolution betraten.  Timurlengia füllt damit eine wichtige Wissenslücke im Zusammenhang mit der Entwicklungsgeschichte der Tyrannosaurier. Man wusste bisher, dass ihre evolutionären Wurzeln bereits auf eine Zeit von vor 170 Millionen Jahren zurückgehen. Funde aus evolutionären Zwischenstufen gab es aber kaum.

Ein pferdegroßer Tyrannosaurier reiht sich ein

Ursprünglich haben sie klein angefangen: Bei den frühen Vertretern der Tyrannosaurier handelte es sich Funden zufolge um Wesen von der Größe eines Menschen. Wie letztlich aus ihnen dann die Giganten der späten Kreidezeit wurden, ist unklar. Es gab Vermutungen, sie könnten fortlaufend immer größer geworden sein. Doch offenbar war das nicht der Fall: Wie Timurlengia vermuten lässt, hatten sie vor 90 Millionen Jahren erst moderate Körpermaße hervorgebracht. Dennoch waren die Tyrannosaurier offenbar damals schon durchaus schneidige Top-Räuber.

"Timurlengia war ein flinker Jäger mit messerartigen Zähnen", sagt Hans Sues vom Smithsonian National Museum of Natural History in Washington. "Vermutlich machte er Jagd auf Pflanzenfresser wie die Entenschnabel-Dinosaurier, mit denen er seinen Lebensraum teilte. Die Entdeckungen aus der Kyzylkum Wüste von Usbekistan helfen uns nun die frühe Geschichte der Tyrannosaurier zu verfolgen, von denen sich viel später einige Arten in Nordamerika breitmachten. Zunächst war aber Zentralasien der Ort, wo viele der bekannten Gruppen der kreidezeitlichen Dinosaurier ihre Wurzeln hatten", sagt Sues.

Noch relativ klein aber schon raffiniert

Um Informationen darüber zu bekommen, was Timurlengia einst im Köpfchen hatte, führten die Forscher computertomographische Untersuchungen seines fossilen Schädels durch. Anhand dieser Daten waren Rückschlüsse möglich, wie das Gehirn des Sauriers einst beschaffen war. Der Schädel von Timurlengia  war zwar viel kleiner als der von T. rex, doch die Untersuchungen zeigten, dass sein Gehirn und seine Sinne bereits ähnlich hochentwickelt gewesen waren. Timurlengia war zwar kein direkter Vorfahre von T. rex, betonen die Forscher, doch die Ahnen des Giganten waren Timurlengia wahrscheinlich sehr ähnlich.

Die Forscher kommen nun zu dem Fazit: "Erst als die Vorfahren der späteren Tyrannosaurier ihre leistungsstarken Gehirne und Sinne entwickelt hatten, brachten sie die kolossalen Größen wie im Fall von T. rex hervor", sagt Co-Autor Steve Brusatte von der University of Edinburgh. Auf den Punkt gebracht zeichnete die Tyrannosaurier-Evolution demnach aus: Erst wurden sie clever dann riesig.

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