Tödlicher Doppelschlag für Eiszeitriesen

Blik aus der Höhle Cueva del Milodon, in der viele der untersuchten fossilien gefunden wurden. (Foto: Alan Cooper)

Riesenfaultier, Säbelzahntiger und Co: Als die ersten Menschen das südliche Südamerika erreichten, stießen sie noch auf die Vertreter der sogenannten Megafauna. Warum diese großen Tierarten am Ende der Eiszeit so plötzlich verschwanden, ist umstritten: Waren Klimaeffekte oder die Bejagung durch den Menschen die Hauptursache? Neue Erkenntnisse belegen nun: Die Kombination war tödlich. Offenbar überlebte die Megafauna den Jagddruck des Menschen in Patagonien mindestens 1000 Jahre lang – erst als die Klimaerwärmung dazu kam, starben die großen Tierarten innerhalb von 100 Jahren aus.

Überlebt hat bis heute nur eine größere Tierart in Patagonien: das bis zu 120 Kilogramm  schwere Guanako. Doch einst lebten noch weitere große Lama-Arten im südlichen Südamerika sowie andere markante Großtiere, wie beispielsweise die elefantengroßen Riesenfaultiere, Pferde, der Säbelzahntiger oder ein riesiger Kurznasenbär. Sie alle verschwanden vor etwa 12.300 Jahren und zwar verdächtigerweise kurz nachdem der Mensch in ihrem Lebensraum aufgetaucht war. Funde aus der sogenannten Fell's Höhle in Patagonien zeigten zudem, dass die ersten Menschen in dieser Region die Großtiere tatsächlich auch gejagt haben. Sogar der Ausdruck "Blitzkrieg" fiel im Zusammenhang mit der Vermutung, dass die menschlichen Neuankömmlinge den naiven Riesen in kurzer Zeit den Garaus gemacht haben könnten.

Klima oder Mensch?

Allerdings fielen auch die Klimaveränderungen am Ende der Eiszeit mit dem Ende der Megafauna in Südamerika zusammen. Wie auch in anderen Regionen der Erde, in denen große Tierarten in dieser Zeit verschwanden, stellte sich somit die Frage: Welcher Faktor war ausschlaggebend - Mensch oder Klima? Dieser Frage sind die Forscher um Alan Cooper von der University of Adelaide nun im Fall Patagonien nachgegangen. Für eine feine zeitliche Auflösung von Klimaeffekten und menschlichem Einfluss eignet sich der amerikanische Doppelkontinent ihnen zufolge besonders: Der Mensch drang vor rund 15.000 Jahren von Alaska im Norden bis in den äußersten Süden in nur etwa 1500 Jahren vor.

Bisher gab es allerdings keine präzisen Datierungen zum Aussterben der  Megafauna im südlichen Südamerika. Um dies zu ändern, haben Cooper und seine Kollegen Knochenfunde aus Patagonien durch Analysen der darin enthaltenen fossilen DNA den ausgestorbenen Tierarten zugeordnet sowie Radiokarbondatierungen durchgeführt. "Das ist das erste Mal, dass wir im Zusammenhang mit einer Aussterbewelle die Faktoren Klimawandel und menschliche Jagd vergleichen konnten", sagt Cooper.

Eine tödliche Kombination

Es zeichnet sich ab: Die Vertreter der Megafauna waren innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne verschwunden: in nur etwa 100 Jahren um eine Zeit von vor 12.280 Jahren. Den Ergebnissen der Forscher zufolge war es in dieser Zeit offenbar auch der einzigen heute noch existierenden Großtierart schlecht ergangen: Aus der fossilen DNA der Funde von Guanakos ging hervor, dass ihre Bestände in der kritischen Zeitspanne stark eingebrochen waren. Wie die Forscher berichten, war der Mensch allerdings schon mindestens 1000 Jahre vor der großen Aussterbewelle in Patagonien angekommen. In dieser Zeit hat die Megafauna dem Druck demnach standgehalten. Doch dann kamen klimatischen Daten zufolge kritisch warme Zeiten hinzu. Offenbar war also erst die Kombination tödlich, denn auch Phasen von Klimakapriolen hatte die Megafauna vor der Ankunft des Menschen schon überstanden.

"Die menschliche Besiedlung hat offenbar nicht sofort zum Aussterben geführt, aber nur so lange es kalt blieb.1000 Jahre menschlicher Besiedlung verstrichen, bis schließlich eine schnelle Erwärmung eintrat - dann starb die Megafauna innerhalb von in hundert Jahren aus", resümiert Cooper. Ähnliches könnte sich demnach auch in anderen Teilen der Welt abgespielt haben. Die Geschichte von Aussterben, Mensch und Klimawandel werden aber auch sicherlich noch weiterhin ein spannendes Thema bleiben.

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