Fossiles Dino-Hirngewebe identifiziert

Das Fossil im Größenvergleich mit einer Münze. (Foto: Jamie Hiscocks)

Ein unscheinbarer Stein – doch Untersuchungen offenbarten schließlich charakteristische Strukturen: Überbleibsel von Blutgefäßen und Gewebe. Es handelt sich um das erste bekannte Beispiel von fossilem Hirn-Gewebe eines Dinosauriers, sagen Paläontologen. Ihnen zufolge saß es vermutlich im Kopf eines Verwandten des bekannten Iguanodon, der vor etwa 133 Millionen Jahren gelebt hat. Sein Gehirn besaß offenbar ähnliche Merkmale, wie das der heutigen Krokodile und Vögel. Das Untersuchungsergebnis wirft zudem die Frage auf, ob Dino-Gehirne größer gewesen sein könnten als bisher angenommen.

Der Fossilien-Jäger Jamie Hiscocks hat den besonderen Stein bereits im Jahr 2004 an einem Fundort in Sussex entdeckt. Er wandte sich mit dem Stück schließlich an den Experten Martin Brasier von der University of Oxford. "Ich habe gleich geahnt, dass der Fund etwas Besonderes sein könnte - Weichgewebserhaltung ging mir durch den Kopf", so Brasier. Hiscocks berichtet über die Reaktion des Experten: "In seiner ersten E-Mail an mich fragte Martin, ob ich jemals von fossilem Dinosaurier-Hirngewebe gehört hätte. Ich wusste genau, was er meinte".

Charakteristische Strukturen zeichnen sich ab

In der Zwischenzeit wurde das Stück nun umfangreichen Analysen unterzogen, welche die Vermutungen bestätigten. Elektronenmikroskopische Aufnahmen und Computertomografie offenbarten schließlich die Strukturen der Hirnhaut, die einst das Gehirn des Dinosauriers umschlossen hat. Blutgefäße und Kollagen-Strukturen zeichneten sich ebenfalls ab, die zum äußeren Nervengewebe des Cortex gehört haben könnten. Vergleiche zeigten, dass die Befunde Ähnlichkeiten zu Strukturen aufweisen, die von den noch heute existierenden Verwandten beziehungsweise Nachfahren der Dinosaurier bekannt sind: Krokodilen und Vögeln.

Die Forscher machten außerdem eine weitere interessante Feststellung: Das Gehirn scheint direkt an der Schädelwand gesessen zu haben. Bei heutigen Reptilien ist es hingegen häufig von umfangreichen Gewebestrukturen umgeben, so dass das Gehirn selbst nur etwa die Hälfte des Volumens in der Hirnschale ausmacht. Dies könnte bedeuten, dass bei einigen Dinosauriern das Gehirn mehr Raum eingenommen hat als bisher angenommen.

Wie das Fossil entstanden sein könnte

Die Forscher betonen allerdings, dass das Gehirn im Zuge der Fossilierung auch nur an die Knochenschale gedrückt worden sein könnte. "Wir können nicht sicher sagen, wie groß das Gehirn dieses Dinosauriers war", so Co-Autor David Norman von der University of Cambridge. "Natürlich ist es durchaus möglich, dass Dinosaurier größere Gehirne besaßen als gedacht, aber anhand dieses einen Exemplars können wir das nicht klären". Deshalb hoffen die Wissenschaftler nun auf weitere Funde dieser Art.

Doch vermutlich handelt es sich im vorliegenden Fall um eine ausgesprochene Besonderheit. Im Gegensatz zu Knochen oder Zähnen hinterlassen weiche Körpergewebe nur sehr selten Spuren, weil sie so schnell abgebaut werden. "Die Wahrscheinlichkeit der Erhaltung von Gehirngewebe ist unglaublich klein – bei dem jetzigen Exemplar handelt es sich deshalb um eine erstaunliche Entdeckung", betont Co-Autor  Alex Liu vom Cambridge Department of Earth Sciences.

Den Forschern zufolge ist das Gewebe wohl so gut erhalten geblieben, weil das Gehirn des Dinosauriers bereits kurz nach seinem Tod in saures und sauerstoffarmes Wasser gelangte, das eine Verwesung verhinderte. So entstand eine Konservierung ähnlich wie bei einer Moorleiche. Anschließend setzte dann irgendwann Mineralisierung der Strukturen ein, durch die das Fossil entstand. Konkret gehen die Forscher von folgendem Szenario vor 133 Millionen Jahren aus: Der Dinosaurier starb im oder in der Nähe eines sumpfigen Gewässers und sein Kopf sank schließlich in das Sediment, wo es den idealen Konservierungsbedingungen ausgesetzt war – ein Glücksfall für die Paläontologie.

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