Überlebensstrategie: Lebe schnell, stirb früh

Lystrosaurier wurden etwa so groß wie ein Schwein.Credit: Ken Angielczyk

Gigantische Vulkanausbrüche im heutigen Sibirien stürzten die Natur vor 252 Millionen Jahren ins Chaos: Die enormen Gasmengen destabilisierten das Klima und gelten als Ursache für das größte Massensterben aller Zeiten. Doch erstaunlicherweise überlebte ein Wesen diese Katastrophen an der sogenannten Perm-Trias-Grenze: Lystrosaurus. Was das Erfolgsrezept dieser Tiere war, haben Forscher nun aufgedeckt: Die "Survivor" lebten offenbar kürzer und vermehrten sich früher als andere Wesen.

Es kam zu einem regelrechten Kahlschlag unter den Organismen der Erde: Fossilien-Daten legen nahe, dass etwa 75 Prozent der an Land lebenden Arten sowie rund 95 Prozent der Meerestiere vor 252 Millionen Jahren von der Bühne der Evolution verschwanden. Doch nicht so die Lystrosaurier, die zur großen Gruppe der sogenannten Therapsiden gehörten, welche zuvor das Erdzeitalter des Perm dominiert hatten. Für sie wurde die Katastrophenzeit gleichsam zur großen Chance: Nach dem großen Sterben bildeten sie für Jahrmillionen die dominante Landtiergruppe auf der ganzen Welt.

Vorher-nachher-Vergleiche

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher um Adam Huttenlocker vom Natural History Museum of Utah in Salt Lake City Fossilien von Therapsiden aus Südafrika, die aus der Zeit vor und nach dem großen Massensterben an der Perm-Trias-Grenze stammten. Anhand der Feinstruktur der Knochen waren Rückschlüsse möglich, welches
Alter die Tiere damals erreichten.

Es zeigte sich: Vor der Katastrophenzeit besaßen die Lystrosaurier eine Lebensdauer von etwa 13 bis 14 Jahren. Nachdem die Klimakapriolen dann die meisten anderen Tierarten des Perm-Zeitalters ausgerottet hatten, waren die überlebenden Lystrosaurier anders: Sie hatten nicht nur an Größe eingebüßt, sie wurden auch nur noch zwei bis drei Jahre alt, ergaben die Analysen ihrer Fossilien. Folglich wurden sie vermutlich auch deutlich früher geschlechtsreif, sagen die Forscher. Ihren Computersimulationen zufolge bildete genau dies vermutlich das Erfolgsrezept der Lystrosaurier. Die frühe Vermehrung erhöhte ihre Überlebenschancen bei den unberechenbaren Umweltbedingungen um 40 Prozent, ging aus den Modellen hervor.

Parallelen zum heutigen Massensterben

Interessanterweise scheint sich der Effekt vor 252 Millionen Jahren nun bei manchen heutigen Arten zu wiederholen, berichten die Wissenschaftler. Die Rolle der katastrophalen Vulkanausbrüche am Ende des Perm-Zeitalters übernehmen jetzt die Machenschaften der Menschheit. Beispiel Kabeljau: Der Fisch hat im vergangenen Jahrhundert eine ähnliche Entwicklung durchgemacht, wie einst die Lystrosaurier, sagen die Forscher: Die industrielle Fischerei hat die meisten großen Individuen aus der Population entfernt, so dass Alter und Größe der Fische deutlich abgenommen haben. Außerdem sind sie nun gezwungen, so früh wie möglich für Nachkommen zu sorgen.

"Es zeichnet sich ab, dass wir nun in der Mitte des sechsten Massenaussterbens in der Erdgeschichte stecken", sagt Huttenlocker. "Es ist möglich, dass die Hälfte der Säugetierarten bis zum Ende des nächsten Jahrhunderts aussterben wird, wenn es so weitergeht wie bisher." Auch der Kommentar seines Kollegen Ken Angielczyk in diesem Zusammenhang wirkt bedrückend: "Durch Informationen, wie Tiere wie Lystrosaurus sich Katastrophen angepasst haben, können wir besser vorhersagen, wie die bevorstehenden Umweltveränderungen moderne Arten beeinflussen könnten", so der Forscher.

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