Vogelrufe zur Dinosaurier-Zeit

Dieser entenartige Vogel aus der späten Kreidezeit besaß bereits einen Syrinx (Nicole Fuller/Sayo Art for UT Austin)

Von den komplexen Strophen der Singvögel bis zum eher einfachen "Honkhonk" vieler Gänse verfügen Vögel über ein enormes Repertoire der Lautäußerungen. Wann ihre Vorfahren jedoch begannen, vogeltypische Laute von sich zu geben, war bisher unklar. Jetzt haben Forscher in der Antarktis das bisher älteste fossile Stimmorgan eines urzeitlichen Entenvogels entdeckt. Das auch als Syrinx bezeichnete Organ stammt aus der späten Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren. Der Vogel gab damit wahrscheinlich ein gänseähnliches Honken von sich.

Vögel erzeugen ihre vielfältigen Laute anders als nahezu alle anderen Tiere. Denn bei ihnen dient nicht der Kehlkopf als Stimmorgan, sondern die tief im Brustkorb liegende Syrinx. Dieser Stimmkopf besteht aus einer Abfolge von mineralisierten Knorpelringen, die direkt an der Verzweigung der beiden Hauptäste der Bronchien liegen. Der Syrinx ähnelt damit einem umgekehrten "Y". Zwischen dem oberen und unteren Teil dieser Ringe sind dünne Häute gespannt, die beim Ausatmen schwingen und so die Laute des Vogels erzeugen. Einige Vögel können sogar beide Seiten dieser Tonhäutchen unabhängig voneinander schwingen lassen und dadurch zweitstimmig erklingen. Doch so weit verbreitet und typisch die Syrinx bei den heutigen Vögeln ist, so rätselhaft ist ihr Ursprung. Nur eine Handvoll fossiler Exemplare dieses Stimmkopfes sind bisher bekannt – und nahezu alle stammen aus den letzten 2,5 Millionen Jahren. Ab wann die Urvögel begannen zu singen und ob vielleicht auch schon die gefiederten Dinosaurier-Vorfahren der Vögel einen solchen Stimmkopf besaßen, blieb bisher offen.

Einen ersten Einblick in die Evolution des Vogel-Stimmorgans liefert nun ein außergewöhnlich gut erhaltenes Vogelfossil, das Julia Clarke von der University of Texas in Austin und ihre Kollegen auf Vega Island vor der Antarktischen Halbinsel entdeckt haben. Die Überreste dieses Vogels sind rund 66 Millionen Jahre alt und stammen damit vom Ende der Kreidezeit. Dennoch zeigt dieses Fossil bereits alle Merkmale eines modernen Vogels. Anhand der Knochen ordnen die Forscher den Vegavis iaai getauften Vogel der Gruppe der Entenvögel zu – es handelt sich damit um einen frühen Verwandten der heutigen Gänse, Enten und Schwäne. Das Besondere aber findet sich im Brustkorb dieses Fossils: "Neun Teile der mineralisierten Ringe der Syrinx sind nahe der Brustwirbelsäule erhalten. Sie liegen nahe der Position, die sie auch zu Lebzeiten des Vogels eingenommen haben müssen", berichten Clarke und ihre Kollegen. "Unseres Wissens nach ist dies der erste Fund einer fossilen Syrinx aus dem Mesozoikum."

Nicht bei gefiederten Dinosauriern?

Das fossile Stimmorgan ist nur rund einen Zentimeter groß, ähnelt in seinem Aufbau aber bereits der Syrinx heutiger Entenvögel, wie eine computertomografische Analyse enthüllte. Aus der Anatomie des Stimmorgans schließen die Wissenschaftler, dass Vegavis iaai wahrscheinlich schon damals ähnliche Laute von sich gab wie heutige Gänse und Enten: ein eher einfaches, aber schallendes Honken. Schon in der Endphase der Dinosaurier-Ära könnte die Luft zumindest in Meeresnähe demnach von diesen typischen Vogellauten erfüllt gewesen sein. Wie aber sah es in puncto Lauterzeugung bei den Verwandten der Urvögel aus, den gefiederten Dinosauriern? Um das herauszufinden, fahndeten Clarke und ihre Kollegen zwei Jahre lang unter bekannten Dinosaurier-Fossilien nach Anzeichen für eine Syrinx-ähnliche Struktur im Brustkorb. Doch fündig wurden sie nicht. Die Forscher schließen daraus, dass sich dieses Stimmorgan, im Gegensatz zu Federn, Flügeln und anderen Vogelmerkmalen, erst relativ spät und nur bei den echten Vögeln entwickelte. Den Dinosauriern, so vogelähnlich einige von ihnen äußerlich gewesen sein mögen, fehlt dieses definierende Merkmal offenbar noch.

"Beim Ursprung der Vögel geht es um so viel mehr als nur um die Entwicklung von Federn und der Flugfähigkeit", sagt Clarke. Ihrer Ansicht nach war der Syrinx ein Merkmal, das sich in der Vogelevolution erst relativ spät entwickelte und das daher bei den Nichtvogel-Dinosauriern noch fehlt. "Das könnte erklären, warum wir ein solches Organ noch nie bei einem Dinosaurierfossil oder Verwandten der Krokodile gefunden haben", so die Forscherin. Sie und ihre Kollegen vermuten, dass die Dinosaurier noch nicht zu vogelähnlichen Lautäußerungen fähig waren. Ihre Rufe klangen daher vermutlich eher wie die anderer Vierbeiner – grollend, zischend oder bellend.

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